Beim Rathaus-Sturm muss der Oberbürgermeister kapitulieren. Wind und Regen können Frauenpower nicht stoppen.

Altweiber
Nach dem Rathaussturm trösten Prinz Michael und die alten Weiber den Oberbürgermeister. Für die nächsten vier närrischen Tage hat Gregor Kathstede nichts zu melden.

Nach dem Rathaussturm trösten Prinz Michael und die alten Weiber den Oberbürgermeister. Für die nächsten vier närrischen Tage hat Gregor Kathstede nichts zu melden.

An närrischen Tagen mögen sich sogar die Mäuse und Piraten. Auf See und in der Wirklichkeit sieht das natürlich ganz anders aus. Mehr Fotos vom Altweibertreiben in Krefeld unter www.wz-krefeld.de.

„Wir wollen rein“ fordern die aal Wiever auf dem Rathausplatz. Und es dauert wirklich nicht lange, bis der Oberbürgermeister das Feld räumt und den närrischen Damen die Schlüsselgewalt über das Rathaus überlässt.

Andreas Bischof/Dirk Jochmann, Bild 1 von 3

Nach dem Rathaussturm trösten Prinz Michael und die alten Weiber den Oberbürgermeister. Für die nächsten vier närrischen Tage hat Gregor Kathstede nichts zu melden.

Krefeld. Der Oberbürgermeister hat keine Chance. Er verliert das Wortgefecht gegen die alten Weiber und muss das Rathaus räumen. „Bei so viel Frauenpower kriege ich weiche Knie und setze mich in die Karibik ab“, erklärt er und kapituliert: „Ich habe nichts mehr zu sagen, ich bin so klein wie der städtische Haushalt.“ Das Stadtpalais von der Leyen verwandelt sich im Nu in eine närrische Hochburg der Weiblichkeit.

„Ne Pennig für Freud“: 11 111 Euro für den Rosenmontagszug

Durch Regen und Wind kommt der Sturm der aale krieewelsche Wiever über die Carl-Wilhelm-Straße auf das mit schwarz-gelben Luftballons geschmückte Rathaus zu. Sie sind gerüstet für den Schlagabtausch. Die Krefelder Bürger, die das Wetter nicht vertreiben konnte, stehen ihnen und dem Prinzenpaar mit seinen Garden Spalier. „Ex-OB, wir werden es dir zeigen, wir übernehmen die Macht“, ruft Gaby Leigraf als Anführerin der Alten. Die lauten Hilferufe des OB bleiben indes ungehört.

Dann verlegt er sich aufs Verhandeln: „Habt Ihr kein Zuhause?“, fragt er und behauptet: „Hier kommt keiner ‘rein, hier wird geschlafen. Es sind schreckliche Menschen, die sich hier herein bewegen. Sogar Breetlook ist da.“

Leigraf will jedoch ins Rathaus, um den Haushalt zu sanieren und stimmt an: „Das bisschen Haushalt. . .“ könnten die Frauen. „Wir wollen sogar den Theaterplatz kehren.“ Dann kritisiert sie vorwurfsvoll: „Du hast uns den Zuschuss für den Karnevalszug gestrichen.“ Antwort des OB: „Dafür habe ich Betten fürs Rathaus gekauft.“

Um den Rosenmontagszug finanziell zu unterstützen, kommt kaum einer an Dagmar Schobert und Miriam Hannappel vorbei. Sie sammeln „‘ne Penning für Freud“ und haben von den angestrebten 11 111,11 Euro bereits 10 535,91 zusammen. „Wir schaffen das“, davon sind sie fest überzeugt.

Einen pinkfarbenen Farbklecks bilden die fünf Frauen der KG Grenztal 1980. „Wir sind aus Marzahn“, erklären sie in Anlehnung an die ähnlich gekleidete Cindy aus dem Fernsehen. „Der Anzug ist schön warm und bequem.“ Claudia Houf hat dagegen das Kostüm der Alten unter dem Mantel: „Ich musste noch arbeiten und warte jetzt auf meine Freunde, die mit dem Bus voller alter Weiber kommen. Dann stürmen wir los.“

Inzwischen fällt Regen statt Konfetti vom Himmel. Schnell ist ein Plastikdach über der Bühne vor dem Rathaus errichtet. Dazu Moderatorin Anita Krüger: „Dass bei der Stadt Krefeld auch mal etwas schnell geht.“ Sie freut sich, so viel Kostümierte zu sehen und begrüßt die Linner Burggarde Greiffenhorst, die Oppumer Prinzengarde mit Prinzessin Rosi I. und das Krefelder Fanfaren-Corps.

Mit einem abwechslungsreichen Programm hatte der Nachmittag für den Oberbürgermeister so schön begonnen. Zwischendurch sang er wie jedes Jahr seit 2005 traditionell mit Ex-Prinz Siggi Rose „Rut Sin De Ruse“. Er hätte wissen müssen, was ihm blüht.

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