Die Sanierung der alten Weberei an der Luisenstraße birgt viele Überraschungen. Ab September ist das Museum wieder offen.

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Prunkstücke in Plastik: Die alten Jacquard-Webstühle im großen Saal sind während der Bauarbeiten in Folie eingeschlagen.

Prunkstücke in Plastik: Die alten Jacquard-Webstühle im großen Saal sind während der Bauarbeiten in Folie eingeschlagen.

Andreas Bischof

Prunkstücke in Plastik: Die alten Jacquard-Webstühle im großen Saal sind während der Bauarbeiten in Folie eingeschlagen.

Krefeld. So ging Leichtbauweise im Jahr 1868: zu jeder Seite ein Holzbrett, dazwischen Gips und Stroh. Genau so steht die Wand auf dem Dachboden des Hauses der Seidenkultur seit 150 Jahren. Hansgeorg Hauser berührt das Material aus dem 19. Jahrhundert mit den Fingern: „Wir erleben hier täglich neue Überraschungen“, sagt der Vorsitzende des Fördervereins, der das Museum betreibt. „Aber wir schauen nach vorn.“

Die Sanierung der ehemaligen Weberei an der Luisenstraße liegt im Zeitplan. Im September ist die Wiedereröffnung des Hauses der Seidenkultur geplant, genau zwei Jahre, nachdem die Stadt es wegen Mängeln im Brandschutz geschlossen hatte.

„Wenn einer im Takt gewebt hat, fing das ganze Haus an zu schwingen. Und beim Nachbarn zitterten die Gläser im Schrank.“

Hansgeorg Hauser, Vorsitzender des Fördervereins

Das Museum steht dann wieder auf festem Boden, und zwar auch im wörtlichen Sinne. Vier Stahlbetonrahmen sind vom Fundament bis zum Dach in das Haus eingezogen worden, um die Statik zu verbessern. Notwendig war das aus dem gleichen Grund, aus dem Soldaten nie im Gleichschritt über eine Brücke marschieren sollten. „Wenn einer im Takt gewebt hat, fing das ganze Haus an zu schwingen“, berichtet Hauser. „Und beim Nachbarn zitterten die Gläser im Schrank.“

In den kommenden Monaten ist der Brandschutz das vordringliche Thema. Spezielle Wände nach Vorgaben der Stadt sind schon gezogen worden. Zur Straße hin dienen der ehemals herrschaftliche Flur und der Dienstboteneingang als Fluchtwege, nach hinten wird als Notausgang eine Treppe in den Hof gebaut. „Natürlich gibt es immer wieder Schwierigkeiten“, sagt Hauser. „Der Weg ist lang und mühsam.“ Das Bauamt allerdings, mit dem der Verein eng zusammenarbeitet, sei für „konstruktive Lösungen“ offen, die „in einem Bau von 1868 auch tatsächlich umzusetzen sind“, sagt der Vorsitzende. In Sachen Brandschutz gebe es „knifflige Ecken“, gesteht er.

Bald werden die Webstühle wieder aufgebaut – 2000 Stunden Arbeit

Knifflig wird auch der Wiederaufbau der Webstühle, der Anfang März beginnt. Zurzeit sind die historischen Maschinen in Folie eingeschlagen. „Es wird drei Monate dauern, bis sie wieder laufen.“ Die Fachleute, die dafür im Einsatz sind, haben in der Regel ihr 75. Lebensjahr überschritten: Es sind die alten Webmeister, die diese Arbeit ehrenamtlich übernehmen. „Wir schätzen den Aufwand auf 2000 Stunden.“

Seit 2001 gibt es den Förderverein Haus der Seidenkultur. Er betreibt in der ehemaligen Paramentenweberei Hubert Gotzes an der Luisenstraße ein kleines Museum, das sich mit der textilen Geschichte Krefelds befasst. Prunkstück ist der Websaal mit acht Original-Jacquard-Handwebstühlen.

Im September 2011 schloss die Bauverwaltung das Museum wegen Mängeln im Brandschutz. Per Brief wurde der Beschluss mitgeteilt, ein Ordnungsgeld wurde angedroht.

Seither sammelt der Verein eifrig Spenden und beantragt Fördergelder. Binnen eines halben Jahres kamen die ursprünglich benötigten 330 000 Euro zusammen. Da nun Mehrkosten entstehen, sind Spenden weiterhin willkommen: Konto 34 26 42 bei der Sparkasse Krefeld (BLZ 320 500 00).

Nach der Sanierung wird das Haus der Seidenkultur über etwa 70 Quadratmeter zusätzliche Ausstellungsfläche verfügen, weil eine Wohnung im 1. Obergeschoss in das Museum integriert wird. Im ehemaligen Wohnzimmer und der Küche werden wechselnde Paramente gezeigt, im Schlafzimmer entsteht die Bibliothek mit Lesesaal.

Die zweite Wohnung, die sich im Dachgeschoss befindet, bleibt erhalten. Sie soll an einen Hausmeister vermietet werden. „Wir suchen jemanden, der sich für das Museum interessiert, vielleicht auch Interesse am Weben hat“, sagt Hauser. „Er könnte die Wohnung für eine Art Langzeit-Stipendium bekommen.“

Die Sanierung wird um zehn Prozent teurer als geplant

Trotz des hohen Aufwands und der andauernden Überraschungen will der Verein den Etat ungefähr einhalten. „Wir können rechnen, wir bauen ja weder einen Flughafen noch eine Philharmonie“, scherzt Hauser. Mit 360 000 Euro wird die Sanierung zwar rund zehn Prozent teurer als geplant, aber diese Mehrkosten werden durch die noch immer eintreffenden Einzelspenden der Bürger aufgefangen. „Wir können nach wie vor jeden Euro gebrauchen“, betont Hauser.

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