Der gelernte Schreiner Rüdiger Ziesemann ist Instrumentenbauer. In seiner Werkstatt in Hüls entstehen Bassgitarren, die individuell in Ausstattung und Aussehen auf die Wünsche des Musikers zugeschnitten werden können.

Der gelernte Schreiner Rüdiger Ziesemann ist Instrumentenbauer. In seiner Werkstatt in Hüls entstehen Bassgitarren, die individuell in Ausstattung und Aussehen auf die Wünsche des Musikers zugeschnitten werden können.
Richtig gezählt: Dieser Bassline-Bass hat nicht vier, sondern fünf Saiten. Rüdiger Ziesemann baut in seiner Werkstatt in Hüls natürlich auch Sonderanfertigungen, die auf den jeweiligen Musiker zugeschnitten sind.

Richtig gezählt: Dieser Bassline-Bass hat nicht vier, sondern fünf Saiten. Rüdiger Ziesemann baut in seiner Werkstatt in Hüls natürlich auch Sonderanfertigungen, die auf den jeweiligen Musiker zugeschnitten sind.

Richtig gezählt: Dieser Bassline-Bass hat nicht vier, sondern fünf Saiten. Rüdiger Ziesemann baut in seiner Werkstatt in Hüls natürlich auch Sonderanfertigungen, die auf den jeweiligen Musiker zugeschnitten sind.

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Richtig gezählt: Dieser Bassline-Bass hat nicht vier, sondern fünf Saiten. Rüdiger Ziesemann baut in seiner Werkstatt in Hüls natürlich auch Sonderanfertigungen, die auf den jeweiligen Musiker zugeschnitten sind.

Krefeld. „Indem Se keine Ahnung haben von nix!“ Kurz und knapp beantwortet Rüdiger Ziesemann die Frage, wie man denn zum Bassgitarren-Bauer wird. Ganz so einfach erzählt ist sein Lebensweg dann doch nicht. Denn am Anfang steht eigentlich ein Lötkolben. In der elterlichen Wohnung in Kempen beginnt er im zarten Alter von 13 Jahren, in die Welt der Elektronik einzutauchen – mit Lötzinn, Dioden und Kondensatoren.

Der Schüler am Gymnasium Thomaeum in Kempen begeistert sich – Musiklehrer Hans Schlosser kann es nicht verhindern – für die Rolling Stones und The Who. Die Texte der Who-Rockoper „Tommy“ haben es Englisch-Lehrer Wolfgang Budde angetan, der sie in den Unterricht einbringt. Und so beginnt die Musik schon früh, Ziesemanns Leben zu beeinflussen. 15 ist er, als er die erste E-Gitarre in der Hand hält.

„In der Freizeit habe ich mir bei meinen Eltern im Keller eine kleine Werkstatt eingerichtet und die ersten Instrumente gebaut.“
Rüdiger Ziesemann, Bassline

Nach dem Abitur 1976 ist klar: Ein Studium der Elektrotechnik ist (Lötkoben!) genau das Richtige. „Das war ein Trugschluss“, gesteht Rüdiger Ziesemann heute ein: zu viel Kopf, zu wenig Hand, Studium abgebrochen. Mehr Handwerk bietet die Schreinerlehre bei Meister Hans Angenheister: „In der Freizeit habe ich mir bei meinen Eltern im Keller eine kleine Werkstatt eingerichtet und die ersten Instrumente gebaut.“ Sein erster Bass hängt auch heute noch in der Werkstatt, ohne Hardware, nur der hölzerne Korpus.

Inzwischen hat Rüdiger Ziesemann auch musikalische Erfahrungen gesammelt. Seine erste Band, in der er spielt, war auf der Suche nach einem Bassisten. Lead- oder Rhythmus-Gitarristen, die auf der Bühne eine beeindruckende Show abziehen können, gibt es in den 70ern genug. An den Bass, der wenig Chancen für Selbstdarsteller bietet, will niemand so richtig ran. Rüdiger erkennt die Lücke und steigt als Bassist bei der Kempener Band „Shiva“ ein, in der sein Klassenkumpel Hubert Schöler den begehrten Gitarren-Part besetzt.

Eine Schreinerwerkstatt in Hüls aufgebaut

Nach der Lehre arbeitet Ziesemann zwei Jahre bei Angenheister in der Werkstatt – den Instrumentenbau immer noch im Kopf. Vier Freunde, allesamt Angenheister-Schreiner, setzen sich dann zusammen und beratschlagen. Heraus kommt, dass sie an der Krüsenstraße in Hüls eine eigene Schreiner-Werkstatt gründen. Ziesemann hat den Instrumentenbau immer noch im Kopf, etabliert das Label „Bass und Spaß“, arbeitet aber weiter als Schreiner.

Plastik als Korpus für den E-Bass geht gar nicht. Instrumentenbauer Rüdiger Ziesemann: „Für den guten Klang muss es schon Holz sein.“ Allerdings zieht der Hülser Instrumentenbauer dazu nicht mit der Axt in den Wald. Er braucht spezielle Hölzer: „Die geben die Basis für den Ton, die Saitenschwingung.“ Weiche Hölzer wie Tanne oder Kiefer sind unbrauchbar. Esche, Erle und Ahorn passen. Bestens geeignet ist die Sumpfesche aus dem Mississippi-Delta in den Vereinigten Staaten.

Wenn die Hölzer geschlagen sind, müssen sie erst für zwei Jahre „in den Wind gestellt werden“, damit das Wasser entweichen kann. Danach geht’s ins Warme zur weiteren Trocknung. „Wenn natürlich getrocknet wird, ist das Holz nach fünf Jahren verwendbar“, sagt Ziesemann. „In der Branche geht nichts über eine lange Lagerung.“

Aus den Rohlingen fertigt Ziesemann dann seine Bässe, das Basismodell ab 1500 Euro. Aufpreise werden für besonders schöne Hölzer, Lack und andere Extras verlangt. 2000 bis 2500 Euro für ein Instrument ist die Regel bei Bassline.

Wer will, kann seinen Bass auch selbst bauen. Ziesemann bietet dazu Workshops an unter bassline-bass.de/service/ workshops

„Das kann so nicht sein“, sagt sich Ziesemann irgendwann und legt die Latte höher. Er will sich voll auf das Bauen von Instrumenten verlegen: „Ein richtiger, seriöser Auftritt muss her!“ 1993 gründet er „Bassline“. Drei Jahre später werden am Mühlenweg in Hüls auf dem Gelände der Firma Maurenbrecher, die sich mit der Resteverwertung von Stoffen beschäftigte, geeignete Räume frei.

Der Bassist von „Kraan“ ist der erste professionelle Kunde

Jetzt wird „Bassline“ richtig professionell: Rüdiger Ziesemann reist nach Frankfurt zur Messe, um seine Arbeit an den Musiker zu bringen. „In der Zeit vorher habt ihr richtig schön Nachtschichten gemacht“, ruft Martina Ziesemann aus dem Nebenraum. „Bis drei Uhr haben wir gearbeitet, um sieben Uhr sind wir wieder aufgestanden. Auf einem Foto aus der Zeit sehe ich ganz schön alt aus“, ergänzt Rüdiger Ziesemann. Es hat sich gelohnt. Hellmut Hattler beißt während der Messe an. Der spielt den Bass in der Jazzrock-Formation „Kraan“, die zu den bekanntesten Vertretern des Krautrock zählt, und bekommt seinen handgefertigten Bassline-Bass. Viel verdient hat der Hülser Schreiner daran nicht.

Ein weiterer prominenter Kunde wird Joe Crawford, der den Bass bei „Pur“ zupft. Die Band gibt ein Konzert in Düsseldorf und Joe kommt kurz in Hüls vorbei, um sich umzuschauen. Er probiert die Instrumente aus und bestellt eine Spezialanfertigung. „Crawford lädt uns auch heute noch zu seinen Konzerten ein“, sagt Ziesemann. Das letzte sei in der Schalke-Arena gewesen: „Es ist immer sehr schön, den Bass, den man gebaut hat, noch mal in Aktion zu sehen.“

Mit der „Jackpot Blues Band“ in der Kulturrampe zu hören

Die ganz, ganz Großen des Musikgeschäfts haben bei Ziesemann allerdings noch nicht angeklopft. „Dafür muss man richtig baggern. Und das ist nicht mein Ding“, erläutert er bescheiden. Für das Geschäftliche ist seine Frau Martina zuständig, die er, wie könnte es anders sein, beim Musikmachen kennengelernt hat: 1981 spielt die „Watermelon Blues Band“ (Bassist: Rüdiger Ziesemann) als Vorgruppe von BAP im Haus Blumenthal in Krefeld. Zu diesem Konzert lädt er Martina ein, „um sie besser kennzulernen.“ Das ihm das gelungen ist, sieht man im Büro der Werkstatt.

2015 kommt es zu einer Reunion der „Watermelons“: Die Musiker geben ein Benefizkonzert für den verstorbenen Schlagzeuger Georg Niechzienski, den viele Krefelder als früheren Leiter des Jazzkellers und langjährigen Besitzer des Plattenladens Die Rille kennen.

Und auch derzeit lassen ihn die Wassermelonen nicht los, denn mit dem ehemaligen Mundharmonikaspieler der Gruppe, Klaus Otz, musiziert er jetzt in der Formation „Jackpot Blues Band“: „Wir haben uns immer gut verstanden, aber irgendwann aus den Augen verloren.“ Als die Band ihn fragt, ob er mitmachen wolle, ist die Antwort eindeutig: „Klar, wenn der Klaus mitspielt.“

Die „Jackpot Blues Band“, die auch schon seit mehr als drei Jahrzehnte auf der Bühne steht, ist am 26. Februar in der Kulturrampe im Großmarkt zu erleben.

Das Konzert beginnt um 21 Uhr, Einlass ist um 19 Uhr. Die Karten kosten zehn Euro, im Vorverkauf acht Euro.

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