Noch bevor die neue Gorilla-Anlage Ostern 2012 eröffnet, wird ein Nachfolger für Massa gecastet.

Ausbau
Silberrücken Massa wird den neuen Gorilla-Garten nicht beziehen. Er verbringt seinen Lebensabend im alten Gehege im Affenhaus. Archiv

Silberrücken Massa wird den neuen Gorilla-Garten nicht beziehen. Er verbringt seinen Lebensabend im alten Gehege im Affenhaus. Archiv

Biologin Cornelia Bernhardt, Zoodirektor Wolfgang Dreßen, Friedrich R. Berlemann, erster Vorsitzender der Zoofreunde, und sein Stellvertreter Dietmar Schörner freuen sich auf den neuen Menschenaffenpark.

abi, Bild 1 von 2

Silberrücken Massa wird den neuen Gorilla-Garten nicht beziehen. Er verbringt seinen Lebensabend im alten Gehege im Affenhaus. Archiv

Krefeld. Die Vorbereitungen laufen, Ende März geht es los: Die Bauarbeiten für den Gorillagarten mit angeschlossener „Villa“ beginnen. Das 2,2 Millionen Euro teure Projekt ist die größte Investition des Krefelder Zoos aller Zeiten. „2,1 Millionen sind Spenden, die wir gesammelt haben“, sagt Friedrich Berlemann, erster Vorsitzender der Zoofreunde – und klingt dabei, als könnte er es selbst noch nicht so ganz glauben.

Zahlreiche Blätteraufkleber im Affenhaus, die den Spendern gewidmet sind, zeugen davon, dass sich viele ein schöneres Zuhause für die Gorillas wünschen. Finanzielle Unterstützung gab es zum Beispiel von Stiftungen, Schulklassen, Kindern, Frischverheirateten und Unternehmen. Einige haben sich die Spende zum Geburtstag oder zum Hochzeitstag schenken lassen.

„Damit haben die Krefelder Gorillas eine klare Perspektive für die nächsten 20 bis 30 Jahre.“

Wolfgang Dreßen, Zoodirektor

„Mit der neuen, 1200 Quadratmeter großen Anlage bekommen die Gorillas eine Zukunft im Zoo“, sagt Direktor Dr. Wolfgang Dreßen. „Denn unser Silberrücken Massa, das Oberhaupt der Gruppe, ist unfruchtbar geworden – die weitere Zucht mit ihm ist damit ausgeschlossen. Aber er ist trotzdem ein fitter Senior, der noch einige schöne Jahre vor sich hat, die er gemeinsam mit den alten Damen Tumba und Boma in der ihm vertrauten Anlage verbringen soll.“

Für die beiden jungen Weibchen Muna und Oya muss also ein neuer Mann her, damit die stark bedrohte Art im Krefelder Zoo langfristig weiter gezüchtet werden kann. Doch der darf erst einziehen, wenn eine neue Anlage gebaut ist. Denn das jetzige Affenhaus, das 1975 eröffnet wurde, war zwar lange das modernste in Europa. Doch mittlerweile haben sich die Standards erhöht.

„Heute fordert der Zuchtbuchführer zum Beispiel separate Anlagen für junge Männchen, die nicht mehr in der Gruppe gehalten werden können“, erklärt die Biologin Cornelia Bernhardt. „Denn durch die Struktur der Gorillagruppe – ein Männchen, mehrere Weibchen – gibt es einen klaren Männerüberschuss in den Zoos.“

Die Generalplanung des Menschenaffenparks hat das Planungsbüro Drecker aus Bottrop übernommen. Es hat bereits Erfahrung mit der Gestaltung von Tiergehegen (zum Beispiel in den Zoos Leipzig und Osnabrück).

Die Außenanlage der Orang-Utans wird an das jetzige Affenhaus angeschlossen und wie bei den Jaguaren mit einem Stahlnetz überspannt. Die vorhandenen Bäume werden als Kletterbäume genutzt. Kostenpunkt: rund 900 000 Euro. Die Zoofreunde beginnen 2012 mit der Spendensammlung.
 

Die Außenanlage der Schimpansen ist mit rund 2000 Quadratmetern die größte. Sie wird ebenfalls ans Affenhaus angeschlossen. Um Platz zu schaffen, müssen Kängurus und Pelikane umgesiedelt werden. Der jetzige Ausgangsbereich wird erhöht, damit die Besucher von der Terrasse aus die Anlagen der Schimpansen und Orang-Utans überblicken können. Das Schimpansen-Außengehege ist der letzte geplante Teil des Menschenaffenparks.
 

Die Zoofreunde Krefeld e.V. nehmen weiterhin Spenden entgegen: Konto-Nr. 317 743, BLZ 320 500 00, Sparkasse Krefeld.

Noch bevor die neue Anlage fertig ist, wird ein Team aus Zoomitarbeitern eine Casting-Tour durch Europa machen, um einen neuen Silberrücken auszusuchen. Die Seniorengruppe um Massa bleibt dann in ihrem alten Gehege, die Gruppe um seinen Nachfolger zieht in das neue Haus mit Garten.

Außenanlagen bieten viele neue Reize und Rückzugsmöglichkeiten

Wenn die alten Tiere sterben, bleibt deren Gehege im Affenhaus frei, das je nach Bedarf auch für die Schimpansen und Orang-Utans genutzt werden kann. „Damit haben die Krefelder Gorillas eine klare Perspektive für die nächsten 20 bis 30 Jahre“, freut sich Dreßen. „Und ein schöneres Leben.“

Denn Außenanlagen – ebenfalls geplant für die anderen beiden Menschenaffenarten – bieten viele neue Reize für diese anspruchsvollen und hoch intelligenten Tiere sowie mehr Rückzugsmöglichkeiten vor Artgenossen und Besuchern.

Die beiden Gorillaweibchen, die in die neue Anlage ziehen, erfahren das erste Mal in ihrem Leben Sonne, Regen, Wind. Sie können auf Bäume und Felsen klettern oder an einem kleinen Bach sitzen. Der neue Silberrücken sollte bereits Außenerfahrung haben. „So kann sich eine völlig neue räumliche Dynamik entwickeln, die auch andere Perspektiven für die Besucher bietet“, erklärt der Direktor.

Die neuen Einblicke in das Gorilla-Leben erhalten die Zoo-Besucher ab Ostern 2012, wenn die Anlage eröffnet werden soll. Durch große Fenster schauen sie ins Schlafzimmer der Menschenaffen und in ihren Garten. Ein Dach schützt sie dabei vor Regen. Und wer weiß? Vielleicht sieht man bald auch in Krefeld Gorillas im Nebel.

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