Klosterleben Die WZ hat den Alltag des Franziskus-Ordens am Jungfernweg unter die Lupe genommen und dabei so manche Überraschung erlebt.

Die Franziskus-Schwestern und ihre Gäste feierten im Februar den Tag des Geweihten Lebens in der Kapelle des Klosters am Jungfernweg. Fotos (2): Andreas Bischof
Die Franziskus-Schwestern und ihre Gäste feierten im Februar den Tag des Geweihten Lebens in der Kapelle des Klosters am Jungfernweg. Fotos (2): Andreas Bischof

Die Franziskus-Schwestern und ihre Gäste feierten im Februar den Tag des Geweihten Lebens in der Kapelle des Klosters am Jungfernweg. Fotos (2): Andreas Bischof

Die Franziskus-Schwestern und ihre Gäste feierten im Februar den Tag des Geweihten Lebens in der Kapelle des Klosters am Jungfernweg. Fotos (2): Andreas Bischof

Hinter der Eingangstür wartet die erste Überraschung: Ein Mann sitzt am Empfang. Der Weg führt in den Keller, einen langen Gang entlang bis zu einem kleinen Raum. Ein Schlagzeug und ein Keyboard stehen in der Ecke. Hier wartet der nächste Mann: Torsten Kirsch sitzt am Mischpult und arbeitet an einer Präsentation. Das Tonstudio gehört nicht zu einem Radio-Sender, sonder zum Nonnenkloster des Franziskus-Ordens. Kirsch ist Küster. Neben ihm sitzt Schwester Alfonsa. "Wir haben hier im Haus alles an technischem Equipment, was wir für eine Präsentation brauchen", sagt sie. "Beamer, Lautsprecher, Leinwand."

Schwester Alfonsa kennt sich aus mit Technik

Das Kloster ist keineswegs abgeschottet vom "Leben da draußen". Schwester Alfonsa kennt sich aus mit Technik. Sie hilft, die Beiträge im Tonstudio zu gestalten und wirkt an der Internet-Seite des Ordens mit. In ihrem Büro stehen Computer, Flachbildschirme und Drucker, im Esszimmer der Schwestern prangt ein Fernseher mit DVD-Player und Video-Rekorder. Einen Heimtrainer gibt es auch.

Während Torsten Kirsch noch bedauert, dass zum Kloster keine Brauerei gehört, präsentiert Schwester Alfonsa eine Flasche Imeldol, ein klostereigenes Produkt aus Wermutwein und Honig. "Davon trinken wir jeden Tag ein kleines Schlückchen zur Stärkung der Abwehrkräfte", sagt sie und muss schmunzeln, weil ihr durchaus bewusst ist, dass das niemand erwartet. "Natürlich nicht so viel, dass wir unseren Aufgaben nicht gewachsen sind." Imeldol steht neben Rosenkränzen, Kreuzen, gestrickten Socken, Büchern und Kerzen im Klosterladen zum Verkauf.

Das alltägliche Leben im Kloster birgt viel Arbeit. Dazu gehört geistiger Beistand, der Verkauf im Klosterladen, das Vorbereiten von Veranstaltungen wie zum Beispiel dem gemeinsamen Essen von Senioren mit Mitgliedern der Malteser, Pforten-, Tisch- und Gebetsdienst. Alle werden einbezogen. "Viele Bausteine ergeben ein Ganzes", sinniert Schwester Alfonsa.

"Der Rahmen wird durch das Gebet vorgegeben." Das heißt für sie und die anderen derzeit sechs Nonnen Tagesbeginn um 6.30 Uhr mit der Morgenandacht. Um 12 Uhr findet das Rosenkranzgebet statt und um 17.30 Uhr vollziehen die Schwestern - jede für sich - die eucharistische Anbetung. "Das ist mehr ein spirituelles Verweilen vor dem Herrn, das jeder für sich selbst führt", erklärt Schwester Alfonsa. Um 18 Uhr findet das Abendlob statt und zwei mal pro Woche gibt es ein Nachtgebet. Was nach einem strammen Programm klingt, ist für Schwester Alfonsa ein große Hilfe im alltäglichen Leben. "Das ist kein Zwang, es gibt Ruhe und Orientierung."

Schwester Alfonsa hat ihren Platz in der Welt gefunden. "Ich sehe das nicht so, dass ich mit dem Eintritt ins Kloster mein altes Leben aufgegeben und ein neues begonnen habe. Das hier ist mein Leben." Sie ist als Tochter aus gutem Hause im Glauben aufgewachsen. Nach einer kaufmännischen Ausbildung fand sie schnell in die soziale Arbeit. Ihr Namensgeber ist der heilige Alfons von Liguori, den sie für sein geistliches Engagement verehrt.

Ihr Gewand und die Haube trägt sie gerne. Das sei ein Zeichen für Einfachheit. "Früher musste ich immer überlegen, was ich anziehen soll. Es ist eine Erleichterung, wie es jetzt ist. Der Zwang ist einfach weg." Der Glaube an Gott veredelt ihr die Freude am Leben. "Vieles fügt sich einfach. Deshalb muss ich mich selbst nicht mehr ganz so wichtig nehmen. Es ist ein großes Geschenk, zu wissen, dass Gott mich begleitet und lenkt."

"Der Rahmen wird durch das Gebet vorgegeben. Das ist kein Zwang, es gibt Ruhe und Ordnung. Vieles fügt sich einfach. Deshalb muss ich mich selbst nicht mehr ganz so wichtig nehmen."

SchwesterAlfonsa

Dieses Geschenk möchte sie mit möglichst vielen Menschen teilen. Der Gästebetrieb ist ein Geben und Nehmen. "Das ist nicht wie im Hotel", sagt Schwester Alfonsa. Die Nonnen sprechen nicht von Bezahlung, sondern von einem Beitrag, den jeder Übernachtungsgast leistet. Es geht nicht darum, Geld zu verdienen, sondern nur, die Kosten zu decken. Von Außenstehenden fühlt sich die Ordens-Schwester nicht komisch beäugt, sondern eher als jemanden angenommen, dem man vertraut. "Mich fragen zum Beispiel öfters Menschen nach dem Weg."

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