Hannelore Hartwig feiert ihren 90. Geburtstag. Die gebürtige Berlinerin unterrichtet immer noch Schüler und Studenten in Latein.

Trotz ihrer 90 Jahre ist Hannelore Hartwig noch fit. Sie unterrichtet immer noch Latein.  Repro: Andreas Bischof
Trotz ihrer 90 Jahre ist Hannelore Hartwig noch fit. Sie unterrichtet immer noch Latein. Repro: Andreas Bischof

Trotz ihrer 90 Jahre ist Hannelore Hartwig noch fit. Sie unterrichtet immer noch Latein. Repro: Andreas Bischof

Trotz ihrer 90 Jahre ist Hannelore Hartwig noch fit. Sie unterrichtet immer noch Latein. Repro: Andreas Bischof

Krefeld. Hannelore Hartwig feiert am Donnerstag ihren 90. Geburtstag. Selbst in ihrem hohen Alter unterrichtet sie noch hochmotiviert Schüler und Studenten in dem Fach Latein. „Ich mache es trotz kleiner Wehwehchen noch immer mit großer Begeisterung“, sagt sie. Auch ansonsten ist die ältere Dame noch ziemlich fit und gut gelaunt.

Sie hat sich die lateinische Sprache fast vollständig selbst beigebracht

Am 22. September 1926 ist Hartwig in Berlin geboren. In Görlitz, dem östlichsten Teil des damaligen Ostdeutschlands, hat sie den Krieg miterlebt. Bereits dort in der Schule hat sie Latein gelernt und auch ihr Latinum absolviert: „Damals habe ich mich aber noch nicht in besonderem Maße für die Sprache interessiert.“ Ihre heutigen Kenntnisse hat die 90-Jährige sich erst Jahre später selbst angeeignet. „Ich bin ein so genannter Autodidakt.“ Sie hat auch Englisch gelernt und bereits mehrmals einige Wochen in Amerika verbracht.

Ihr Mann hat in Görlitz als Lehrer gearbeitet. Als die Gestapo ihn aufgefordert hat, Spionagedienste zu leisten, hat das Ehepaar beschlossen aus Ostdeutschland zu flüchten. Hannelore Hartwig, die zu dieser Zeit bereits mit ihrem ersten Sohn schwanger war, ist mit ihrem Mann direkt nach St. Tönis gezogen.

„Wir sind hier her gekommen, weil mein Bruder mit seiner Familie auch hier gewohnt hat“, erklärt sie. Dort hat sie dann ihren zweiten Sohn geboren. Zwischenzeitlich ist die Familie wegen dem Beruf des Mannes, der Schuldirektor einer Hauptschule in Krefeld gewesen ist, in die Innenstadt gezogen. Latein hat dieser jedoch nie gelernt. Ihr älterer Sohn war in die Fußstapfen des Vaters getreten. „Auch er ist Schuldirektor an einer Grundschule in Krefeld gewesen.“

Nachdem ihr Mann und ihr älterer Sohn verstorben sind, ist die Witwe wieder nach St. Tönis zurückgekehrt. Bereits seit 50 Jahren unterrichtet sie Schüler und Studenten privat in ihrer Wohnung in der lateinischen Sprache. Über die Jahrzehnte hat sie über 100 Schülern geholfen, ihr Latinum oder sonstige Einstellungstests zu schaffen. „Ich hätte mir eine Art Gästebuch anlegen sollen, wo sich dann jeder meiner Schüler hätte eintragen können. Dann könnte ich heute stolz durch die Seiten blättern und mich an die einzelnen Personen erinnern“, sagt Hartwig.

Momentan hat sie immer noch sechs Schülerinnen und Schüler die Woche. Früher waren es bis zu 20. Die meisten davon besuchen das Michael-Ende-Gymnasium oder das Gymnasium Marienschule. Abgesehen von einem Leistenbruch, den sie vor einem halben Jahr erlitten hat, geht es ihr gesundheitlich gut. „Ich kann sogar noch selber einkaufen gehen“, sagt Hartwig.

Ihren Geburtstag feiert sie bei einem Franzosen mit ihrer Familie und ihren Freunden. 25 Personen kommen. Sogar ihr jüngerer Sohn, der in Berlin lebt und als Journalist arbeitet, kommt zu dem besonderen Anlass mit dem Flugzeug mit seiner Familie angereist.

„Besonders auf meine zwei Enkel freue ich mich sehr. Mein Sohn hat einen Jungen und ein Mädchen“, sagt sie begeistert. Am Freitag wird sogar der Bürgermeister persönlich bei ihr zu Besuch sein, um ihr zu ihrem Ehrentag zu gratulieren. „Ich hoffe er bringt Blumen und keinen Wein mit. Viel trinken kann ich aus gesundheitlichen Gründen leider nicht mehr“, erklärt Hartwig lachend.

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