Mädchen und Jungen der Kindertagesstätte Wilhelmstraße legen bei Laras Besuch ihre Ängste ab.

Erlebnistag
Salome freut sich, die Vogelspinne sehen zu können.

Salome freut sich, die Vogelspinne sehen zu können.

Stephan Loksa lässt Vogelspinne Lara über die Hände der Kinder wandern.

Fabian muss die Hände gut zusammenhalten.

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Salome freut sich, die Vogelspinne sehen zu können.

Krefeld. Sie heißt Lara, ist handtellergroß, hellbraun-schwarz gezeichnet und weich behaart wie eine Katze. Lara ist eine Vogelspinne. Während die meisten Erwachsenen vor ihr zurückzucken, sind die Mädchen und Jungen der städtischen Kindertagesstätte Wilhelmstraße in Fischeln viel mutiger. Salome streichelt sie vorsichtig und Fabian lässt sich die Vogelspinne sogar auf den Kopf setzen.

Beim Projekttag verwandeln sich die Zwei- bis Sechsjährigen zu Spinnenforschern. „Wir wissen, dass Eltern ihren Kindern den Ekel häufig beibringen“, sagt Kita-Leiterin Tanja Wokittel. „Außerdem schürt die asymmetrische Bewegungsart der Tiere eine Urangst des Menschen.“ Vogelspinnen bewegen sich im Diagonalrhythmus. Das heißt, dass die Beine eins und drei der linken Seite gleichzeitig mit den Beinen zwei und vier der rechten Seite aktiv sind. „Darüber hinaus bemerken wir aber auch immer wieder, dass Kinder Spinnen und ihre Netze spannend finden“, berichtet Wokittel.

Spinnen dürfen auch auf Distanz bleiben

Es gibt auch einige wenige Kinder, die die Spinnen nicht sehen wollen. „Sie brauchen auch nicht“, so die Kita-Leiterin. Die anderen, die in einzelnen Gruppen Bekanntschaft mit den Spinnen machen, sind dagegen sehr aufgeschlossen.

Stephan Loksa, Spinnen-Wissenschaftler und freier Mitarbeiter des Düsseldorfer Aquazoos, beginnt mit seinem kindgerechten Vortrag in der Igelgruppe. Er führt die Mädchen und Jungen behutsam an das Thema heran. Der Fachmann hat eine Thermobox dabei. „Darin sind meine Tiere“, erklärt er. „Sie kommen aus warmen, tropischen Ländern. Ohne die Box würden sie hier den Kälteschock bekommen.“

Zuerst zückt der Fachmann zur Eingewöhnung die Präparate einiger kleinerer Spinnen. Bei den Kindern gehen sie von Hand zu Hand. Dann folgt die erste – tote – Vogelspinne. In kleinen Röhrchen befinden sich dann erstmals lebendige Exemplare. Die „Jo-Jo-Spinne“ heißt nur bei Loksa so. „Es ist die Kreuzspinne, die sich an ihrem Faden auf- und abseilt, wie ein Jo-Jo“, sagt der Experte schmunzelnd, und die Kinder lächeln. Der zweijährige Lennart ist der erste Mutige. Das Tier krabbelt auf seinem Handrücken herum.

Die Kosten für die Aktion werden vom hauseigenen Förderverein „Die Rasselbande“ getragen. Das Projekt wird mit der Betrachtung unterschiedlicher Spinnennetze, mit Infos über den Körperbau der Tiere und dem Thema „Spinnen, der natürliche Insektenschutz“ fortgeführt.
 

Der Aquazoo bietet einen wortwörtlich lebendigen Unterricht für Kinder jeden Alters und Schultyps an. Im Vordergrund steht das Beobachten der lebenden Tiere. Zahlreiche Materialien aus der Sammlung und lebende Tiere zum Anfassen werden eingesetzt und unterstützen das Lernen.
 

Vogelspinnen sind urtümliche Spinnentiere, die bis zu 20 Jahre alt werden. Sie brauchen nur kleine Terrarien, je nach Art mit Geäst oder Grabmöglichkeiten, bekommen als Futter alle paar Tage Insekten wie Heimchen. Die Preise reichen von fünf bis 700 Euro. Die Haltung von Vogelspinnen, die nur aus Nachzuchten stammen dürfen, ist fachkundigen Erwachsenen vorbehalten.

Lara ist die Lieblingsspinne von Stephan Loksa. Zuerst spaziert sie auf dem Boden herum. „Eigentlich sind Spinnen ziemlich faul. Sie bewegen sich gar nicht so gerne“, erklärt Loksa. „Sie können auch nicht gut sehen, höchstens Hell und Dunkel unterscheiden, obwohl sie acht Augen haben. Sie fühlen eher, als dass sie gucken.“

Lennart hat auch keine Angst vor Vogelspinnen. Er muss aber seine beiden kleinen Hände zusammenlegen, um die Spinne halten zu können. Auch Fabian ist forsch dabei. Die Vogelspinne auf seinem Kopf fühlt sich gut an, findet er. Und Paul ergänzt mit der seltsamen Bedeckung seines Kopfes: „Das ist kitzelig.“

Die Eltern sollen ihren Ekel überwinden

Mit diesem spannenden Morgen ist das Thema Spinnen für die Mädchen und Jungen nicht beendet. „Wir haben die Kinder darauf vorbereitet und werden es auch nacharbeiten“, so Wokittel. „So haben wir gemeinsam Spinnennetze aus Wolle hergestellt, brachten den Kindern Fingerspiele bei und waren auch in der Mediothek, um uns mit Büchern zu versorgen.“

Am Nachmittag kommen übrigens die Eltern der Kinder, damit auch sie etwas über Spinnen lernen und ihren Ekel verlieren.

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