Der Hip-Hop-Star tritt am 26.Mai in Krefeld auf.

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Thomas D zeigt sich von seiner bunten Seite.

Thomas D zeigt sich von seiner bunten Seite.

Four Artists

Thomas D zeigt sich von seiner bunten Seite.

Krefeld. Hoher Hip-Hop-Besuch in Krefeld: Thomas D, bekannt von den Fantastischen Vier, gastiert am Dienstag, 26. Mai, ab 19 Uhr in der Kulturfabrik. Mit der WZ sprach der Musiker exklusiv über seine Songs und den Auftritt in Krefeld.

Auf deiner Homepage gibt es Podcasts, ein Tagebuch, neuerdings bist du bei "Twitter" vertreten. Wie wichtig ist Internet für dich?

Thomas D: Ich bin da nicht so ein Freak, weil wir hier auf unserem Hof in der Eifel sowieso kaum Internet haben. Es fällt ständig aus. Meine Homepage ist einfach ein sehr direkter Weg, mit den Fans zu kommunizieren. Ich nehme die Podcasts selbst auf und schneide sie selbst - da ist keine Redaktion dazwischen. Was ich auf meiner Seite verbreite, ist ungefiltert.

Und da kommt nie das Gefühl auf, sich zu Tode kommunizieren mit Twitter und Mail und Blog . . .

Thomas D: . . . und ICQ und zwischendurch Skype, und ständig klingeln irgendwelche Leute durch. Es ist ein zweischneidiges Schwert, zumal auch so viel Müll und fragwürdiges Zeugs reinkommt. Wir wollen immer überall dabei sein, doch wir verlieren uns und vergessen, dass wir alle noch ein Leben im Hier und Jetzt haben.

Ist Thomas D am liebsten offline?

Thomas D: Nicht ganz. Mein Lieblingsgerät ist das I-Phone. Ich habe mich da selber sehr abhängig gemacht und liebe die Möglichkeiten der Kommunikation und Information. Das Schöne ist ja, dass man sich die Dinge selber sucht - anders als beim Fernsehen, das ich nur noch frustrierend finde. Ich habe zum Glück aufgehört zu gucken.

Komplett?

Thomas D: Fast. Ich finde es ganz schrecklich. Ich habe mir neulich trotzdem mal eine halbe Folge "DSDS" angeguckt. Man will ja nicht weltfremd werden. Es ist auch gut zu wissen, wie groß der Schwachsinn wirklich ist.

Regt dich das auf?

Thomas D: Nein, es amüsiert mich eher. Obwohl: Neulich war ich morgens im Hotel, habe den Fernseher angemacht, und zwei Minuten später war meine Laune am Boden. Ich habe plötzlich verstanden, warum Rockstars so gerne Fernseher aus dem Hotelzimmer schmeißen. Das ist kein Lebensgefühl, es liegt einfach am Scheiß-Programm. Ich hatte wirklich das Bedürfnis, das Gerät aus dem Zimmer zu entfernen, bevor es mich verpestet mit seinem Müll.

Aber du hast es dann in Ruhe gelassen?

Thomas D: Ja, das hätte ich sonst keinem erklären können. Rockstar-Allüren kommen bei mir mindestens 15 Jahre zu spät.

Bei den Fanta 4 scheinst du immer der Nachdenklichste zu sein, deine Solo-Alben bestätigen den Eindruck. Bist du ein Grübler?

Thomas D: Vielleicht schon - obwohl sich das so anhört, als wäre man ein leicht depressiver Mensch. Bei den Fantas habe ich den Part des Dichters und Denkers, des Philosophen. Aber bei "Kennzeichen D" steht eine leichtere Seite von mir im Vordergrund - und das bin ich natürlich auch. Ganz platt gesagt: Ich bin sowohl der "Rückenwind"-Thomas als auch der "Krieger". Wir neigen zwar dazu, Menschen zu vereinfachen, aber letztlich sind wir doch vielschichtige Wesen.

Wer mit seinen Songs Botschaften transportiert, läuft Gefahr, in Betroffenheits-Lyrik abzugleiten. Wie verhinderst du das?

Thomas D: Man darf den Rock’n’Roll nicht verlieren - auch wenn ich mir nicht sicher bin, wie das funktioniert. Nehmen wir Sting. Ein großartiger Künstler, der mit The Police ein echtes Rock-Leben hatte. Und irgendwann hat er sich für den Regenwald eingesetzt. Eine lobenswerte Aktion, aber Sting ist darüber zum Gutmenschen geworden und hat seine Eier verloren. Ich hätte mir den Typen kantiger und asozialer gewünscht - vielleicht hätte es der Aktion sogar gut getan. Und genau da muss ich bei mir aufpassen: Ich bin sozial, gutmütig und harmoniesüchtig, aber das Esoterische, das weiße Leinenhemd und das Lustwandeln dürfen nicht Überhand nehmen. Deshalb mache ich auch mal einen heftigen Song wie "Vergiftet im Schlaf".

Wird das schwieriger, wenn man älter wird? Du bist jetzt 40 . . .

Thomas D: Man wird natürlich entspannter und denkt: Ich muss der Welt nicht mehr beweisen, wer ich bin. Das ist eigentlich von Vorteil. Aber das krasse Schwarz-Weiß, das man als Jugendlicher kannte, darf sich nicht in ein Grau verwandeln - sondern hoffentlich in ein Bunt.

Wie siehst du heute das krasse Schwarz-Weiß der jungen Hip-Hop-Szene?

Thomas D: Persönlich gefällt mir das nicht - mit ein paar Ausnahmen. Sido zum Beispiel finde ich ganz lustig, obwohl er ultrakrass ist, aber er nimmt sich selber nicht so ernst. Den großen Teil der Branche finde ich frauenfeindlich und diskriminierend - da kann ich überhaupt nicht drauf. Das entbehrt jedem Grundsatz des Zusammenlebens auf diesem Planeten und schürt nur Hass und Aggression. Für die Schicht von Menschen, die darauf abfährt, sind die Songs ein Ventil, trotzdem verstärken sie eher Wut und Gewalt. Aber das Schöne an Musik ist ja: Man muss sie nicht hören.

Du hast in einem Song deines neuen Albums deine Erlebnisse beim Tsunami verarbeitet, als du 2005 mit deiner Familie nur knapp dem Tod entkommen bist. Hat es so lange gedauert, bis du dieses Ereignis in Worte fassen konntest?

Thomas D: Die ersten Zeilen hatte ich schon kurz danach im Kopf: "Das hier geht an alle Hinterbliebenen, an alle über den Tod hinaus Liebenden." Das ist für mich der Schlüssel zum Gefühl von Schmerz und Verlust. Meine Familie hat damals durch ein Wunder überlebt, und ich sehe das Lied als Chance, etwas zurückzugeben. Es hat so lang gedauert, weil ich fand, dass jedes Wort behutsam gewählt sein muss. Ein Schulterklopfen hilft nicht, damit kann man auch viel kaputt machen. Direkt nach dem Tsunami war mir ohnehin zu viel Rummel um Promis, die sich hingestellt und gesagt haben: Ich war auch dabei. Da habe ich mich komplett rausgehalten. Jetzt hoffe ich, das Lied hilft Menschen, die jemanden verloren haben. Dafür ist Musik schließlich auch da.

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