Matthias Melcher übergab am Donnerstag der Stadt Krefeld 21 Aktenordner mit Anträgen. Er hofft auf eine schnelle Bearbeitung.

Moderne Formen und Glas – so sollen die Eingänge zu den Büros aussehen.
Moderne Formen und Glas – so sollen die Eingänge zu den Büros aussehen.

Moderne Formen und Glas – so sollen die Eingänge zu den Büros aussehen.

Im dritten Obergeschoss der früheren Lagerhalle, entlang der Dujardinstraße, hat der Architekt zehn großzügige Wohnungen, so genannte Lofts, geplant.

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Moderne Formen und Glas – so sollen die Eingänge zu den Büros aussehen.

Krefeld. "Es ist eine Vision, aber eine sehr reale", sagt Matthias Melcher. Der 43-Jährige meint den Aus- und Umbau der Weinbrennerei Dujardin am Uerdinger Rheinufer. Über anderthalb Meter lang sind die 21 Aktenordner, die die notwendigen Anträge an die Bauaufsicht und die Denkmalbehörde der Stadt enthalten.

Udo Rodig, Chef der Bauaufsicht, wirkt etwas ratlos, als es um den Transport der Akten in Richtung Stadthaus geht. Architekt Stefan Mengden springt helfend ein. "Vielleicht bringen wir die mit dem Dujardin-Bus dorthin."

Schrittweise soll die Küferei zum Gastronomie-Bereich werden

Trotz des Umfangs der Unterlagen ist Dujardin-Erbe Matthias Melcher optimistisch: "Ich rechne mit den ersten Genehmigungen im Frühjahr. Und vielleicht können Ende nächsten Jahres schon die ersten Mieter hier einziehen."

Udo Rodig widerspricht nicht. Schrittweise soll die alte Küferei zum Gastronomie-Bereich ausgebaut werden. Ein erster Abschnitt könnte eventuell schon bis zum kommenden Frühjahr fertig sein.

Als Gastronomie-Experten hat Matthias Melcher Günter Böhm eingestellt. Der ist stadtbekannt als ehemaliger Betreiber von "Dr.Flotte" und "Böhm’s Bahnhof" in Fischeln.

Nach 1870 werden französische Weinbranderzeugnisse in Deutschland bekannter. Der gebrannte Wein aus den Destillerien des Städtchens Cognac findet seinen Weg auch nach Uerdingen. Die Gebrüder Melcher lernen die Familie Dujardin auf Chateau Merigots in der Charante kennen und kaufen von da an einen großen Teil ihrer Weine. Aus reiner Wirtschaftsbeziehung entsteht bald Freundschaft und beide Familien gründen die Dujardin & Co vorm. Gebr. Melcher.

Nach dem Tod von A. Dujardin scheidet seine Familie aus dem Unternehmen aus. Der Name aber bleibt. Dujardin kann die Nachfrage nicht mehr befriedigen und die alte Brennerei muss vergrößert werden. Auf dem Bauland an der heutigen Dujardinstraße entsteht 1930 eine Anlage mit Bahnanschluss und direkter Verbindung zum Rhein. Bei einem Luftangriff der Alliierten Luftstreitkräfte am 22. August 1943 wurde die Produktionsstätte vollständig zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Fabrik wieder aufgebaut.

Im Rahmen der zwei Jahre dauernden Planung wurden auch die Dimensionen des Komplexes ausgemessen. Dujardin hat eine Gesamtfläche von über 16000 Quadratmeter, so groß wie drei Fußballfelder. 10000 Quadratmeter stehen als gewerbliche Nutzfläche (für Büros und Arztpraxen) zur Verfügung und 2000 Quadratmeter als Wohnraum. Der umbaute Raum ergibt 80000Kubikmeter. Das wäre umgerechnet ein ein Meter hoher und breiter Tunnel, der von Uerdingen bis Köln-Süd reichen würde.

Zum Charakter der künftigen Gastronomie bei Dujardin sagt er: "Gehoben, aber nicht edel." In der Küferei sollen auf einer Fläche von 500 Quadratmetern Sitzplätze für rund 200Gäste entstehen. "In der runden Ecke im Frontbereich", so kündigt Architekt Stefan Mengden an, soll auf einer kleinen Bühne Kultur geboten werden, "Live-Acts, vielleicht auch Talk-Runden". Ausgeschenkt wird dort dann das helle und dunkle Melcher-Bräu, das in Königshof gebraut wird. Geöffnet wird im Sommer auch wieder der Biergarten.

"Wir haben hier Räume entdeckt, von denen wir vorher gar nichts wussten."

MatthiasMelcher

Einen wunderbaren Rheinblick genießen können die künftigen Mieter der geplanten zehn Loftwohnungen, der 14 Büros und Praxen im Großraum- und Loftstil. Außerdem können sich die Uerdinger auf einige tausend Quadratmeter Ausstellungsfläche freuen.

Über die Kosten wollte Matthias Melcher nichts sagen. "Das ist kein kalkulierbarer Neubau. Wir haben hier Räume entdeckt, von denen wir vorher gar nichts wussten. Und genauso geht es uns bei den Kosten." Aber eines war ihm wichtig: "Wir sind überzeugt, dass wir den Umbruch des Uerdinger Nordens einleiten. Wir freuen uns auch schon auf die Entwicklung bei unserem Nachbarn ’Rheinblick’".

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