Mark Britton kennt kein Schamgefühl - auch nicht bei Schwächen im Programm.

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Der Komiker Mark Britton nahm im Podio kein Blatt vor den Mund.

Der Komiker Mark Britton nahm im Podio kein Blatt vor den Mund.

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Der Komiker Mark Britton nahm im Podio kein Blatt vor den Mund.

Krefeld. Wer je englische Fußballfans aus der Nähe erlebt hat, kann sich das Prinzip Mark Britton in etwa ausmalen. Der Komiker mit britisch-amerikanischen Wurzeln, der am Freitag im Podio-Theater die Spielzeit eröffnen durfte, ist laut, aufdringlich, ordinär und gelegentlich aggressiv.

Furzgeräusche und Fäkalwitze sind fester Bestandteil seines Repertoires - ihm fehlt an vielen Stellen die innere Selbstbremse, die wir Schamgefühl nennen. Das allein ist keine Besonderheit, sondern längst Alltag auf deutschen Comedy-Bühnen.

Und doch ist Britton den Landplagen aus dem Nachtprogramm drei Nasenlängen voraus: Er zieht die Nummer schon seit Jahrzehnten durch, wirkt selbst in unsäglichen Momenten noch authentisch, seine Provokationen entspringen nicht dem Willen, mal richtig einen rauszuhauen, sondern einer sehr genauen Beobachtungsgabe.

Die Kita-Leiterin seines Sohnes, die er als "Mischung aus Mutter Teresa und Ulrike Meinhof" beschreibt, kommt dem Publikum jedenfalls sehr bekannt vor, und die Bemerkung, Ursula von der Leyen habe "eine Gebärmutter aus Kruppstahl", ist eben nicht nur fies, sondern auch hintersinnig.

Am Besten ist der 51-Jährige immer dann, wenn er sich intensiv den Turbulenzen des eigenen Familienlebens widmet. Mit comichaften Grimassen karikiert er die resolute Gattin ebenso treffend wie den angeödet pubertierenden Sohn, der mit seiner Playstation verwachsen scheint.

Dem Bühnentier in ihm gelingt es dabei problemlos, die Zuschauer mitzunehmen: "Wer von Ihnen hat ein Kind im Teenager-Alter? Sie melden sich ja, als wären Sie bei den Anonymen Alkoholikern."

Wer nicht gleich auf die Gags anspringt, wird von Britton zurechtgestutzt: "Hast du Spaß? Wärst du dann bitte so nett, deinem Gesicht Bescheid zu sagen?"

Die Publikumsbeobachtung ist an diesem Abend weit mehr als einstudierte Masche. Das Programm "Zuhause bei Britton" ist noch in der Testphase. Es hakt und hängt an einigen Stellen, und Britton versucht das nicht zu überspielen, sondern gesteht die Schwächen selbstironisch ein.

So wird aus dem brachialen Komiker besonders am Ende ein Sympathieträger - das kann man von englischen Fußballfans leider so gut wie nie behaupten.

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