Thomas Meulendick ist seit rund 20 Jahren Hufschmied. Die Arbeit mit den Eisen macht aber nur einen Teil seiner Arbeit aus, er muss auch viel über Anatomie wissen.

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Thomas Meulendick geht einem Traditionsberuf nach – der 45-Jährige ist Hufschmied.

Thomas Meulendick geht einem Traditionsberuf nach – der 45-Jährige ist Hufschmied.

Dirk Jochmann

Thomas Meulendick geht einem Traditionsberuf nach – der 45-Jährige ist Hufschmied.

Krefeld. Menschen tragen Schuhe, Pferde tragen Hufeisen. Doch während der Mensch zahlreiche Möglichkeiten hat, sich nach passendem Schuhwerk umzusehen, ist das Tier auf die Fertigkeiten von Spezialisten angewiesen – zum Beispiel auf die von Thomas Meulendick. Er ist Hufschmied und daher Fachmann in Sachen Pferdehufe.

Das war er allerdings nicht immer. Bevor sich der 45-Jährige vor rund 20 Jahren dazu entschloss, Hufschmied zu werden, war er Betriebsschlosser bei Thyssen. Das war aber nicht sein eigener Wunsch, sondern der seines Vaters. Die Neuorientierung war also nur eine Frage der Zeit: „Von einem Tag auf den anderen war klar, ich muss etwas machen, das mir Spaß macht“, sagt Meulendick.

Die wichtigsten Voraussetzungen brachte Meulendick mit. Um Schmied zu werden, war neben der damals noch notwendigen metallhandwerklichen Ausbildung etwas anderes genauso wichtig: die Leidenschaft für Pferde.

„Schmied ist ein Knüppeljob. Das ist kein Beruf, sondern eine Berufung“, sagt der 1,92 Meter große Krefelder. „Diesen Job kannst du höchstens 30 Jahre machen, dann ist Schluss. Der körperliche Verschleiß ist enorm.“ Da die Arbeit aus dem Rücken käme, seien Bandscheibenvorfälle keine Seltenheit.

Doch ein Schmied muss heute weit mehr können, als zu Zeiten, in denen das Pferd als reines Arbeitstier galt: „Das Handwerkliche ist nicht mehr das Entscheidende, ein Eisen krumm zu kloppen nicht die Kunst. Stellungsanomalien aus dem Stand zu erkennen, im Kopf umzusetzen und Lösungen zu erarbeiten, darum geht es“, sagt er.

Die traditionellen Arbeiten eines Hufschmieds sind das Kürzen beziehungsweise das Korrigieren der Hufe. Anschließend wird individuell entschieden, ob und was für Hufeisen das Tier braucht.

Der Hufschmied kontrolliert und pflegt die Hufen der Pferde in der Regel alle sechs bis acht Wochen. Ein Beschlag kostet durchschnittlich 100 bis 130 Euro pro Pferd.

Die Hufeisen gebe es meistens schon vorgefertigt und sie müssten nur angepasst, aber nicht mehr selbst geschmiedet werden, er zählt Meulendick.

„Man muss wissen, wie ein Pferd tickt und wie man es versorgt. Die Ernährung ist zum Beispiel wichtig, weil sich die Mineralstoffversorgung in der Beschaffenheit des Hufes widerspiegelt und somit die Art des Beschlags vorgibt.“

Überhaupt sei der Beruf des Schmieds eng mit dem eines Tierarztes verbunden. „Heute muss ein Schmied ein halber Tierarzt sein und über Anatomie und Biomechanik des Tieres Bescheid wissen. Das Berufsbild besteht mit Sicherheit zu 50 Prozent aus medizinischem Wissen.“ Sein Wissen habe er sich über Jahre in Eigenarbeit angeeignet und indem er mit Tierärzten mitgefahren sei. „Das ist leider nicht bei allen Schmieden der Fall. Das Nachsehen haben die Pferdebesitzer, denn Schäden, die durch den Schmied entstanden sind, zeigen sich oft erst Jahre später.“

Da es aber keine einheitliche Ausbildung gebe, sei es schwierig, einen guten Schmied zu finden. Aus diesem Grund gibt Meulendick Kurse, unter anderem an der Kölner Pferdeakademie, in denen er Grundwissen vermittelt.

Meulendick fordert eine einheitliche Berufsausbildung

Die fehlende Qualitätskontrolle seines Berufs stört den Zwei-Zentner-Mann sehr. Sein großer Wunsch ist es, dass es eines Tages eine einheitliche Berufsausbildung gibt. Dennoch liebt er, was er tut: „Das ist eine eigene Welt. Das Pferd als Individuum ist das ehrlichste, das es gibt, und kein Tag ist wie der andere. Ich habe meinen Traumjob gefunden.“

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