Die Interessengemeinschaft will das einstige Erkennungsmerkmal von Uhren Abeler wieder zum Klingen bringen.

Initiative
Die Installation der elf Glocken am Geschäftshaus Neusser Straße 63a im Jahr 1954. Die große Glocke symbolisiert das Krefelder Geschäft und ist verziert mit den Wappen der Goldschmiede und Uhrmacher. Die anderen zehn Glocken erinnern an die eigenständigen Geschäfte der Brüder Abeler in anderen Städten.

Die Installation der elf Glocken am Geschäftshaus Neusser Straße 63a im Jahr 1954. Die große Glocke symbolisiert das Krefelder Geschäft und ist verziert mit den Wappen der Goldschmiede und Uhrmacher. Die anderen zehn Glocken erinnern an die eigenständigen Geschäfte der Brüder Abeler in anderen Städten.

So sah Abeler auf der Neusser Straße 63a nach der Eröffnung 1952 in der Weihnachtszeit aus. In der ersten Etage hängen die elf Glocken, die zweimal am Tage Weihnachtslieder spielten.

So sah das Geschäft von Friedrich-Wilhelm Abeler an der Neusser Straße 63a nach dem großen Umbau im Jahr 1957 aus, nachdem der Eingang neu gestaltet und das Haus um vier Etagen aufgestockt worden war. In der ersten Etage ziert das Glockenspiel die Häuserfassade.

Bischof, Andreas (abi), Bild 1 von 3

Die Installation der elf Glocken am Geschäftshaus Neusser Straße 63a im Jahr 1954. Die große Glocke symbolisiert das Krefelder Geschäft und ist verziert mit den Wappen der Goldschmiede und Uhrmacher. Die anderen zehn Glocken erinnern an die eigenständigen Geschäfte der Brüder Abeler in anderen Städten.

Krefeld. Der Platz vor Saturn in der Südstadt soll ein Wahrzeichen bekommen – und dazu passend auch einen neuen Namen. Die im Sommer gegründete Interessengemeinschaft (IG) Neusser Straße möchte das Glockenspiel wieder zum Klingen bringen, das Jahrzehnte lang schon von Weitem hörbares Erkennungsmerkmal des Uhren- und Schmuckgeschäftes Abeler an der Neusser Straße 63a gewesen ist.

„Ich freue mich riesig darüber“, sagt Karin Bauer-Abeler, die Tochter des verstorbenen Firmengründers Friedrich Wilhelm Abeler. Bis 1985 erklangen die Glocken regelmäßig, zu jeder Viertelstunde mit dem berühmten Westminster-Schlag und um 12 und 18 Uhr mit einer kompletten Melodie.

Dann jedoch ging die Lochkartensteuerung kaputt. 1987 verkaufte Karin Bauer-Abeler das Gebäude zusammen mit dem Glockenspiel, um mit ihrem vor zwei Jahren verstorbenen Mann Helmut Bauer an der Königstraße ein kleineres Juweliergeschäft zu eröffnen. „Ein Traum meines Mannes war es, die Glocken mitzunehmen, wir wussten allerdings nicht, wohin damit.“

Im Aktivkreis Hansaviertel das erste Mal von dem Glockenspiel gehört

Wohin damit, das wusste Martina Theißen sofort, als sie das erste Mal von den Glocken hörte. Das war bei einem Treffen des Aktivkreises Hansaviertel, in dem sie als Kaufmännische Geschäftsführerin von Saturn Mitglied ist. „Die Glocken gehören zur Neusser Straße und passen sehr gut zu diesem Platz vor dem Sinn-Haus“, erzählt sie im Rückblick der WZ von ihrer Idee. Sie sind in ihren Augen identitätsstiftend, verbinden die Menschen verschiedener Kulturen und die Stadtgeschichte der Nachkriegszeit mit dem Heute – ein wichtiges Projekt für die zwischenzeitlich gegründete Interessengemeinschaft, die aus Geschäftsleuten und privaten Anliegern besteht.

Martina Theißen belässt es nicht beim Schwärmen für die Idee. Über den Einzelhandelsverband nimmt sie Kontakt zu dem neuen Eigentümer Erich Cuypers auf, der das Haus samt Glockenspiel erst vor kurzem übernommen hat. Vor Ort erzählt sie ihm von ihrem Vorhaben und dem Wunsch, mit einem Glockenturm den Goldschmied und Uhrmacher Abeler, aber auch das traditionelle Quartier zu würdigen.

Karin Bauer-Abeler entstammt einer alten Goldschmiede- und Uhrmacher-Familie; aus der in sechs Generationen bisher 26 Uhrmacher und Goldschmiede hervorgegangen sind. Ihr 1917 geborener Vater Friedrich Wilhelm war der jüngste Sohn von Heinrich Abeler, der ein Geschäft in Münster besa und elf Söhne und eine Tochter hatte. Alle hatten die freie Berufswahl, doch alle Söhne wurden ebenfalls Uhrmacher oder Goldschmied – oder beides, wie i Friedrich Wilhelm. Der gründete 1952 sein eigenes Geschäft in Krefeld.

Das Geschäft seines Bruders Georg in Wuppertal besaß als erstes ein Glockenspiel. Ein solches wollte Friedrich Wilhelm Abeler auch für sein eigenes Geschäft in Krefeld haben. 1952 ließ er zehn Glocken mit dem jeweiligen Wappen der verschiedenen Standorte seiner Brüder fertigen. Die elfte Glocke war seine eigene und auch die größte. Da er beide Berufe erlernt hatte, zieren diese Glocke gleich zwei Wappen, die der Goldschmiede und die der Uhrmacher.

Betrieben wurde das Glockenspiel durch eine Lochkartenmechanik. Zu jeder Viertelstunde erklang der Westminster-Schlag, jeweils um 12 und 18 Uhr erklang eine Melodie.

Cuypers ist sehr angetan davon, bittet um kurze Bedenkzeit und schenkt der Interessengemeinschaft letztendlich die Glocken, für die er auch kaufkräftige Interessenten gehabt hätte. „Ein Glücksfall“, sagt die Kauffrau.

Für die Anschaffung der neuen Steuerung fehlt noch Geld

Auch die Verwaltung und die Bezirksvertretung sind inzwischen mit im Boot. „Bei einem Ortstermin vor etwa drei Wochen haben wir die Standortfrage geklärt“, erzählt die Geschäftsführerin. Der zweibeinige Glockenturm aus Vierkantstahl soll auf dem namenlosen Platz im Dreieck der Fußgängerzone Neusser- und Gladbacher Straße aufgestellt werden. „Damit wäre auch endlich ein passender Name verbunden, nämlich Glockenplatz“, schlägt Martina Theißen vor.

Doch bevor der Turm aufgestellt werden kann, müssen die Glocken noch restauriert werden. Auf 10 000 Euro schätzt die Interessengemeinschaft die Kosten und hofft auf einen 50-prozentigen Zuschuss durch das Land im Rahmen des Förderprogramms „Stadtumbau West“. Damit die Glocken wieder erklingen können, ist allerdings auch noch eine neue elektronische Steuerungseinheit vonnöten. Trotz dieser noch ungeklärten Frage hofft die Sprecherin der IG, dass der Glockenturm im März 2013 auf dem neuen Glockenplatz aufgestellt werden.

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