Das Sinn-Haus ist neu aufgebaut worden.

Krefeld. Die Zukunft des unter Denkmalschutz stehenden Sinn-Hauses ist Anfang der 80er-Jahre eng mit dem Ausbau von Süd I verknüpft worden. Im Rahmen der Überplanung von Hansastraße, Neußerstraße und Gladbacher Straße gab es einen Investorenwettbewerb. Den gewann mit seinem Konzept der Bauunternehmer Erich Bast. Die Bast-Bau-Gruppe aus Erkrath baute in den folgenden Jahren neben dem neuen Hansa-Centrum auch das Sinn-Haus wieder auf, wobei allerdings nur die alte Fassade erhalten bleiben konnte.

Der entscheidende Grund hierfür war laut dem damaligen Baudezernenten Carl-Peter Forschbach die nicht ausreichende Statik am Fuß des zu diesem Zeitpunkt 77 Jahre alten Hauses. Der Giebel stand teilweise nicht auf dem Fundament, die Stahlstützen und die Fassaden-Verankerungen waren verrostet. Der mit dem Bauvorhaben betraute Krefelder Architekt Erich Rateiczak sprach damals in der WZ von insgesamt 150 kritischen Punkten, deren Sanierung allein rund 3,6 Millionen Mark gekostet hätte. Plus 1,8 Millionen für die Fassade. Ein neutraler und von dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege akzeptierter Gutachter bestätigte später den Zustand des Hauses. Damit war das Schicksal des Sinn-Hauses besiegelt.

Polnische Restauratoren am Werk

Emil Bast beauftragt 1983 ein polnisches 20-köpfiges Team aus Steinmetzen und Stukkateuren, die Fassade Stein für Stein abzutragen. Die hatten zuvor das Karsch-Haus in Düsseldorf auf dieselbe Weise gerettet. Von Hand lösen sie in den nächsten Wochen die 780 Steine an der Neusser Straße heraus, um sie zur Zwischenlagerung in das Firmengebäude der ehemaligen Papierfabrik Peters an der Virchowstraße zu bringen. Dazu werden alle Steine in ein exaktes Koordinatonssystem eingeordnet, nummeriert, vermessen und auf Schäden untersucht. Danach beginnen die eigentlichen Abbrucharbeiten des Sinn-Hauses.

Ein Jahr später steht der neue Stahlbeton-Skelettbau, die restaurierte Fassade kann wieder angebracht werden. Dahinter verbirgt sich allerdings eine Etage mehr als das Sinn-Haus vorher aufwies. "Das Ergebnis ist eigentlich sehr gut", kommentiert Denkmalpfleger Veit Berroth 25 Jahre später die Sanierung. Das jetzige Fassadenbild entspricht dem ursprünglichen Zustand, bis auf das Erdgeschoss. Dort mussten neue Steine verwendet werden.

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