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Die Stadt der tausend Lichter: An Weihnachten mag es aber auch der New Yorker lieber heimelig.

Die Stadt der tausend Lichter: An Weihnachten mag es aber auch der New Yorker lieber heimelig.

Silvia Pyttel

Die Stadt der tausend Lichter: An Weihnachten mag es aber auch der New Yorker lieber heimelig.

New York. Es wird ein seltsames Weihnachten dieses Jahr. Erstmalig ohne Familie und Freunde, ohne das Feiertagsmenü meiner Mutter, ohne Weihnachtsgeschenke und ohne die unbedeutenden Streitereien (z.B. darüber, ob der aufgestellte Weihnachtsbaum zu groß, klein und/oder unproportional geschmückt ist). Allein in der Ferne, sehne ich mich plötzlich nach genau diesen altbekannten Abläufen.

Da ist es fast beruhigend festzustellen, dass es auch den New Yorkern nicht anders zu gehen scheint:

In Manhattan leben rund acht Millionen Menschen. Jeder anders. Aber so verschieden sie in ihren Einstellungen, Ansichten und Geschmäckern auch sind, eines haben die meisten von ihnen gemeinsam: Sie sind nicht hier geboren und aufgewachsen. Stattdessen kommen sie ursprünglich aus den umliegenden Kleinstädten oder dem Landesinneren, sind dort zur Schule gegangen und genießen nun das urbane Lebensgefühl mit all seiner Freiheit in der anonymen Großstadt.

Irgendwann jedoch scheint ihnen genau diese unverbindliche Offenheit nicht mehr zu genügen. Zumindest lerne ich immer mehr Großstädter kennen, die sich zu ihrer „spießigen“ Seite bekennen: Sie wünschen sich von der Frau im Lieblingsladen wiedererkannt zu werden, freuen sich, wenn der Pizzamann aus ihrer Straße ihnen winkt und das letzte Glas Wein beim Lieblingsitaliener aufs Haus geht.

Auch sie möchten integriert werden und suchen ein Gefühl von Zuhause. So kommt es, dass man am Ende selbst hier häufig denselben Menschen begegnet, Rituale entwickelt. Denn auch, wenn sie theoretisch da sind: Man bräuchte mehr als ein Leben, um alle Möglichkeiten in New York auszuschöpfen.

 

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