In 20 Minuten verwandeln sich rufende Kinder in ruhige Könige. Die Sternsinger sind unterwegs und sammeln für andere, die die Hilfe gut brauchen können.

Krefeld. "Ein Kind hat in einsamer Winternacht für alle das Licht der Welt gebracht. Wir tragen es weiter und bringen Euch heute den Segen der Weihnacht, Ihr lieben Leute."

Der zwölfjährige Max Terlinden trägt seinen Text vorsichtshalber auf Papier in seinem Schatzkästchen mit sich. "Ich könnte ja vielleicht beim Aufsagen ins Stocken geraten", befürchtet der Sternsinger.

Eigentlich müssten in der kleinen Kiste Gold oder Myrrhe sein, neben Weihrauch die Gaben der Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland. Aber die Sternsinger in Hüls tragen neben Spickzetteln nur geweihte Kreide in den Kästchen mit sich.

Der Dreikönigstag ist auch ein großer Tag für die Mädchen und Jungen. Sie wollen ganz besonders eifrig um milde Gaben bitten und den Segen in die Häuser bringen. Zwei Gruppen Sternsinger versammeln sich nachmittags im Haus der Musik an der Konventstraße, dem Hauptquartier des Arbeitskreises Sternsingen. Dort hängen in einem vorderen Raum die Gewänder nach Größe geordnet griffbereit. Es ist eng. Kaum vorstellbar, dass sich dort vier Gruppen umkleiden sollen.

Mit einem roten Mantel und goldener Krone

Es klappt: In zwanzig Minuten verwandeln sich die Mädchen und Jungen von rennenden und rufenden Kindern in Blue Jeans, Sweatshirt und Anorak in kleine, schön gekleidete Könige. "Wer was trägt, wurde bei den Proben entschieden", sagt Karl-Heinz Wagemans vom Arbeitskreis. Mit dem Überstreifen der Kleidung werden auch die Kinder ruhiger.

Jede Krefelder Pfarre hat Sternsinger, die alle für ein caritatives Projekt sammeln. "Wie sie eingesetzt werden, ist unterschiedlich", sagt Regionaldekan Johannes Sczyrba. "Manche gehen von Haus zu Haus und bitten um Gaben. Es gibt aber immer mehr, die nur auf Bestellung kommen." Es habe in den Vorjahren manch eine böse Überraschung gegeben, indem die Menschen unwirsch auf das Klingeln der Kinder reagiert hätten, so der Geistliche weiter. "Der Senegal ist das Beispielland in diesem Jahr, auf das sich die Kollekte fokussiert. Es kann aber auch für caritative Projekte in der Pfarre gesammelt werden", so Sczyrba.

Max hat sein langes weißes Unterkleid schnell gefunden. "Es ist ein wenig zu klein, aber in Ordnung", findet er. Darüber trägt er den roten Mantel. Dann wird die goldene Krone aufgesetzt und das Kästchen in die Hand genommen.

Der Zwölfjährige ist stolz, ein Sternsinger zu sein. "Zuerst war ich Sternträger und bin jetzt einer der Könige. Es ist schön, Spaß zu haben und anderen Kindern gleichzeitig helfen zu können. In diesem Jahr sammeln wir für die Kinder in Senegal. Jedes fünfte hat nicht genug zu essen." Da sei ein bisschen Kälte draußen nicht so schlimm, denkt er.

Begonnen hat die Sternsingerzeit in Hüls direkt am 1. Januar mit dem Aussendungsgottesdienst von Pfarrer Paul Jansen in der St. Cyriakuskirche. "Ihren ersten Segensspruch halten die Kinder an unserer Krippe und bringen den Segensspruch an", berichtet der Priester.

Die jeweilige Jahreszahl und die Buchstaben C + M + B für Christus Mansionem Benedicat, das heißt "Christus segne dieses Haus" werden hingeschrieben. Es sind dies auch die Initialen von Caspar, Melchior und Balthasar. Am 11. Januar erfolgt der Abschlussgottesdienst in der evangelischen Kirche.

Die Kinder singen und berichten über ihr Projekt

In Hüls wird Mattis Körner (9) schwarz geschminkt und verwandelt sich in König Caspar. Und Balthasar heißt eigentlich Miliana Kolias (7). Leonie Leiske (7) gibt den Sternträger. Die Kinder bringen an diesem Nachmittag ihren Segenswunsch zuerst an die Tür von Josef Lawaczeck, der sich sichtlich freut. Dann geht es weiter in die Altenstube des DRK im Konvent. Dort zeigen die Kinder ihr "volles Programm". Sie berichten über ihr Projekt, singen und sagen ihre Texte auf. Es hat prima geklappt. Keines ist hängengeblieben.

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