Im Internet geben Arbeitnehmer Bewertungen ab. Auch Krefelder Firmen werden beurteilt.

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Die Brüder Mark (links) und Martin Poreda haben das Firmen-Bewertungsportal kununu.com gegründet.

Die Brüder Mark (links) und Martin Poreda haben das Firmen-Bewertungsportal kununu.com gegründet.

Günther Peroutka

Die Brüder Mark (links) und Martin Poreda haben das Firmen-Bewertungsportal kununu.com gegründet.

Krefeld. Es gibt nichts, wozu im Internet keine Bewertung abgegeben wird: Bei Amazon rezensieren Käufer Bücher, bei Ebay wird die Kaufabwicklung beurteilt - und seit letztem Jahr gibt es eine neue Bewertungsplattform: kununu.com.

Dort können Angestellte in einer Punkteskala von eins bis fünf in dreizehn Kategorien den Chef, die Kollegen oder das Arbeitsklima beurteilen - anonym natürlich. Das Internetportal - deutscher Sitz ist Hamburg - deckt den Arbeitsmarkt in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich ab.

Insgesamt wurden bis heute 20955 Bewertungen abgegeben und damit 10462 Firmen beurteilt. Darunter sind auch 32 Krefelder Unternehmen. Die WZ hat mit drei Firmen gesprochen.

Fressnapf

Achim Schütz ist für die interne Kommunikation bei Fressnapf in Krefeld zuständig. Er wundert sich oft über die negative Einstellung der Leute zu ihrem Job. Er findet, dass die Anonymität der Bewertungsplattform Gefahren in sich birgt.

"Es bleibt die Frage offen, ob es sich um einen Mitarbeiter handelt oder einen Ehemaligen, der sich womöglich schlecht behandelt fühlt." So könne unentdeckt schmutzige Wäsche gewaschen werden. Der Krefelder Standort beschäftige zudem 600 Mitarbeiter, und da sei eine Bewertung einfach unrepräsentativ.

Maria-Hilf

Die Bewertungsplattform soll Arbeitssuchenden eine Orientierung auf dem Arbeitsmarkt geben und dabei helfen, die Firma zu finden, die zu ihnen passt. Gleichzeitig soll sie für Arbeitgeber ein wichtiger Feedback-Kanal sein und auf mögliche Missstände im Unternehmen hinweisen. Kununu.com sieht sich als seriöse Informationsquelle und nicht als Hetzforum. Der Name Das Wort "kununu" stammt aus dem Suaheli und bedeutet "unbeschriebenes Blatt". Der Name soll somit stellvertretend für alle Unternehmen stehen, die noch nicht bewertet wurden.

Ähnliche Bedenken hat auch Michael Wilke, Geschäftsführer der Maria Hilf GmbH. Er findet den Umgang mit kununu.com schwierig. "Durch die Anonymität ist die Bewertung einfach nicht nachvollziehbar." Handle es sich etwa um eine seriöse Bewertung oder um einen Scherz - eine Frage, die unbeantwortet bleibt.

Deswegen sieht es Wilke lieber, wenn sich die Angestellten im Unternehmen direkt äußern. "Dazu führen wir regelmäßig Mitarbeiterbefragungen durch", sagt Wilke. Diese seien auch anonym, aber man könne sich sicher sein, dass es auch wirklich Angestellte seien. Das Internet sei geeignet für alle Meinungsveröffentlichungen.

Siempelkamp

"Es ist ein Zeichen der Zeit", sagt Ralf Griesche, Marketingleiter für die Abteilung Maschinen und Anlagenbau der Firma Siempelkamp. Eine gut besuchte Arbeitgeberplattform sei eine wichtige öffentliche Meinung. Allerdings sind bei knapp 2 500 Mitarbeitern ein paar Bewertungen nicht ernst zunehmen.

"Es müssen mindestens zehn Prozent der Mitarbeiter sein, um darauf einzugehen", sagt der Dipom-Volkswirt. Dann würden die Ergebnisse intern ausgewertet und daraus Schlüsse gezogen werden.

Fressnapf hat nun eine Bewertung mehr. Achim Schütz arbeitet gerne dort und hat selbst eine Beurteilung im Internet abgegeben. "Als Angestellter natürlich, nicht als Pressesprecher."

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