Das Café K der katholischen Gemeinde ist wöchentlich Anlaufstelle für die Flüchtlinge. „Unsere Kirche ist offen, auch für Muslime. Der Austausch ist gegenseitig", sagt der Flüchtlingsseelsorger.

Beim Festessen zum muslimischen Opferfest im Gemeindezentrum Thomas Morus gibt’s Lammeintopf für die Gäste.
Beim Festessen zum muslimischen Opferfest im Gemeindezentrum Thomas Morus gibt’s Lammeintopf für die Gäste.

Beim Festessen zum muslimischen Opferfest im Gemeindezentrum Thomas Morus gibt’s Lammeintopf für die Gäste.

Andreas Bischof

Beim Festessen zum muslimischen Opferfest im Gemeindezentrum Thomas Morus gibt’s Lammeintopf für die Gäste.

Krefeld. Für Flüchtlingsseelsorger Thomas Guntermann ist es kein Widerspruch, wenn in einem katholischen Pfarrheim das muslimische Opferfest gefeiert wird. „Unsere Kirche ist offen, auch für Muslime. Der Austausch ist gegenseitig. Auch wir erzählen von unserer Kultur und unseren Festen und erklären, was Weihnachten für uns bedeutet. Ohne Missionsgedanken allerdings.“

60 Menschen kommen zum Opferfest in das Gemeindehaus

Gut 60 Männer und Frauen, viele mit Kopftuch, sind Gäste beim Opferfest im Gemeindehaus St. Thomas Morus an der Kempener Allee. Fast alle kennen sich hier untereinander. Das Haus ist ihnen vertraut. Jeden Mittwoch treffen sich hier im Café K die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft an der Westparkstraße. Sie reden miteinander, lassen sich bei alltäglichen Fragen beraten oder machen bei Sprachkursen mit.

Seit rund 15 Monaten kommt auch Abdulluab Hritany (44) hierher. Mit seiner Frau Nesrim und seinen zwei Kindern ist er mittlerweile in eine Wohnung im Stadtzentrum umgezogen. Der Textilfabrikant aus Aleppo hat dort alles verloren. Bei einem Luftangriff wurde sein gesamter Maschinenpark zerstört. Daraufhin machte er sich mit seiner Familie auf den Weg von Syrien nach Europa.

Es gehe ihm in Krefeld gut, erzählt er. Und es sei schön, im Kreise der Muslime das Opferfest zusammen mit den Betreuern aus der Unterkunft und der Kirche zu feiern. Wo er seine Zukunft sieht? „Meine Heimat ist Syrien“, sagt Hritany. Man muss ihm genau zuhören. Sein Deutsch ist noch nicht gut. Aber er will die Sprache lernen, weicht auch nicht auf Englisch aus, wenn ihm das angeboten wird. „Ich will die Menschen verstehen, die mit mir sprechen, und ich will, dass sie mich verstehen.“

Jochen Pesch, Gemeindereferent in der benachbarten Kirche St. Anna, die zur Gemeinde Heiligste Dreifaltigkeit wie Thomas Morus gehört, erklärt, wie es zu dem Festessen gekommen ist. Die türkisch-stämmige Familie Tokbag habe ein Lamm für das Café K gespendet, ein türkischer Koch bereite das Fleisch zu. „Das gehört zum Opferfest: die Schwachen und Benachteiligten an den Tisch zu holen, um mit ihnen das Brot zu teilen.“

Das Opferfest (Kurban-Fest) ist eines der höchsten islamischen Feste. Es wird zum Höhepunkt des Haddsch gefeiert, der Wallfahrt nach Mekka und dauert vier Tage. Beim Opferfest wird des Propheten Ibrahim (Abraham) gedacht, der nach muslimischer Überlieferung die göttliche Probe bestanden hatte und bereit war, seinen Sohn Ismael ( Isaak) Allah zu opfern. Als Allah (Gott) seine Bereitschaft und sein Gottvertrauen sah, gebot er ihm Einhalt. Ibrahim und Ismail opferten daraufhin voller Dankbarkeit im Kreis von Freunden und Bedürftigen einen Widder.

Die Geschichte wird im Koran in Sure 37,99-113 erzählt. In der Bibel ist es die Erzählung von der Opferung Isaaks.

Deshalb steht Pesch in der Küche und richtet die vielen Teller an. Pesch gehört wie Bezirksvorsteher Klaus Menzer zum Orga-Team, das sich um die Menschen an der Westparkstraße kümmert. Pfarrer Guntermann, der vorher Tische und Stühle geschleppt hat: „Das macht Spaß und ist ungemein bereichernd. Für alle, die dabei sind.“

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