Die hiesige Billard-Szene ist sehr aktiv: 13 Vereine haben sich zusammengetan, um den Stadtmeister jedes Jahr auszuspielen.

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In der Billardhalle wird ein Set für eine Partie 9-Ball aufgelegt.

In der Billardhalle wird ein Set für eine Partie 9-Ball aufgelegt.

Andreas Bischof

In der Billardhalle wird ein Set für eine Partie 9-Ball aufgelegt.

Krefeld. Im Schankraum des Vereinsheims preist ein handgemaltes Leuchtschild „Wurstgulasch, Stampfkartoffeln und Buttergemüse“ an. Die Welle Niederrhein spielt „Kulthits und das Beste von heute“. Nebenan geht es gediegener zu. Nebenan – das ist die Billardhalle. Hier ist das Licht gedämpft und obwohl die Welle leise um die Ecke dudelt, ist vor allem das Klacken der Kugeln zu hören.

In der laufenden Saison spielen 18 Mannschaften um den Titel

Elf Tische stehen hier – zwei für Snooker, neun für Pool. An fünf Pooltischen wird gespielt. Die Spieler reden nicht viel – nur hin und wieder ist ein verhaltener Fluch zu hören, manchmal wird auch leise gelacht. Sie trainieren teils zu zweit, teils allein.

„Eigentlich“, erklärt Rolf Strittmatter, „sollte heute Einzeltraining stattfinden. Standards üben und so. Aber der Trainer musste kurzfristig absagen. Deshalb trainieren die heute auf eigene Faust.“ Strittmatter ist der zweite Vorsitzende der Pool Billard Gemeinschaft Krefeld 1976 (PBG), die jeden Donnerstag zum Training in das Vereinsheim lädt.

Die PBG ist eine Art Dachverband für 13 Krefelder Billardvereine; ihr Daseinszweck ist es, jedes Jahr den Stadtmeister auszuspielen. In der laufenden Saison spielen 18 Mannschaften – einige Vereine haben mehrere Teams – um den Titel.

Schwarze Schuhe, schwarze Hose, einheitliches Mannschaftshemd

„Das läuft ähnlich wie in der Fußball-Bundesliga“, so Strittmatter, „jede Mannschaft hat 17 Heim- und 17 Auswärtsspiele.“ Heim- und Auswärtsspiele definieren sich über die jeweiligen Trainingsstützpunkte. Die bestehen häufig aus dem Tisch und einer Theke – es sind also die Stammkneipen der Vereine. Die Saison geht von September bis Juni – in dieser Zeit rollen jeden Freitagabend die Kugeln. Gespielt wird 8-Ball und 9-Ball, zwei Varianten des Poolbillard.

Beim 8-Ball – dem wohl populärsten Billardspiel – gibt es 15 farbige, nummerierte und eine weiße Kugel. Hier sind vor allem die Farben entscheidend: Die Spieler versenken mit der weißen Kugel jeweils die Vollen bzw. die Halben. Am Ende spielen beide auf die Acht.
 

Beim 9-Ball gibt es neun nummerierte, farbige und eine weiße Kugel. Hier zählen vor allem die Nummern. Die nummerierten Kugeln müssen mit der weißen Kugel in aufsteigender Reihenfolge angespielt und versenkt werden. Wer die Neun einlocht, gewinnt.
 

Weitere Informationen über die Pool Billard Gemeinschaft Krefeld 1976 (PBG) sind zu erfahren unter Telefon 02151/61 09 96.
 

„Wir spielen auch um Einzeltitel, aber das größte Prestige genießt der Mannschaftswettbewerb“, erzählt Strittmatter. Dementsprechend opulent fällt auch der Pokal aus: Knapp einen Meter hoch, mit zwei Henkeln bestückt und goldglänzend. Wer an den Freitagabenden um ihn spielen will, muss angemessen gekleidet sein: Schwarze Schuhe, schwarze Hose und ein einheitliches Mannschaftshemd.

Knapp 200 Spieler – zwischen zehn und 78 Jahre alt

Derzeit bestehen die 18 PBG-Mannschaften insgesamt aus knapp 200 Spielern, von denen „der jüngste zehn und der älteste 78 Jahre alt ist“. Weniger gleichmäßig ist die Verteilung bei den Geschlechtern. „Etwa 180 von den Spielern sind Männer“, schätzt Strittmatter.

Ramona Schouren vertritt selbstbewusst die Minderheit: „Eigentlich spielen Frauen genauso gut wie Männer.“ Allerdings, räumt sie ein, gebe es eine Ausnahme: den Anstoß, für den fehle den meisten Damen die nötige Kraft.

Schouren stammt aus einer Dynastie: „Vater, Mutter, Brüder, Onkel, Tanten und Cousinen – alle spielen Billard.“ Sie selbst spielt gerade gegen Ismet Hodzic. Die beiden gehören zwar verschiedenen Vereinen an, sind aber trotzdem befreundet. Schouren mag lieber 8-Ball, Hodzic mag lieber 9-Ball – also spielen sie beides. Mal gewinnt sie, mal gewinnt er.

Kompetent sind sie beide: Sowohl Schouren als auch Hodzic legen immer wieder souveräne Serien hin, in denen sie drei, vier Bälle am Stück einlochen. Vor allem aber liegt die weiße Kugel nach dem Versenken der getroffenen Kugel meist in der optimalen Position, um die nächste aufs Korn zu nehmen. „Auf Lage spielen“, nennt Hodzic das.

Er benutzt zwei Queues – einen zum Anstoßen, den anderen zum Spielen: „Der Spielqueue ist teuer, den muss ich schonen. Darum habe ich auch einen etwas günstigeren Anstoßqueue.“

Aber jetzt stößt Schouren an – in der Tat: etwas lasch. Anders als zuvor bei Hodzic verteilen sich die Kugeln nicht über den ganzen Tisch, sondern nur über die hintere Hälfte. „Mädchenanstoß“, sagt sie leise. Lächelnd spielt sie weiter – und gewinnt.

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