Kabarettist Dieter Hallervorden ist mit der „Krefelder Krähe“ ausgezeichnet worden.

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„Krähen-Vater“ Jochen Butz (links) überreicht dem Komiker Dieter Hallervorden die „Krefelder Krähe“. Der hatte zuvor eingeräumt, wegen Lampenfiebers nicht in der ersten Reihe Platz nehmen zu wollen.

„Krähen-Vater“ Jochen Butz (links) überreicht dem Komiker Dieter Hallervorden die „Krefelder Krähe“. Der hatte zuvor eingeräumt, wegen Lampenfiebers nicht in der ersten Reihe Platz nehmen zu wollen.

Andreas Bischof

„Krähen-Vater“ Jochen Butz (links) überreicht dem Komiker Dieter Hallervorden die „Krefelder Krähe“. Der hatte zuvor eingeräumt, wegen Lampenfiebers nicht in der ersten Reihe Platz nehmen zu wollen.

Krefeld. Der bekannte Kabarettist, Komiker und Filmschauspieler Dieter Hallervorden hat sich mit dem Ehrenpreis "Krefelder Krähe" in die prominente Reihe von Konrad Beikircher und Dieter Hildebrand eingereiht. Krähen-Chef Jochen Butz hat dem beliebten Altmeister der Komik am Freitagabend bei einer spritzigen Gala im Seidenweberhaus den begehrten Preis verliehen.

Hallervorden dankt es und brennt ein wahres Feuerwerk seines schier unendlichen Repertoires ab. Auf seine uneitle Art und mit der trotz seiner 74 Lenze unverbrauchten Frische begeistert "Didi" sein Publikum und führt es mühelos von einer Lachsalve zur anderen. Kaum zu glauben, dass der Künstler zuvor den Platz in der ersten Reihe wegen Lampenfiebers abgelehnt hat.

Doch bevor er alle Register seines Könnens zieht, erleben die Zuschauer ein Rahmenprogramm, für das allein das Kommen schon lohnt. So macht der Oberhausener Matthias Reuter (33) deutlich, weshalb er 2008 die "Krähe" für Talente bekommen hat. In einem witzigen, frechen Beitrag unterhält er die Gäste im prallvollen Saal des Seidenweberhauses mit einer Mischung aus Gesellschafts- und Politsatire.

Beispiel: "Rüttgers’ Abwahl soll heute gar nicht das Thema sein - das schafft der ganz alleine." Als hervorragender Pianist verpackt er seine Spitzfindigkeiten in raffinierte Lieder und baut in seinen "Kulturhauptstadt-Reggae" zum gespielten Schrecken von Moderator Stefan Erlenwein immer wieder kleine Werbeslogans ein.

Die Krähen erspielen und spenden in 25 Jahren mehr als 300000 Euro

Auch Erlenwein löst seine Aufgabe als Nachfolger des scheidenden Krähenvaters Butz bestens und zeigt, dass die Verjüngung des Krähen-Ensembles gelungen ist. Die Krähen gelten, wie Oberbürgermeister Gregor Kathstede bei der Begrüßung sagt, als Aushängeschild der Stadt und als einziges ehrenamtliches Kabarett, das seine gesamten Erlöse karitativen Zwecken zur Verfügung stellt. Und er gratuliert zum 25-jährigen Bestehen, bis zu dem die Krähen mehr als 300000 Euro eingespielt und gespendet haben.

Er wuchs in Dessau auf, studierte in Ost-Berlin Romanistik, flüchtete 1958 wegen eingeschränkter Meinungsfreiheit aus der ehemaligen DDR nach West-Berlin, wo er Publizistik und Theaterwissenschaften studierte. Sein Wunsch, Schauspieler zu werden, scheiterte zunächst. Nachdem Bewerbungen an der Max-Reinhardt-Schauspielschule sowie beim Berliner Kabarett "Die Stachelschweine" erfolglos waren, gründete er in West-Berlin 1960 die Kabarettbühne "Die Wühlmäuse".

Auch bei Nepo Fitz (28), Nachwuchskrähen-Gewinner im vergangenen Jahr, fällt der Apfel als Sohn der Kabarettistin Lisa Fitz nicht weit vom Stamm. Er überzeugt mit der Premiere seines neuen Programms aus der Welt des Internets. Mit viel Bühnenpräsenz für sein Alter sowie Gesangs- und Klaviereinlagen karikiert er die Facebook-Generation: "Von nichts eine Ahnung, aber zu allem eine Meinung."

Auch das "Bundeskabarett", ein Trio aus Bonn und bei der Krähen-Wahl 2009 nur knapp Nepo Fitz unterlegen, begeistert mit typisch deutschen Missverständnissen, herzerfrischender Sprachakrobatik und "rotzfrech" im Abgang: "Sie waren das beste Publikum, vor dem wir ohne Preis und Geld spielen durften."

Nach der Laudatio durch Jochen Butz legt Didi Hallervorden los. Dass er in diesem Jahr 75 wird, merkt man ihm nicht an. Seine Augen funkeln, und er scheint den gleichen Spaß bei der Arbeit zu haben wie eh und je. Vielleicht ist das sein Erfolgsgeheimnis. Er macht sich über alles und jeden lustig, über katholische Geistliche ebenso wie über linke Ehefrauen mit Doppel- und Dreifachnamen. Oder über die Unvermeidlichkeiten des Lebens wie Alzheimer, aber stets ohne peinlich zu werden. Legendär seine Schlagfertigkeit, die ein störender Fotograf zu spüren bekommt: "Ich werde geblitzt, bin ich zu schnell?"

Urkomisch seine Erlebnisberichte, etwa als Autofahrer mit Navigationsgerät: "Eine so nette, freundliche Frau wie im Navi, die nie die Nerven verliert, hätte ich besser geheiratet. Was würden Sie andererseits Ihrer Ehefrau sagen, wenn sie Ihnen vor der Abfahrt von der Autobahn mehrfach sagen würde, an der nächsten Abfahrt abzubiegen?" Natürlich darf zum Schluss der Klassiker aller TV-Sketche nicht fehlen, den er zusammen mit Partner Harald Effenberg zelebriert, als sei es zum ersten Mal: "Palim, palim, ich hätte gern eine Flasche Pommes Frites..."

Weitere Fotos im Internet:

www.wz-krefeld.de

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