Der Krefelder Verlag Willi Stünings partizipierte nach dem Zweiten Weltkrieg am Boom mit den Sammelbildchen. Damals drehte sich fast alles ums Kraftfahrzeug.

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Unterwegs auf Werbetour irgendwo in Deutschland: Firmengründer Willi Stünings mit seinen Verteilerinnen im schnuckeligen Dreizylinder-Zweitakt-DKW-Bus. Bis zu drei Krefelder Druckereien produzierten in den 50er/60er Jahren für den Wistü-Verlag Sammelbilder. Das Foto ist der Stünings-Chronik entnommen.

Unterwegs auf Werbetour irgendwo in Deutschland: Firmengründer Willi Stünings mit seinen Verteilerinnen im schnuckeligen Dreizylinder-Zweitakt-DKW-Bus. Bis zu drei Krefelder Druckereien produzierten in den 50er/60er Jahren für den Wistü-Verlag Sammelbilder. Das Foto ist der Stünings-Chronik entnommen.

Peter Wagner und seine Stünings-Sammlung: In den 50er Jahren beherrschte das Auto die Werbebilder-Industrie. Foto/Repros: Andreas Bischof

Deutsche Autos made in Bremen: Borgward-Hansa-Modelle aus dem Jahr 1951. Gut erhaltene Exemplare sind heute Gold wert.

Bischof, Andreas (abi), Bild 1 von 3

Unterwegs auf Werbetour irgendwo in Deutschland: Firmengründer Willi Stünings mit seinen Verteilerinnen im schnuckeligen Dreizylinder-Zweitakt-DKW-Bus. Bis zu drei Krefelder Druckereien produzierten in den 50er/60er Jahren für den Wistü-Verlag Sammelbilder. Das Foto ist der Stünings-Chronik entnommen.

Krefeld. Sommer 1950. Auf dem Genfer Autosalon und auf der Exportmesse in Hannover blickt die Fachwelt verblüfft auf einen neuartigen Großraumbus mit zwei Sechs-Zylinder-Dieselmotoren mit zusammen 190 PS. Im Henschel „Bimot-Bus“ (90 Plätze) befinden sich beide Maschinen nebeneinander vor der Vorderachse, durch große Klappen gut erreichbar, verbunden über ein Zwischengetriebe mit dem Hauptgetriebe. Der in Krefeld herausgegebene „Wistü Kraftfahrzeug-Anzeiger“ widmet diesem „Clou des Genfer Salons“ am 15. Juli 1950 die Titelstory.

Willi Stünings verteilte die Tütchen bundesweit auf Schulhöfen

Vor knapp 65 Jahren steigt der 1929 gegründete Willi-Stünings-Verlag in das boomende Geschäft mit den Werbebildchen ein, das schon Jahrzehnte zuvor Bouillon-Hersteller Liebig und die Kölner Schokoladen-Fabrik Stollwerck entdeckt hatten. Die hatten sich noch auf exotische Menschen und Tiere gestürzt.

„Wistü“ hingegen nutzt die Zeit, in der die junge Bundesrepublik mobil wird – und sich fast alles ums Auto dreht. Bilder von Autos, Motorrädern und Nutzfahrzeugen aus aller Welt werden verbreitet, oft in Verbindung mit Preisausschreiben. Immerhin wurden im Mai 1951 im ganzen Land bereits 30 709 Kraftfahrzeuge produziert, im darauffolgenden Monat knapp 2000 mehr. Die Menschen wollen aber nicht nur Käfer, DKW, Borgward oder Mercedes sehen, sondern auch, was in England, Italien oder in den Vereinigten Staaten auf Rädern unterwegs war. Oder eben den „Bimot-Bus“.

Viele Bildchen aus dieser Zeit sind verschwunden. Stünings-Geschäftsführer Volker Neumann: „Mein Großvater fuhr bundesweit herum, um die Tütchen auf Schulhöfen zu verteilen. Wir hatten zeitweise 200 Heimarbeiterinnen, die die Autobildchen in Tüten packten.“ Bis zu drei Krefelder Druckereien stellten die Sammelbilder her.

„Und sie wurden immer noch gedruckt, als sie längst aus der Mode gekommen waren. Wir wären fast daran pleite gegangen“, erinnert sich Volker Neumann. Auch daran, dass die „Zeitschrift für das gesamte Kraftfahrzeugwesen“ eine Zeit lang Flaggen-Bildchen herstellen ließ. Nur die Sammelbilder von Flugzeugen sind dem heutigen Geschäftsführer entfallen.

Vermutlich sind nicht alle Serien zu Ende gebracht worden

Die kleinen Flugzeug-Fotos hat – wie sollte es anders sein – der Bockumer Sammler Peter Wagner in seinem Besitz. Allerdings ist seine Kollektion von Dorniers, Junkers oder Mitsubishis höchst unvollständig. „Wie viele Bilder gab es? Von wann bis wann wurden sie in Umlauf gebracht? Gab es passende Alben zum Einkleben?“ Auf seine Fragen zu den „Wistü“-Serien gibt es möglicherweise keine Antworten mehr. Volker Neumann: „Ich glaube, manche Serien sind nicht zu Ende gebracht worden“.

Die Serie der Autobilder endet bei Wagner mit der Nr. 1457. „Doppelte stelle ich gern anderen Sammlern zur Verfügung“. Die Werte seien ihm an sich egal, aber: „Für eine komplette Mappe mit Stünings-Bildchen kann man 500 Euro ansetzen“. Einem Hochglanzkatalog über Sammelbilder wirft er einen geringschätzigen Blick zu: „Stimmt nicht alles, was drin steht“.

Peter Wagner sammelt Werbemittel seit über 30 Jahren, als er noch als Justizbediensteter Häftlinge wie Andreas Bader (Bader-Meinhof) ausführte. Immer wieder fischt er Überraschungen aus Kisten oder Regalen. Vor wenigen Wochen platzierte er einen aufgeblasenen Riesen-Garfield im Garten einer Fischelner Bäckerfamilie. „Was andere für Zigaretten oder Kneipe ausgeben, stecke ich in meine Sammlungen.“

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