Anette Cruel leitete 20 Jahre lang das Ressort Kriminalität des Polizeipräsidiums.

Kriminaldirektorin Anette Cruel geht in der nächsten Woche in den Ruhestand.
Kriminaldirektorin Anette Cruel geht in der nächsten Woche in den Ruhestand.

Kriminaldirektorin Anette Cruel geht in der nächsten Woche in den Ruhestand.

Dirk Jochmann

Kriminaldirektorin Anette Cruel geht in der nächsten Woche in den Ruhestand.

Krefeld. Rar gesät waren die Stellen in NRW, als Anette Cruel sich Anfang der 80er Jahre für den höheren Polizeidienst bewarb – in einer Zeit, als Frauen bei der Polizei ohnehin noch Seltenheitswert hatten. Erst recht in Führungspositionen. Die Juristin hatte während ihres Studiums einige Zeit bei der Kripo in Bielefeld verbracht, und da die ursprünglich geplante Bewerbung bei der Staatsanwaltschaft in Aurich wegen eines Einstellungsstopps aussichtslos war, bot sich die Polizei an. Cruel erhielt eine der begehrten Stellen. Knapp 33 Jahre später geht die Kriminaldirektorin nun in den Ruhestand.

Wechselte die Düsseldorferin nach der Ausbildung noch alle paar Jahre die Dienststelle, blieb sie in Krefeld mit rund 20 Jahren ungewöhnlich lang. Wie kommt’s? „Mir hat sich keine Alternative geboten, die es wert war, zu wechseln“, sagt die 62-Jährige. Sie mag die überschaubare Größe des Präsidiums, das in Krefeld nicht so anonym ist wie in einer großen Behörde. Etwa Köln – dort hätte Anette Cruel auch arbeiten können. 190 Mitarbeiter hatte die Leiterin der Direktion Kriminalität zuletzt unter sich. „Von der Größe her super“, findet die aus Lippe stammende Juristin.

„Das hier ist etwas, was ich mit Herzblut mache.“

Anette Cruel, Kriminaldirektorin, über ihren Beruf

Die Stationen zuvor hatten sie jedenfalls in deutlich größere Behörden geführt. Als Anette Cruel während der Ausbildung in Bielefeld begann, Teil der „Soko Zitrone“ wurde und Überfälle extra dafür eingereister Italiener aufklärte, wusste sie, dass sie alles richtig gemacht hatte. Ein Kommilitone belächelte sie damals: „Das ist doch ein sozialer Abstieg.“ Doch ein Berufsleben als – besser verdienende – Rechtsanwältin konnte sich Cruel nicht vorstellen. „Ich wusste: Das hier ist etwas, was ich mit Herzblut mache.“

Knapp 15 Volljuristen gab es seinerzeit in den Reihen der Polizei. „Und dann kam ich als Frau“, sagt die Kriminaldirektorin und lächelt. Bereut hat sie es nie: „Ich glaube, meine Art im Umgang mit den Menschen hat es mir leicht gemacht. Neugierig sein, offen fragen und antworten – das hat immer gut geklappt.“

Zunächst war es das Polizeipräsidium Dortmund, wo Anette Cruel unter anderem im Kriminaldauerdienst arbeitete. Anschließend ging es nach Unna und Hagen, und dann sollte Köln auf den Lebenslauf der jungen Kriminalrätin kommen. Doch es ergab sich zum Glück noch eine Alternative – denn es sollte eben kein so großes Polizeipräsidium sein. Und dann kam sie zum Landeskriminalamt, wo sie fünf spannende Jahre in der Spionageabwehr erlebte. Bis Frühjahr 1989 blieb sie dort – eine auf andere Art spannende Zeit des Mauerfalls erlebte sie dort nicht mehr.

Als Verantwortliche für mehrere Kommissariate war Cruel dann drei Jahre in Essen tätig, bevor es 1992 zum Polizeipräsidium Düsseldorf ging. Erst leitete sie eine Kriminalgruppe, dann eine Polizeiinspektion. Uniformierte Polizei – eher untypisch für die Kripo-Chefin. „Es ist wichtig, dass wir eine Polizei sind und jeder die Arbeit des anderen kennt“, sagt die 62-Jährige.

Brandanschlag als dramatischstes Ereignis in Erinnerung

In Krefeld übernahm Anette Cruel dann 1995 wieder den Bereich Kriminalität, der später zur eigenen Direktion wurde. Nach nur zwei Jahren erlebte die Kriminaldirektorin dann etwas, was wohl als eines der dramatischsten Ereignisse haften bleiben wird: Der Brandschlag an Ostern im Hochhaus Alte Gladbacher Straße, bei dem drei Mitglieder einer türkischen Familie starben. Zunächst ist von einem fremdenfeindlichen Anschlag die Rede, was sofort die Politik auf den Plan ruft. Enormer Druck lastet auf der Behörde. Tagelang. Cruel hat – damals wie heute – ihr Büro auf der dritten Etage, am Ende des Ganges, wo das für Mord und Totschlag zuständige Kommissariat 11 seinen Sitz hat. „Wenn ich über den Flur ging, konnte ich die Anspannung spüren, obwohl ich keine Worte hörte“, erzählt Cruel. Dann stellt sich heraus: Der Vater der Familie hat den Brand gelegt. Eine riesige Last fällt von der Mordkommission ab – zuvor hatte sich sogar der türkische Staatspräsident zu Wort gemeldet und gefordert, in Deutschland müssten seine Landsleute besser geschützt werden.

Ende des Monats beginnt die Zeit, in der Anette Cruel nicht mehr ständig das Handy am Bett liegen haben muss. Koordinieren, informiert werden, Entscheidungen treffen, Mitarbeiter lagebedingt einsetzen – all das gehört zu den Aufgaben der Frau, die die Krefelder Behörde wegen ihrer kurzen Wege schätzt. In den vergangenen Jahren hatte sie als Vertreterin des Polizeipräsidenten häufig Kontakt in alle Bereiche.

Jetzt steht erst einmal reisen an für sie. Literatur, Sprachen und Kochen werden die Dinge sein, die sie in nächster Zeit beschäftigen. Und der ein oder andere Gedanke an die Zeit bei der Kripo. „Die Krefelder Polizei ist wirklich gut. Jetzt, wo ich fast weg bin, darf ich ja mal solches Eigenlob äußern.“

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