Über Portale im Internet können private Pkw-Besitzer ihre Fahrzeuge vermieten.

Car Sharing
Der Hülser Marc Röber vermietet seit einem Jahr seinen Mazda MX 5 privat an andere Menschen.

Der Hülser Marc Röber vermietet seit einem Jahr seinen Mazda MX 5 privat an andere Menschen.

Andreas Bischof

Der Hülser Marc Röber vermietet seit einem Jahr seinen Mazda MX 5 privat an andere Menschen.

Krefeld. In Großstädten befinden sich alternative Mobilitätskonzepte auf dem Vormarsch. Das bestätigen Studien, unter anderem im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums. Wer in Ballungsräumen nicht zwingend auf ein Auto angewiesen ist, sucht häufig nach schnelleren und – angesichts steigender Spritpreise – günstige Möglichkeiten, sich fortzubewegen. Eine davon ist das sogenannte Car-Sharing: Ein Auto steht vielen Menschen zu Verfügung, die Nutzung erfolgt bei Bedarf und wird nach einem festgelegten System bezahlt.

In Krefeld treten bislang allerdings keine der auf solche Dienste spezialisierten Firmen auf. Die Suche danach, etwa auf den Internetseiten des Bundesverbands Car Sharing (bcs), in dem viele große Anbieter ihre Interessen zentral vertreten, ergibt sogar für die gesamte Region Niederrhein keinen Treffer – Düsseldorf und Aachen sind die nächstgelegenen Städte mit entsprechenden Angeboten. „Meistens sind es kleine Initiativen vor Ort, die den Stein ins Rollen bringen“, sagt Gabi Lambrecht vom bcs in Berlin.

Bevölkerungsdichte und gutes ÖPNV-System als Voraussetzungen

Grundvoraussetzungen für das Entstehen von Car Sharing in einem Ort sind laut Lambrecht eine hohe Bevölkerungsdichte und ein gut ausgebautes ÖPNV-System – Kriterien, hinter denen Krefeld mit fast 240 000 Einwohnern und einer stetig wachsenden SWK-Flotte eigentlich einen Haken setzen kann. „Die Anbieter gehen nur in Städte, wenn sie die Strukturen und Bedingungen vor Ort kennen“, erklärt Gabi Lambrecht das Vorgehen vieler Firmen. Bei der Deutschen Bahn, mit „Flinkster“ einer der größten Anbieter von Car Sharing in Deutschland, fällt Krefeld durch das Raster der potenziell interessanten Standorte. „Eine Station gibt es dort nicht, und die Planung sieht das bis jetzt auch nicht vor“, erklärt ein Sprecher in Düsseldorf gegenüber der WZ. Kriterien wie verfügbarer Parkraum und möglicher Kooperationspartner würden hier nicht erfüllt.

„Vielleicht sind die Krefelder so wohlhabend, dass sich dort jeder ein Auto leisten kann“, spekuliert Gabi Lambrecht vom bcs über die Gründe, warum Krefeld auf der Liste der 37 deutschen Großstädte über 200 000 Einwohnern Städte beim Car Sharing fehlt. Dass die Bewohner der Samt- und Seidenstadt 2012 im Vergleich zum Vorjahr zumindest nicht seltener hinter dem eigenen Steuer gesessen haben, zeigen Zahlen der örtlichen Kfz-Zulassungsstelle: Im Dezember sind 132 495 zugelassene Pkw auf den Straßen der Stadt unterwegs gewesen – 1254 mehr als im Dezember 2011 (131 241).

Ein Car Sharing-Model für Krefeld zu entwickeln, trauen sich die Stadtwerke durchaus zu. „Erste Betreiberkonzepte haben wir dazu in diesem Jahr entwickelt“, sagt SWK-Sprecherin Dorothee Winkmann der WZ. 2013 will man auf Partnersuche gehen und Konkretes veröffentlichen.

Wer in Krefeld abseits der klassischen Autovermietungen einen Pkw nutzen will, kann dies allerdings auch schon jetzt tun: privates Car Sharing, sogenannte peer to peer-Vermittler wie die Internetplattformen „Autonetzer“ und „Tamyca“, bringt private Pkw-Besitzer und Mietinteressenten zusammen. Die Grundidee: Nutzungszweck, -dauer und die entstehenden Kosten werden nicht von kommerziellen Anbietern, sondern privat geregelt.

Der Wagen wird nicht so oft benötigt – dann können auch andere fahren

Marc Röber aus Hüls ist seit einem Jahr bei „Tamyca“ angemeldet – er berichtet von positiven Erfahrungen: „Ich habe mein Auto in der Zeit drei Mal vermietet, jeweils für andere Zwecke und natürlich erst, nachdem ich mir einen Eindruck von dem Mieter gemacht habe.“ Ihm gefällt das Konzept und seinen Wagen, einen, Mazda MX 5, braucht er nicht ständig. „Warum soll der vor der Tür stehen, wenn andere ihn nutzen können und man so einen Teil der anfallenden Kosten deckt?“ Haben Vermieter und Nutzer sich geeinigt, schließen sie einen Vertrag, der auch Versicherungsschutz enthält – ein Teil der Mietsumme geht dafür als Gebühr an das Vermittlungsportal.

„Ganz ohne Vertrauen funktioniert das Ganze natürlich nicht“, sagt der 30-Jährige. Aber auch, wenn es für Röber „ein komisches Gefühl“ bleibe, das eigene Auto vom Hof fahren zu sehen: Der 30-Jährige findet die Idee des Car Sharing zeitgemäß und praktisch: „Ich glaube, dass sich das Prinzip irgendwann auch in Krefeld durchsetzen wird.“

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