Die SPD startete mit Gästen in die Niepkuhlen und ließ sich vom Biologen Ludger Rothschuh informieren.

Spaziergang
Ein herrliche Stück Natur: Die Niepkuhlen, die das Ziel eines Spaziergangs beim SPD-Sommerferienprogramm waren.

Ein herrliche Stück Natur: Die Niepkuhlen, die das Ziel eines Spaziergangs beim SPD-Sommerferienprogramm waren.

Dirk Jochmann

Ein herrliche Stück Natur: Die Niepkuhlen, die das Ziel eines Spaziergangs beim SPD-Sommerferienprogramm waren.

Krefeld. Auf schwankenden Bohlen über dem dunkelbraunen Wasser der Niepkuhlen versammeln sich 17 Naturinteressierte. Die Aussichtsplattform ist der Startpunkt für die Exkursion des SPD-Sommerferienprogramms. Von hier aus kann man einen guten Blick auf die Ufervegetation werfen.

Da bricht bei Diplom-Biologe Ludger Rothschuh auch gleich der Wissenschaftler heraus: „Wir sehen hier eine Zonierung: Als erstes kommt das Weidengebüsch und als zweites das Erlengebüsch“.

Gleich nach dem Verlassen der Plattform schlüpft der Dozent in die Rolle eines aktiven Mitglieds beim Naturschutzbund und gibt gleich praktische Tipps für den Hobbygärtner. Und gleich entsteht ein lebendiger Austausch zwischen den Gartenfreunden und dem Biologen, der sich wie ein „grüner Faden“ durch den naturkundlichen Spaziergang ziehen wird.

Zur permanenten Begleitmusik entwickelt sich für die Gruppe auf dem Hermann-Kresse-Weg das Bimmeln der Fahrradklingeln. Die eine Hälfte der Radfahrer meint mit aggressivem Klingen, die alleinige Daseinsberechtigung auf diesem schönen Weg bekunden zu müssen, während sich die andere Hälfte nach kurzem Anbimmeln freundlich für die freie Fahrt bedankt.

Ein Maulbeerbaum zur Erinnerung an die Seidenindustrie

Den historischen Ursprung für den gut genutzten Weg kann der pensionierte Biologielehrer Wolfgang Wientgen erklären: „Hier fuhr früher die Straßenbahn von Krefeld nach Moers, die Linie 12.“ Nachdem der Straßenbahnverkehr eingestellt worden war, pflanzte man in den 1960er Jahren eine abwechslungsreiche Baumsammlung entlang der Bahntrasse.

Die Preisfrage von Rothschuh, welcher Baum neben dem Ginkgo steht, kann keiner so schnell beantworten. Es ist ein Maulbeerbaum, der hier zur Erinnerung an die Seidenindustrie in Krefeld gepflanzt wurde. Einst gab es viele davon in Krefeld, weil ihre Blätter Grundnahrungsmittel für Seidenraupen sind.

An einem Aussichtspunkt über einer Wasserfläche in den Riethbenden gelingt es den aufmerksamsten Naturbeobachtern sogar, einen Blick auf einen vorbeifliegenden Eisvogel zu erhaschen.

Ein botanisches Aha-Erlebnis bei einer „Allerweltspflanze“ gibt an der nächsten Wegabzweigung. Keiner hat bislang bemerkt, dass Efeu zwei verschiedene Blattformen ausbildet. Wenn er nach oben wächst, besitzt er die bekannten dreieckigen, doch wenn er nach vorne fallen kann, bildet er Blüten aus und besitzt an diesen Ästen längliche Blätter.

Aber noch weit Erstaunlicheres erfährt man mitten in dem anschließenden Bruchwald mit seinem Oberflächenwasser. Die dunkelbraune Flüssigkeit fließt, wie es ein hineingeworfenes Blatt beweist, ganz langsam nach Norden. „Das Wasser der Niepkuhlen fließt in die Niers, aber das Grundwasser von hier in den Rhein“, weiß der Experte. „Von hier fließt das Wasser nach Issum zu Diebels!“

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