Seit fast 100 Jahren ist die Grünanlage für die Öffentlichkeit zugänglich. Seit der Euroga hat sich dort viel getan.

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Ein Ort zum Verweilen: (v. l.) Den Ausblick im Schönwasserpark genießen auch Brigit Loy (Leiterin Botanischer Garten), Almuth Spelberg (Fachbereich Grünflächen) und Doris Törkel (Leiterin Fachbereich Grünflächen).

Ein Ort zum Verweilen: (v. l.) Den Ausblick im Schönwasserpark genießen auch Brigit Loy (Leiterin Botanischer Garten), Almuth Spelberg (Fachbereich Grünflächen) und Doris Törkel (Leiterin Fachbereich Grünflächen).

Dirk Jochmann

Ein Ort zum Verweilen: (v. l.) Den Ausblick im Schönwasserpark genießen auch Brigit Loy (Leiterin Botanischer Garten), Almuth Spelberg (Fachbereich Grünflächen) und Doris Törkel (Leiterin Fachbereich Grünflächen).

Krefeld. Schöner hätte sich Johannes Johansen, Verfechter des Krefelder Grüngürtels, seine letzte Ruhestätte vermutlich nicht wünschen können. Unter der großzügigen und pappelbepflanzten Gartenterrasse des Schönwasserparks liegt die Urne des ehemaligen Oberbürgermeisters. Er wurde als einziger Bürger der Stadt außerhalb eines Friedhofs begraben.

"Ehre wem Ehre gebührt, denn ohne ihn gäbe es heute nicht die Möglichkeit, von einem Park zum nächsten zu spazieren", macht Doris Törkel, Leitern des Fachbereichs Grünflächen, deutlich. Heute kann man, auf seiner Ruhestätte stehend, auf die Weite des Schönwasserparks mit Weiher und dem nach ihm benannten Wiesental, der Johansenaue, blicken.

Das Pappeldach hinter dem Haus Schönwasser bietet ein schattiges Plätzchen zum Ausruhen. "Früher war hier ein Ausflugslokal", erzählt Almuth Spelberg, ebenfalls vom Fachbereich Grünflächen. Seit 1912 ist der ehemals private Park für die Öffentlichkeit zugänglich und damit eine Bereicherung in Sachen Naherholung. Das sieht Irina Malyschewa, die jeden Tag herkommt, genauso. "Es ist ein angenehmer Ort, um zur Ruhe zu kommen und die Natur zu genießen", sagt die Englischlehrerin aus Kiew, die seit 15 Jahren in Krefeld lebt.

"Auch dieser Park hat sich im Zuge der Euroga 2002 stark verändert. Dafür wurden einige Erlen in Anlehnung an das historische Konzept gefällt, die den Blick auf das Haus Schönwasser versperrten. Der Widerstand dagegen war teilweise sehr groß", erinnert sich Törkel. "Aber im Nachhinein, als die Arbeiten abgeschlossen waren, war die Resonanz in der Bevölkerung sehr positiv", ergänzt Kollegin Spelberg.

Heute ist die Gegend rund um den Park ein beliebtes Wohnquartier, nicht zuletzt, weil Schönwasser neben der großzügigen Anlage noch mehr zu bieten hat. Auf Betreiben des Krefelder Realschullehrers Hans Höppner entstand der Botanische Garten. "Unsere Blumen links vom Eingang tragen zur Zeit die Trendfarbe Lila", sagt Leiterin Birgit Loy beim Betreten des Gartens lachend. Selbstverständlich lässt sich die Pflanzenwelt von menschlichen Modephasen nicht beirren. Es handelt sich vielmehr um die natürliche Farbe der Katzenminze, Flox und Schwertlilie, auf denen der Blick der Besucher im Botanischen Garten als erstes fällt. "Je nach Jahreszeit präsentiert sich hier natürlich auch ein anderes Farbbild", erklärt Loy. Die linke Seite des Gartens ist recht kleingliedrig aufgebaut mit verschiedenen Beeten, dem Duft- und Tastgarten sowie dem Bauern- und Apothekergarten und dem Schaugewächshaus.

Der Botanische Garten lädt zum Verweilen und zum Lernen ein

Schönwasserpark Um 1802 kauft der Tabakfabrikant Johann Hergers den Schönwasserhof, um ihn ab ca. 1825 als Landsitz zu nutzen. Durch die Erbfolge fällt das Anwesen an Johann Friedrich Scheibler, der das Haus erweitert und es mit einem Landschaftspark umgeben lässt. 1910 erwirbt die Stadt den Park samt Gaststätte und übergibt die 28 Hektar große Anlage 1912 der Öffentlichkeit.

"Der neu hinzugekommene Teil auf der rechten Seite ist bewusst anders gestaltet", sagt Loy und zeigt auf die großen freie Wiesenfläche. "Die nutzen wir für Veranstaltungen, da auf den schmalen Wegen mit vielen Menschen schnell die Gefahr besteht, dass Pflanzen beschädigt werden."

Der Botanische Garten hat sich seit 1927 aus einem kleinen Schulgarten zu einer vielfältigen, 3,6 Hektar großen Anlage mit rund 5000 Arten entwickelt. "Das Schöne ist, dass hier Pflanzen in wissenschaftlichen Abteilungen sortiert sind und durch Schilder zur Wissensvermittlung beitragen. Außerdem geht es hier auch darum, ganze Pflanzenkulturen zu erhalten", betont Loy. "Ähnlich wie im Zoologischen Garten, wo es darum geht, gewissen Tierarte zu erhalten", ergänzt Törkel. Zielstrebig geht die Fachbereichsleiterin weiter in Richtung Rosengarten. "Schön, dass man hier in diesem Jahr noch blühende Rosen sehen kann", sagt sie begeistert und riecht an einem der zahlreichen Exemplare. Dieser Bereich sei der bestbesuchte innerhalb des Gartens. "Viele Krefelder verweilen hier gerne", sagt sie und tut es ihnen gleich. Gemeinsam mit ihren zwei Kolleginnen setzt sie sich auf eine der Bänke und genießt den Ausblick.

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