Einen Tag lang blieb die Friedrich-Ebert- Straße für Autos gesperrt.

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So manche Nachbarn und Besucher nutzten die Summer-Street zum gemütlichen Zusammensitzen.

So manche Nachbarn und Besucher nutzten die Summer-Street zum gemütlichen Zusammensitzen.

Dirk Jochmann

So manche Nachbarn und Besucher nutzten die Summer-Street zum gemütlichen Zusammensitzen.

Krefeld. Obwohl sich die Sonne nur ab und zu blicken lässt, ist die Friedrich-Ebert-Straße eine Summer- Street wie aus dem Bilderbuch. Kinder malen mit bunter Kreide Zebrastreifen auf den Asphalt und starten zum Bobby-Car-Rennen. Erwachsene spazieren in Scharen über die Flaniermeile für einen Tag oder lassen sich zu Kuchen und Wein in des Nachbars Vorgarten einladen. Mehrere zehntausend Besucher genießen das Leben auf der Überholspur unter dem Motto "Krefeld - schön hier". Und das ganz ohne Autos.

Christian Kraus hat den Wettbewerb innerhalb der Imagekampagne der Stadt mit seiner Idee der "Summer Street" gewonnen und ist begeistert von den Familien in den Vorgärten, der sich im Tagesverlauf immer wieder verändernden Straße und dem überwiegend tollen Wetter.

Statt des üblichen Motorengeräuschs ist nur Stimmengewirr zu hören

"Es ist so einfach", sagt er und lobt die Anlieger: "Ihnen gehört der Applaus. Alle haben an einem Strang gezogen. Am Vorabend sind die parkenden Autos wie von alleine verschwunden." Statt des üblichen Motorengeräuschs ist Stimmengemurmel wahrzunehmen.

Die Besucher lauschen nicht den Hupen, sondern den Klängen des Saxophon- und des Klavierspielers. Angelika Runge hat sich eine Viertelstunde im Liegestuhl auf dem Rollrasen ausgeruht. "Schade, dass ich nicht am autofreien Tag auf der A 40 war", bedauert sie. "Hier ist es so schön."

Ruhe herrscht und keine Hektik. "Endlich habe ich Zeit, die schönen Häuser an dieser Straße anzusehen und mit meinem Sohn Philipp die Villa Meerländer zu besuchen", erklärt Isabelle Hemmersbach. "Sonst rauscht man im Auto vorbei."

Abgase kriechen an diesem Tag nicht in die Nase, vielmehr kringeln sich Rauchwölkchen am offenen Feuer in die Luft. Dort, wo Stockbrot gart, Waffeln backen oder die Würstchen auf dem Grill brutzeln, riecht es total lecker. "Ich bin ein ,auslaufendes Modell’ und stehe bereits seit zwei Stunden am Rost", scherzt Jörg Pfeiffer und schwitzt nicht schlecht.

Vor ihm zeigt eine Gruppe Tai-Chi, neben ihm sind die Ehrenamtler vom Haus der Seidenkultur damit beschäftigt, einen Seidenfaden vom Kokon auf ein Rad zu fädeln. "Abkaspeln" heißt das.

Die kleinen Mädchen der Skating Cats zeigen in Kürkleidung wie toll sie sich auf Inlinern bewegen können und Laetitia (7) staunt: "So viele gucken zu." Ein wenig weiter spielt die Hobby-Band Met Jeföhl den Hit "Superjeile Zick" und die Passanten stimmen sofort mit ein.

Bei der Krefelder Tafel läuft es wie geschmiert. "Wir wollen ja etwas tun für unsere Gäste", sagt Christel Mühlenberg und bestreicht Rosinenbrot mit Butter. Das gibt es für 50 Cent. "Die Scheiben von zehn Broten haben wir schon mit Schmalz versehen." Alle Einnahmen der Summer Street gehen an gute Zwecke.

"Das war die Bedingung", sagt Friedhelm Kutz, Abteilungsleiter beim Fachbereich Stadtmarketing. "Es ist eine Veranstaltung von Bürgern für Bürger." Und Besucher Jan Vyskocil findet: "Da haben wir Krefelder ein eigenes Ding ohne Beigeschmack."

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