Die Mundart ist nicht tot, aber sie liegt auf der Intensivstation, sagt der Krefelder Autor Heinz Webers.

Die Mundart ist nicht tot, aber sie liegt auf der Intensivstation, sagt der Krefelder Autor Heinz Webers.
Morgen ist heute schon gestern: WZ-Autor Heinz Webers hat über 600 Sprüche aus seiner Heimat zu einem Buch zusammengetragen.

Morgen ist heute schon gestern: WZ-Autor Heinz Webers hat über 600 Sprüche aus seiner Heimat zu einem Buch zusammengetragen.

Dirk Jochmann

Morgen ist heute schon gestern: WZ-Autor Heinz Webers hat über 600 Sprüche aus seiner Heimat zu einem Buch zusammengetragen.

Krefeld. Die Mundarten gehen immer mehr zurück. Pessimisten behaupten gar, die Mundart sei tot. „Das ist sie nicht“, widerspricht Heinz Webers. „Aber sie liegt auf der Intensivstation.“ Zur Genesung des Patienten trägt der Bockumer Mundartler seit Jahren nicht nur mit seinen Büchern bei.

Im Jahr 2000 fing alles an. Damals „übersetzte“ Heinz Webers 5000 Krieewelsch-Wörter ins Deutsche. Zwei weitere Sammelbände folgten, und da Webers nach eigener Aussage „sehr fleißig“ ist, kommt jetzt das Mundartbüchlein Nummer vier in den Handel. Mit der Veröffentlichung möchte der WZ-Autor Webers „dem Patienten wenigstens die Hand halten“.

„Eäten on Drenke hält Liev on Sieel tusame – Essen und Trinken hält Leib und Seele beisammen.“
Heinz Webers zu seinem Lebenmotto

„Morje es vandag al jister!“ (Morgen ist heute schon gestern) lautet der an die Vergänglichkeit des Lebens mahnende Titel. Dieses Mal hat der 80-Jährige über 600 Sprüche aus seiner Heimat „op Krieewelsch“ zusammengetragen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, wie er betont. Die Sprüche sind in sechs Kapiteln sortiert und reichen thematisch von „Alles es Jewännde – Alles ist Gewohnheit“ bis „Dat Weär he ongen an de Rhieen – Das Wetter am Niederrhein“.

Am leichtesten fiel dem Autor das Kapitel „Eäten on Drenke hält Liev on Sieel tusame – Essen und Trinken hält Leib und Seele beisammen“. „Da bin ich persönlich beteiligt“, lacht Webers.

Der Vorrat an mundartlichen Sprüchen scheint Heinz Webers nicht auszugehen. Er liebt es, sie aufzuspüren und niederzuschreiben. „Schon Goethe sagte: Beim Dialekt fängt die gesprochene Sprache an“, erzählt der ehemalige Diplom-Verwaltungswirt.

Autor Heinz Webers, “Morje es vandag al jister!“ (Morgen ist heute schon gestern), Seidenweber Bücherei, 109 Seiten, sechs Euro. Illustrationen von Irene Bersenjow.

Alle Mundartgruppen Krefelds präsentieren „Stöckskes op Platt“ am Sonntag, 25. Oktober, um 11 Uhr in der Mediothek, Theaterplatz. Eine stattliche Sammlung an Schimpfwörtern stellt Heinz Webers am 21. Januar 2016 um 18 Uhr in der VHS vor. Natürlich auf Krieewelsch!

Für jüngere Leser und andere Mundart-Unkundige hat er die Sprüche kurz und knapp übersetzt. „So kann man den Inhalt besser verstehen“, sagt Webers.

Heinz Webers lernte von Kindesbeinen an Dießemer Platt. „Schreib wie du sprichst“, lautet seine Devise. Wer sich Webers Aussprache anhören möchte, kann dem Klang seiner vom Ortsteil Dießem geprägten Sprache folgen. Für Webers sind Sprüche „gebrauchsfertiges Erbgut“, und er wird 100 von ihnen ab November im Internet vorlesen. Die ersten Sprüche eines jeden Kapitels hat er aufgenommen: www.krieewelsch.de, hier unter „aktuelle Mundarttermine“.

1997 rief Heinz Webers mit Gleichgesinnten den Arbeitskreis Mundart, Brauchtum und Volkskunde im Verein für Heimatkunde Krefeld ins Leben. Er hat eigene Beiträge verfasst, trägt Krieewelsch gerne vor und moderiert Mundart-Veranstaltungen. Webers bezeichnet sich als „Mundart-Manager“. Der Landschaftsverband Rheinland hat den „Mundart-Motor“ im Jahre 2012 mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet.

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