Der Bundes- Gesundheitsminister ist auch zum Major der Prinzengarde ernannt worden.

Der Bundes- Gesundheitsminister ist auch zum Major der Prinzengarde ernannt worden.
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (l.) ist neuer Steckenpferdritter. Das Holztier für ihn hält Felix Mai, Schatzmeister der Prinzengarde (r.).

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (l.) ist neuer Steckenpferdritter. Das Holztier für ihn hält Felix Mai, Schatzmeister der Prinzengarde (r.).

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (l.) ist neuer Steckenpferdritter. Das Holztier für ihn hält Felix Mai, Schatzmeister der Prinzengarde (r.).

Krefeld. Wenn die Prinzengarde feiert, dann wird es eine lange Nacht. Das ist in Krefeld bekannt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Steckenpferdsitzung im Seidenweberhaus diesmal eine Stunde früher angefangen hat. Aber es spricht eben auch für das kölsche Spitzenprogramm, das die Grün-Weißen auf die Beine zu stellen wissen. Immer wieder verlangte das gut gelaunte Publikum im Saal nach Zugaben. Und mittendrin ein Bundesminister. Denn Hermann Gröhe ist am Mittwochabend in den erlauchten Kreis der Krefelder Steckenpferdritter aufgenommen worden.

Hermann Gröhe: Die Berliner können keinen Karneval

Der Bundesgesundheitsminister, der aus dem benachbarten Neuss stammt, ist dem Brauchtum sehr verbunden. Deshalb konstatierte er gleich zu Beginn seiner Rede, dass es in Berlin „arsch kalt“ sei und dies auch die nächsten vier Wochen so bleiben werde, „denn die können keinen Karneval“.

Verwundert zeigte sich Gröhe über die hohe Zahl der Politiker, die die Krefelder Auszeichnung bereits erhalten haben: „Liegt das daran, dass Politiker sich gerne mal vergaloppieren oder immer wieder eine neue Sau durchs Dorf trieben“, wollte er wissen. Auf jeden Fall aber passe Humor zu seinem Ressort, der Gesundheit, denn ein fröhliches Herz tue dem Körper gut.

„Die Ehrung ist mit einer Zwangsmitgliedschaft in der Prinzengarde verbunden.“

Rainer Küsters, Präsident

Außer Urkunde und hölzernem Pferdchen erhielt Gröhe dann auch gleich die Prinzengarde-Mütze und wurde zum Major ernannt. „Die Ehrung ist mit einer Zwangsmitgliedschaft in der Prinzengarde verbunden“, erläuterte Präsident Rainer Küsters. Verdient habe Gröhe die Auszeichnung wegen der Liebe zu seiner rheinischen Heimat und seines Rufs als fairen Vermittlers.

Die Prinzengarde der Stadt Krefeld verleiht das Närrische Steckenpferd seit 1989. Mit dem hölzernen Pferdchen wurden seitdem vor allem Politiker, Journalisten und Kabarettisten ausgezeichnet – unter anderem Hans-Dietrich Genscher, Norbert Blüm und Johannes Rau, Bodo Hauser, Maybritt Illner und Peter Hahne, Hanns Dieter Hüsch, Konrad Beikircher und Hape Kerkeling. Sie alle mussten zweimal nach Krefeld reisen – einmal um den Preis entgegen zu nehmen und im Folgejahr, um die Laudatio auf den Nachfolger zu halten.

 

Der 27. Ritter, Hermann Gröhe, wurde 1961 in Uedem geboren. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Der CDU-Politiker aus Neuss ist Jurist. Bevor er Bundesgesundheitsminister wurde, war er Staatsminister im Bundeskanzleramt und Generalsekretär der CDU. Er ist seit 1994 im Bundestag.

Zuvor hatte der Vorjahrespreisträger Willibert Pauels, der „Bergische Jong“, die Laudatio auf den Minister gehalten. Gewürzt mit Witzen über die unterschiedlichen Mentalitäten in den Bundesländern zeigte er den Integrationsfall der Eltern Gröhe auf, die aus dem protestantischen Sachsen in das katholische Rheinland kamen und diesen Doppelschock erstmal verarbeiten mussten.

Stadt, Brauchtum und Ehefrau haben zur Integration beigetragen

Die Eingliederung des Sohnes sei jedenfalls gelungen, stellte Pauels fest und zählte gleich mehrere Faktoren auf, die dazu beigetragen haben: die Stadt Neuss, das Schützenbrauchtum, der Karneval und Gröhes Frau Heidi. Denn „Integration geht nur über das Herz“. Dass die Frau des Gesundheitsministers aus gesundheitlichen Gründen bei der Verleihung nicht dabei sein konnte, musste Pauels dann als Kalauer doch noch loswerden. Der Schluss der Laudatio klang dann fast wie eine Predigt: Was ihn mit Gröhe verbinde, sei der Glaube, dass nichts die kostbare Seele des Menschen zerstören kann.

„Den Autokorso führt der Streuwagen an.“

Guido Cantz, Comedian, zur Winter-Fußball-WM in Katar

Dafür, dass es nicht zu philosophisch wurde, sorgten neben dem Auftritt der gastgebenden Prinzengarde bekannte Künstler wie Guido Cantz, Bernd Stelter, die Räuber oder Brings. Während Stelter das Jahr 2015 mit Abgasskandal, Online-Partnervermittlungen und Fifa-Bestechungen musikalisch Revue passieren ließ, analysierte Guido Cantz die Unzulänglichkeiten der Kölner: „Die können U-Bahn nicht, die können Oper nicht, die können OB-Wahl nicht.“

Oder er malte in leuchtenden Farben das WM-Finale in Katar am 4. Advent 2022 aus: „Public Viewing auf dem Weihnachtsmarkt, bei jedem Tor gibt es einen Glühwein, die Autos sind mit schwaz-rot-goldenen Schneeketten geschmückt und den Autokorso führt der Streuwagen an“.

Besonderer Zustimmung hatte in diesem Jahr der Auftritt des Prinzenpaars bedurft. Denn die Steckenpferdsitzung war aufgrund der kurzen Session noch vor die Proklamation gerutscht.

Doch nach Rücksprachen mit allen Verantwortlichen durften Oliver I. und Danny I. in vollem Ornat ihren ersten Auftritt absolvieren, bevor sie überhaupt offiziell ernannt sind.

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