Renate Olbrich hat lange als Fotografin in der Werbung gearbeitet. Nun ist die fast 70-Jährige international als Künstlerin aktiv.

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Mit der speziellen Technik der Solarisation gestaltet Renate Olbrich ihre farbintensiven Bilder.

Mit der speziellen Technik der Solarisation gestaltet Renate Olbrich ihre farbintensiven Bilder.

Dirk Jochmann

Mit der speziellen Technik der Solarisation gestaltet Renate Olbrich ihre farbintensiven Bilder.

Krefeld. Die helle Fassade im Stil der Jahrhundertwende verrät nichts von der bunten Farbenpracht im Inneren. Das Haus am Westwall, in dem Renate Olbrich lebt und arbeitet, ist selbst ein Kunstwerk.

Vom Erdgeschoss bis zum Atelier unter dem Dach ist es angefüllt mit Bildern, Antiquitäten und jeder Menge originellem Trödel. " Ich stöbere sehr gerne auf Flohmärkten", erzählt die Künstlerin, und ihre Augen funkeln dabei. Mit ihren dunklen Locken und der zierlichen Figur wirkt sie sehr jugendlich. "Nächstes Jahr werde ich 70", sagt Renate Olbrich ohne Koketterie.

"Neugier ist bei Galeristen wichtig. Es sollte nicht immer nur um Geld gehen."

Renate Olbrich, Künstlerin

Als Künstlerin ist sie zurzeit aktiver denn je. Auf den beiden in Paris stattfindenden zeitgenössischen Kunstmessen Fiag und Cutlöog war sie durch Galerien, mit denen sie zusammenarbeitet, vertreten. Kohler und Partner aus Karlsruhe und Pack of Patches aus Jena gehören zu den wenigen Galerien, von denen die Künstlerin sich gut betreut fühlt. "Neugier an der Entwicklung eines Künstlers ist wichtig. Es sollte nicht immer um Geld gehen.". Dem kommerziellen Kunstmarkt steht Olbrich skeptisch gegenüber. Das ist auch ein Grund, warum sie erst in den vergangenen Jahren allmählich mit Ausstellungen an die Öffentlichkeit gegangen ist. Denn Kunst begleitet Olbrich schon ein Leben lang.

Nach einer Ausbildung zur Fotografin mit Meisterprüfung betrieb sie viele Jahre ein eigenes Fotostudio in Düsseldorf. Ihr Schwerpunkt lag auf der Werbefotografie. "Eine hektische Zeit, ich habe unglaublich viel gearbeitet", erinnert sie sich.

1980 zog sie einen Schlussstrich und fing "aus dem Bauch heraus" zu malen an. Dass sie sich heute als ernsthafte Künstlerin versteht, verdankt sie dem Galeristen Hans-Jürgen Müller. Der Initiator der zur Jahrtausendwende gegründeten Zukunftswerkstatt Mariposa bestärkte sie darin, als Künstlerin bei seinem Projekt auf Teneriffa mitzumachen.

Dieser Kontakt gab den Anstoß zu einer inzwischen regelmäßigen Ausstellungstätigkeit. Olbrich zeigte ihre Arbeiten im Stadtmuseum Lindau, im Museum Gelsenkirchen und mehrfach auf der Art Karlsruhe. Neben ihren malerischen Collagen sind es auch wieder Fotoarbeiten, mit denen sie großes Interesse bei Galeristen und Sammlern weckt.

Als Künstlerin hat Olbrich die alte Technik der Farbsolarisation für sich neu entdeckt. Durch gezieltes Hinzufügen von Licht und Chemikalien erzielt sie in ihren analog fotografierten Bildern Ergebnisse, die den Eindruck von Malerei erzeugen. Es entstehen kostbare Unikate von farbenprächtigen Bildern, deren Motive aus dem großen fotografischen Archiv der Künstlerin stammen.

Schmetterlinge triumphieren über Wolkenkratzer

Aber auch die vielen Gegenstände, mit denen sie sich umgibt, bieten immer wieder eine Quelle der Inspiration. So finden sich die Schmetterlinge aus einem alten Sammelkasten in einem großen New-York-Bild wieder, auf dem die zarten Tiere über die Wolkenkratzer zu triumphieren scheinen. Eigenwillig, unkonventionell und voller Energie - die Persönlichkeit der Künstlerin spiegelt sich in ihren Arbeiten eindrucksvoll wider.

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