Welle: Erdball begeisterten mit ihrem Minimal-Electro-Sound in der Kulturfabrik. Ein Konzept voller Ironie.

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Sänger „Honey“ von Welle:Erdball kommt blass geschminkt und in einem schwarzen Anzug daher. Das Licht in der Kufa war am Freitagabend auf die elektronischen Minimalisten abgestimmt.

Sänger „Honey“ von Welle:Erdball kommt blass geschminkt und in einem schwarzen Anzug daher. Das Licht in der Kufa war am Freitagabend auf die elektronischen Minimalisten abgestimmt.

Andreas Bischof

Sänger „Honey“ von Welle:Erdball kommt blass geschminkt und in einem schwarzen Anzug daher. Das Licht in der Kufa war am Freitagabend auf die elektronischen Minimalisten abgestimmt.

Krefeld. Nur wenige Bands würden es vor ihren Live-Auftritten wagen, zur Einstimmung einen 90-minütigen Spielfilm in billigster B-Movie-Qualität auf einer Leinwand zu zeigen. Welle:Erdball, eine bewusst mit Doppelpunkt geschriebene Formation aus Stadthagen nahe Hannover, sind eine von diesen kreativen Ausnahmeerscheinungen in der deutschen Musikszene.

Bei ihrem Konzert in der Kulturfabrik zeigen sie dem Publikum zunächst einmal den laut Vorankündigung "800 Euro teuren und in Mini-DV-Format" gedrehten Streifen "Operation: Atahualpa". Auch wenn die Story teilweise hanebüchen zwischen Schatzsuche und Irrenhaus daherkommt, entwickelt der Film seinen eigenen extravaganten Charme. Welle:Erdball inszenieren ihre Konzerte und so wirkt ihre eigentliche Bühnenshow dann auch.

Blass geschmimkt und im schwarzen Anzug

Anfangs hinter vier transparenten Kunststoffbannern sich bewegend werden die vier sich mit Pseudonymen schmückenden Mitglieder der Minimal Electro-Gruppe Teil einer seltsam stilisierten Kulisse. Während Keyboarder "A.L.F." auf einem Podest im Hintergrund ausdruckslos sein Instrument bedient, ist der ebenfalls blass geschminkte und im dunklen Anzug gekleidete Sänger "Honey" der große Aktivposten zwischen grellen Neonröhren und vier großen Arcade-Automaten.

Links und rechts vom Frontmann tanzen und singen als zusätzlicher optischer wie akustischer Anreiz die beiden Frauen, die blonde "Plastique" und die dunkelhaarige "Frl. Venus", auf einem Podest.

Musikalisch bieten Welle:Erdball beinahe altmodische, aber durchweg tanzbare "Computermusik" mit deutschen Texten. Denn für ihre analogen Klangerzeugnisse benutzen sie stilbewusst einen 28 Jahre alten Heimcomputer, den Commodore 64. Für den gibt es sogar einen Extra-Applaus von den rund 250 Zuhörern in der Kufa.

Aus dieser technoiden Kulisse heraus entwickeln Welle:Erdball einen melodischen Mix aus New Wave und Neue Deutsche Welle, der über zwei Stunden mitreißt und eher dynamisch als steril wirkt. Dabei ergänzen sich unter dem Beifall der Fans Musik und Showelemente beeindruckend gut: So werden zum hymnischen "Schweben, Fliegen und Fallen" weiße Logo-Luftballons ins Publikum geworfen oder zu "Hoch die Fahnen" Logo-Fahnen geschwenkt.

Nach einem Konfettiregen folgt mit einer elektronischen Coverversion von "Ein bisschen Frieden" der stürmisch gefeierte Zugabenteil. Am Ende ist die Begeisterung groß und das ironische Konzept der Band voll aufgegangen: "Monoton und minimal".

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