Nur noch in bestimmten Bereichen und zu vorgegebenen Zeiten soll das Singen erlaubt sein.

Mario Marinov (l.) und seine Mitstreiter aus Duisburg spielen an den Restaurants am Behnisch-Haus.
Mario Marinov (l.) und seine Mitstreiter aus Duisburg spielen an den Restaurants am Behnisch-Haus.

Mario Marinov (l.) und seine Mitstreiter aus Duisburg spielen an den Restaurants am Behnisch-Haus.

Der rumänische Straßenmusiker ernährt eine sechsköpfige Familie, indem er zur Gitarre greift und singt.

Dirk Jochmann, Bild 1 von 2

Mario Marinov (l.) und seine Mitstreiter aus Duisburg spielen an den Restaurants am Behnisch-Haus.

Krefeld. Ein lauer Sommerabend, ein romantisches Treffen zu zweit bei einem leckeren Essen, ein Musiker spielt dazu auf der Gitarre. Diese stimmungsvolle Szenerie könnte an der Promenade des Anglais in Nizza spielen. Doch tatsächlich ist es die Krefelder Innenstadt. Und das Paar ist alles andere als begeistert, dass es zu Spagetthi und Pfeffersteak zwangsweise Musik eines Straßenmusikers hören muss, der kurz darauf auch noch mit einem Plastikbecher herumgeht und um Geld bittet.

Szenen wie diese sind es, die die Unabhängige Wählergemeinschaft nicht mehr länger hinnehmen möchte. In einem Antrag an den städtischen Ordnungsausschuss fordert die Fraktion, dem Musizieren in der Innenstadt einen Riegel vorzuschieben – zumindest zeitweise.

Es soll „zum Schutz der Bürger, Geschäftsleute und Arbeitnehmer durch das Aufstellen von Spielregeln geregelt werden“, schreibt Wolfgang Eltgen, UWG-Sprecher im Ordnungsausschuss, in seinem Antrag.

Bürgerbeschwerden über laute und schlechte Musik

„In der letzten Zeit kommt es vermehrt zu Beschwerden aus der Bevölkerung“, sagt Eltgen. Viele fühlten sich durch „anhaltende, laute und stellenweise sehr schlechte Musikdarbietungen belästigt“. In anderen Städten gebe es Spielregeln, um genau das zu vermeiden. Für Krefeld stellt sich der UWG-Politiker folgende Einschränkungen vor:

Nur in ausgewiesenen Zonen der Innenstadt darf musiziert werden. Dies auch nur in einem Zeitfenster von 10 bis 20 Uhr unter Einhaltung einer Mittagsruhe von 12.30 bis 15 Uhr. Die Musikergruppen dürfen nicht stärker als drei Personen sein. Sie dürfen nach Ansicht der UWG nur bis zu 30 Minuten spielen, dem muss sich eine 30-minütige Pause anschließen. Der nächste Standort soll mindestens 300 Meter entfernt liegen.

Das Benutzen besonders lauter oder störender Musikinstrumente – etwa Schlagzeug, Trompete oder andere Blasinstrumente – soll nicht erlaubt sein. Dies müsse auch für elektronische Schallverstärker oder Wiedergabegeräte vorgeschrieben werden.

Die Regeln sollen zudem auch für Privatgelände gelten, sofern sich Auswirkungen auf öffentliche Zonen ergeben. Laut Stadt dürfen umherziehende Straßenmusiker zurzeit ohne besondere Genehmigung ihrer Arbeit nachgehen (siehe Info-Kasten).

Die Betroffenen halten nichts von solchen Einschränkungen. Ein rumänischer Musiker, der ungenannt bleiben möchte, verweist darauf, dass er eine sechsköpfige Familie ernährt, indem er mittags und abends zur Gitarre greift und singt. Dafür habe er sogar ein Gewerbe angemeldet und zahle Steuern.

Ausgerechnet die lukrative Mittagszeit zur Ruhezeit zu erklären, wäre für ihn wohl ein Schlag ins Kontor. Selbst im Winter verdient der Krefelder sein Geld mit Straßenmusik und steht beispielsweise in der Fußgängerzone.

 

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