Krefeld. In diesem freien Land kann jeder selbst entscheiden, ob er Uringestank mag oder nicht. Falls nicht, war es in den vergangenen fünf Jahren empfehlenswert, die Harnröhren unter dem Ostwall zu meiden. Für Krefeld-Touristen waren die Tunnel ohnehin nur ein Geheimtipp: Wer die Verschmuddelung der Gesellschaft soziologisch untersuchen wollte, war dort genau richtig.

Nun sind die Zeiten der freien Entscheidung freier Fußgänger - Frischluft oder Mief, Tageslicht oder Schummrigkeit, viel Dreck oder noch mehr Dreck - endgültig vorbei. Die Stadt hat die Tunnel verschlossen, nicht auf Nimmerwiedersehen, sondern mit einem symbolischen Akt. Vor den Eingängen stehen Bauzäune, die eine klare Botschaft übermitteln: Diese Stadt ist eine Baustelle, doch gearbeitet wird nicht. Krefeld stellt Zäune auf und guckt, was passiert - Hauptsache, in der Zwischenzeit sieht’s grottenhässlich aus.

Bis 2012 sollen die Dinger stehenbleiben, das sind gerade mal zwei Jahre. Damit sie nicht so auffallen, will man das Blech durch Zaungäste verschönern. Goldene Seidenschleifen wären toll, vielleicht auch der Monet, der so nutzlos im Museumskeller verstaubt. Keine Verzierung wird jedoch über das traurige Paradoxon hinwegtäuschen: Die Tunnel sind weg, doch erst jetzt ist der Ostwall so richtig unterirdisch.

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