Das Portrait einer Medizinerin, gemalt 1964, wandet jetzt in den Fundus des Archivs des Künstlers Gerhard Richter.

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Gerhard Richter vor einem seiner neueren Werke mit dem Titel „Abstraktes Bild“.

Gerhard Richter vor einem seiner neueren Werke mit dem Titel „Abstraktes Bild“.

Gerhard Richter vor einem seiner neueren Werke mit dem Titel „Abstraktes Bild“.

dpa, Bild 1 von 2

Gerhard Richter vor einem seiner neueren Werke mit dem Titel „Abstraktes Bild“.

Krefeld. Lange hing das Bild im Wartezimmer für Privatpatienten einer gynäkologischen Praxis am Ostwall, später in einem Treppenhaus. Dann als Leihgabe im Museum Kurhaus in Kleve. Jetzt ist es berühmt geworden, weil das Gerhard-Richter-Archiv in Dresden das 100 mal 90 Zentimeter große Gemälde "Porträt Dr. Knobloch" erworben hat. Dies gelang mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder und der Sparkassen-Finanzgruppe für die Sammlung im neuen Albertinum der Staatlichen Kunstsammlungen.

Die genaue Kaufsumme ist nur wenigen bekannt

Die beachtliche Kaufsumme wurde gedrittelt, bestätigte die Generalsekretärin der Kulturstiftung, Isabel Pfeiffer-Poensgen. Über die Höhe sagte sie nichts. Nach dem Umbau des Dresdner Museums soll Gerhard Richter einige Räume selbst einrichten, darunter auch den mit dem Knobloch-Gemälde. Das Bild, das zu Gerhard Richters frühen Fotobildern gehört und einem Viererblock aus einem Fotoautomaten nachempfunden ist, zeigt die Krefelder Ärztin Dr. Gisela Knobloch, die 2006 im Alter von über 90 Jahren gestorben ist und das Bild verschenkt hat. "An wen, darf ich nicht sagen", hütet Guido de Werd, der Direktor des Museums Kurhaus in Kleve, ein Geheimnis. Das Bild war lange als Leihgabe in seinem Haus. Guido de Werd war häufiger Gast bei Gisela Knobloch.

Entstanden ist das Bild mit den verwischten Porträts 1964, nachdem sich Gisela Knobloch und Gerhard Richter bei der Vernissage seiner ersten Einzelausstellung in der 1957 gegründeten Galerie Alfred Schmela in Düsseldorf kennen gelernt hatten. Knobloch gab es noch an diesem Abend bei Richter in Auftrag. So entstand eines der ersten Bilder einer Serie, die der aus Dresden stammende Künstler, der 2007 mit seinem aus über 11000 Teilen bestehenden Glasfenster im Kölner Dom Diskussionen auslöste, von Künstlerkollegen, Galeristen und Sammlern malte.

Für den Leiter des Gerhard-Richter-Archivs, Dietmar Elger, der eine große Ausstellung zum 80. Geburtstag Gerhard Richters im Jahr 2012 vorbereitet, ist das Porträt der Krefelderin "ein besonders schönes Beispiel für Richters frühe Fotobilder".

An dem nach dem Automaten-Passbild gemalten Porträt seien verschiedene Aspekte von Richters Werk ablesbar, so die Beziehung zum Werk von Andy Warhol wie der erste Schritt zur späteren Abstraktion. Neben der "Sekretärin" ist das Knobloch-Porträt das früheste Bild in der Dresdner Richter-Sammlung. Nach 20 Jahren, so stellt Elge fest, kommt mit dem Krefelder Bild wieder ein Werk der frühen Phase Richters in ein öffentliches Museum.

Das Richter-Archiv in Dresden wurde 2006 gegründet. Es sammelt und verwahrt Bücher, Kataloge, Fotos, Briefe und Dokumente. Der wurde in Dresden geboren, floh 1961 während eines Besuchs der "documenta" in Kassel 1959 in den Westen und lebt seitdem in Köln.

Dr. Gisela Knobloch, Tochter eines Krefelder Gymnasiallehrers, gehörte früh zum Sammlerkreis um die Galerie Schmela, war lange befreundet und später verheiratet mit Günter Stockhausen, einem der drei Brüder der Chemischen Fabrik im Krefelder Süden. Der war selbst ein großer Kunstliebhaber und verschenkte 1996 seine Sammlung, darunter viele Stücke von Ewald Mataré, an die Museen in Kempen, Kevelaer und Kleve. "Das war ein Jahr vor der Eröffnung unseres Hauses", erinnert sich de Werd gut. Schließlich ist die Mataré-Sammlung ein Schwerpunkt im Kurhaus. Knobloch und Stockhausen hielten häufig im Haus an der Friedrich-Ebert-Straße Sonntags-Matineen mit Künstlern und anderen Sammlern ab.

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