Beim Projekt „Teutolab“ können Kinder nach Herzenslust chemisch experimentieren.

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Reimann, Friedhelm (rei)

Krefeld. Jill kann ihr Glück kaum fassen. Wie ihre 18 Mitschüler aus der vierten Klasse der Gemeinschaftsgrundschule Forstwald hat sie den Nachmittag am Michael-Ende-Gymnasium in St. Tönis mit chemischen Experimenten zugebracht. „Das finden alle Schüler immer richtig klasse“, sagt Lehrerin Christine Fliegen. „Gerade hat Jill mir gesagt, dass sie morgen am liebsten wiederkommen würde.“

Die Laborgeräte hat Bayer gespendet

Die Grundschule selbst hat nicht die Möglichkeit, solche Experimente durchzuführen. „Hier ist die Ausstattung einfach sehr gut“, sagt Fliegen. Die Laborgeräte für die Experimente im Wert von 5000 Euro hat vor dreieinhalb Jahren die Firma Bayer gespendet, die laufenden Kosten von 700 Euro jährlich werden vom Förderverein des Gymnasiums übernommen.

„Teutolab“ heißt das Konzept, das an der Universität Bielefeld entwickelt wurde und seit 1999 läuft. „Bei uns an der Uni wurden seitdem 30 000 Grundschüler betreut, es gibt Teutolab-Schulen in aller Herren Länder“, sagt Rudolf Herbers von der Uni Bielefeld. Er hat das Projekt initiiert und weilt an diesem Tag in St. Tönis, um den 1000. Schüler auszuzeichnen, der dort an Teutolab teilgenommen hat. „So rührig wie das Michael-Ende sind nicht alle Schulen“, sagt er.

Oberstufenschüler fungieren als Betreuer der Kinder

Alle Grundschulen in Tönisvorst und die aus Krefeld-Forstwald nehmen teil. „In diesem Jahr sind es 13 Klassen“, sagt Anja Porrmann, Biologie- und Chemielehrerin an dem Gymnasium. Sie betreut das Projekt zusammen mit ihrem Fachkollegen Thomas Zöllner.

Bei den Experimenten stehen den Grundschülern 50 Oberstufenschüler zur Seite. „Das ist bei denen sehr beliebt“, sagt Anja Porrmann. Maximal dreimal darf jeder Schüler als Betreuer fungieren. „Sonst fällt für ihn zu viel Unterricht aus“, sagt sie.

Das Mitmach- und Experimentierlabor der Universität Bielefeld wurde 1999 ins Leben gerufen.

Seit 2002 gibt es Partnerschulen im Teutolab-Netzwerk, inzwischen 50 in Deutschland, seit 2006 auch im Ausland.
 

Herbers zeichnet Jill als 1000. Teilnehmerin von Teutolab in St. Tönis aus. Mit dem Nachnamen Wloka ist sie die vorletzte im Alphabet ihrer Klasse. Sie bekommt eine Urkunde und ein Geschenk. Den Mimosen-Garten von Kosmos mit kleinen Torfballen und Samen der berührungsempfindlichen Pflanze. „So was Ähnliches hatte meine Freundin schon mit Krebsen“, sagt sie, und ihre Augen leuchten.

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