Martin Meder hat sein Hobby zum Beruf gemacht. In seiner Lokfahrschule bekommen Arbeitslose eine neue Chance.

An zwei Simulatoren können die Schüler reale Situationen virtuell üben. Hier sitzt Meder am Bedientisch einer E-Lok, die dem ICE 3 ähnelt.
An zwei Simulatoren können die Schüler reale Situationen virtuell üben. Hier sitzt Meder am Bedientisch einer E-Lok, die dem ICE 3 ähnelt.

An zwei Simulatoren können die Schüler reale Situationen virtuell üben. Hier sitzt Meder am Bedientisch einer E-Lok, die dem ICE 3 ähnelt.

An zwei Simulatoren können die Schüler reale Situationen virtuell üben. Hier sitzt Meder am Bedientisch einer E-Lok, die dem ICE 3 ähnelt.

Krefeld. Es ist schon ein bisschen verrückt, was er da auf die Beine gestellt hat. Und auch ein bisschen versteckt: Wer nicht genau weiß, wo er hin will, kann das Gebäude im Gewerbegebiet Krützpoort leicht übersehen.

Dabei verbirgt sich hinter dem Eingang etwas wirklich Besonderes: Martin Meder hat dort eine Lokfahrschule eröffnet – die erste in Krefeld und die einzige weit und breit. Dort werden ab der kommenden Woche Eisenbahntriebfahrzeugführer (kurz: Lokführer) ausgebildet.

Schon nach wenigen Schritten im Gebäude wird klar: Der Mann meint es ernst. Original-Funkgeräte hier, Simulatoren dort – und dann gibt es auch noch eine große Modellanlage, auf der reale Bedingungen nachgestellt werden können. „In die Lok wurde eine kleine Kamera eingebaut“, erklärt Meder.

„Ich verändere die Anzeigen, und der Schüler lenkt den Zug durch den Parcours.“ Natürlich unter strenger Beachtung der Signale. Hört sich einfach an, ist es aber nicht: Der Schüler ist nämlich gar nicht im Raum. „Er bekommt eine Funkfernbedienung und sitzt im Nebenzimmer“, sagt Meder. Das Kamerabild aus Lokomotiven-Perspektive wird auf eine große Leinwand projiziert, und los geht die Fahrt.

Das ist aber noch nicht alles. Meders ganzer Stolz verbirgt sich im frisch renovierten Seminarraum: Ein so genannter Signalschrank mit allen vier in Deutschland parallel betriebenen Signalanlagen. Das Besondere daran: Alles ist selbst gebaut. „So etwas kann man nirgendwo kaufen“, sagt der 55-Jährige. Deshalb dürfte es so etwas auch in keiner anderen deutschen Lokfahrschule geben.

Arbeitslose, die sich für die Ausbildung zum Eisenbahntriebfahrzeugführer interessieren, müssen flexibel und mobil sein. Wichtig ist ein hohes Verantwortungsbewusstsein und die psychische Eignung. Wer Lokführer werden will, darf kein Drogen- oder Alkoholproblem haben.

Der nächste Lehrgang beginnt am 14. Februar, Anmeldungen sind möglich. Die Theorie findet in der Lokfahrschule, Krützpoort 25, statt, die praktische Ausbildung bei Eisenbahnbetrieben im ganzen Land.

Den ganzen Aufwand betreibt Meder nicht ohne Grund: „Wissen wird erst übers Anfassen begreifbar“, sagt er. Der Lernstoff der Lokführer-Ausbildung sei so komplex und vor allem so umfangreich, dass er seinen Schülern so viel Anschauungsmaterial wie möglich bieten wolle.

Das sind meistens Arbeitslose, die noch einmal ganz von vorne anfangen wollen. Da die Lokfahrschule zertifiziert und von der Arbeitsagentur anerkannt ist, gibt es bei guter Eignung einen Bildungsgutschein. Der ist auch nötig, denn die Ausbildung zum Lokführer kann wohl niemand mal eben so aus der Portokasse bezahlen: Sie kostet mehr als 30.000 Euro.

Die Liebe zur Eisenbahn begleitet Meder schon sein ganzes Leben

Eine Investition, die sich lohnen kann: Die Aussichten, nach dem zehnmonatigen Lehrgang eine Stelle zu finden, stehen gut. Lokführer werden gesucht. Und: „Meine Leute sind am Ende perfekt ausgebildet“, sagt Martin Meder.

Er weiß, was es heißt, sich als Quereinsteiger in einem neuen Job zu behaupten: „Ich war selbst eine Weile arbeitslos, mein Selbstbewusstsein war am Boden“, erzählt er.

Dann hat er sich selbstständig gemacht und so ziemlich alle Lizenzen erworben, die man so erwerben kann: Meder darf auf 53 Diesel- und E-Lok-Varianten fahren. „Das hat sich so angesammelt“, sagt er. Da war die Lokfahrschule irgendwie nur die logische Konsequenz; Erfahrung als Lehrer und Prüfer hat er schon vorher gesammelt.

Die Liebe zur Eisenbahn begleitet Martin Meder schon sein Leben lang, auch wenn er eigentlich Ingenieur für Drucktechnik ist. Vom Haus seiner Großeltern aus hat er den Schluff beobachtet, er hatte als Kind Modelleisenbahnen und ist schon als 13-Jähriger auf dem Betriebshof Straßenbahn gefahren.

Später hat Meder einen Dampflokführerschein gemacht. „Jetzt ist mein Hobby zu meinem Beruf geworden“, sagt er. Mit Leidenschaft will er sein enormes Wissen nun an andere weitergeben. „Viele der Arbeitslosen, die zu mir kommen, haben ja gar keinen Bezug zur Eisenbahn“, sagt er. „Aber ihnen eine neue Perspektive zu geben und gleichzeitig für die tolle Technik zu begeistern – das ist schon großartig.“

Leicht werden es seine Schüler mit Meder nicht immer haben. „Ich habe den Ruf eines gnadenlosen Prüfers“, sagt er und lacht. „Aber am Ende zahlt sich das für die Absolventen aus.“

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