Freya Klier zeigt ihren Dokumentarfilm über die gebürtige Krefelderin Anja Lundholm.

Erich Erdtmann, seine Ehefrau und die kleine Helga, spätere Anja Lundholm, auf einem Foto, das aus den 20er-Jahren stammt.
Erich Erdtmann, seine Ehefrau und die kleine Helga, spätere Anja Lundholm, auf einem Foto, das aus den 20er-Jahren stammt.

Erich Erdtmann, seine Ehefrau und die kleine Helga, spätere Anja Lundholm, auf einem Foto, das aus den 20er-Jahren stammt.

Erich Erdtmann, seine Ehefrau und die kleine Helga, spätere Anja Lundholm, auf einem Foto, das aus den 20er-Jahren stammt.

Krefeld. Lebendige Krefelder Geschichte: Die DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier zeigt in der Villa Merländer ihren Dokumentarfilm "Die Odyssee der Anja Lundholm". Es ist eine Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Der Andrang ist riesig. Ingrid Schupetta, Leiterin der NS-Dokumentationsstelle: "Wir hatten dreimal so viele Anfragen wie Plätze." Rund 60 gebannte Zuschauer drängen sich in dem holzgetäfelten Raum in der ersten Etage.

Die Widerstandskämpferin Anja Lundholm stammt aus dem Krefelder Elternhaus von Apotheker Erich Erdtmann und seiner jüdischen Frau. Die Engel-Apotheke an der Uerdinger-/Philadelphiastraße gibt es noch heute. Vater Erich führt ein patriarchalisches Regime. Vom Deutschnationalen wandelt er sich zum aktiven Förderer der SS.

Helmut Käutner ermöglichte 1941 die Flucht nach Italien

Die Halbjüdin Helga Erdtmann (geboren 1918), die sich später nach der Heirat mit einem schwedischen Geschäftsmann Anja Lundholm nennt, erfährt 1938 in Berlin, dass ihr Vater die ihm lästig gewordene Ehefrau in den Selbstmord getrieben hatte.

Nach einem Musik- und Schauspielstudium in Berlin kann sie unter Mithilfe des berühmten Regisseurs Helmut Käutner 1941 nach Italien flüchten. Dort schließt sie sich einer antifaschistischen Widerstandsgruppe an. Sie wird von ihrem Vater an die Gestapo verraten und landet 1944 im KZ Ravensbrück zur "Vernichtung durch Arbeit". Klinisch totgesagt, überlebt sie mit tiefen körperlichen wie seelischen Narben.

Die beklemmend-karge Bildsprache von Freya Klier wird in dem 45-Minuten-Film aufgebrochen von den Originaltönen und -aufnahmen der 2007 im Alter von 89 Jahren verstorbenen Hauptperson. Anja Lundholm bewältigte ihr Weiterleben mit Schreiben. Sie hinterließ eine Reihe von Romanen (darunter "Das Höllentor") und erwarb sich den Ruf einer "Mahnerin gegen das Vergessen".

Die Bürgerrechtlerin, 1950 in Dresden geboren, ist Gründungsmitglied des im Juni 1996 gegründeten Bürgerbüros, einem Verein zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur. Im Bundestagswahlkampf 2009 engagierte sich Klier für Angela Merkel. Sie lebt heute als freischaffende Autorin und Filmregisseurin in Berlin.

Neben der DDR-Vergangenheit und ihrer Bewältigung gehören auch die Nationalsozialistische Diktatur in Deutschland und der stalinistische Sozialismus in Deutschland und Russland zu ihren bevorzugten Themen. Besondere Verdienste hat sie sich in der Aufklärung von Schülern über die nahe Vergangenheit der DDR erworben.

2003 wurde ihr neben einer Reihe anderer Auszeichnungen der Niederrheinische Literaturpreis der Stadt Krefeld verliehen.

Über ihre Recherchen in Krefeld stellt Regisseurin Klier fest: "Rund um die Engel-Apotheke baute sich vor mir eine Mauer des Schweigens auf." Gespräche über den Vater von Anja Lundholm wären nur bis zur Feststellung, "er war ein guter Apotheker", möglich gewesen.

Wichtig ist für Freya Klier auch eine differenzierte Bewertung des katholischen Klerus in Italien während des Faschismus. "Es gab das Schweigen des Papstes zu den Verbrechen Hitlers oder Mussolinis. Es gab aber auch den aktiven Widerstand in vielen hundert Klöstern von Mönchen und Nonnen." Tausende Juden und Widerstandskämpfer seien von ihnen versorgt, versteckt oder ausgeschleust worden, betont Klier.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer