Der Kabarettist präsentierte eine Auswahl aus 14 Soloprogrammen. Seine Parodien sind immer noch unübertroffen.

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Thomas Freitag bietet dem Publikum „Nur das Beste“ – so lautet der Titel der aktuellen Produktion.

Thomas Freitag bietet dem Publikum „Nur das Beste“ – so lautet der Titel der aktuellen Produktion.

Anna Schwartz

Thomas Freitag bietet dem Publikum „Nur das Beste“ – so lautet der Titel der aktuellen Produktion.

Krefeld. Kabarettistische Höhepunkte – sozusagen eine Zwischenbilanz von 14 Soloprogrammen – seiner über 35-jährigen Bühnenpräsenz zeigte Thomas Freitag in seinem neuen Programm „Nur das Beste“ in der gut besuchten Kulturfabrik.

Als Kind war er Ministrant, und das habe ihn gut auf die Laufbahn eines Kabarettisten vorbereitet, so Thomas Freitag. Seine Programme sind aber nicht nur einfache Ein-Mann-Shows, er setzt kleine Sketche in Szene, parodiert, rezitiert und singt auch noch. Sein Bühnenbild wirkt stets wie eine kleine Theaterbühne, auf der er gleichzeitig zwei bis drei Personen darstellt und natürlich auch parodiert.

Unübertroffen sind dabei die Parodien von Franz-Josef Strauß, Willy Brandt, Herbert Wehner und Marcel Reich-Ranicki, ebenso wie die von Ulla Schmidt. Dabei braucht man nicht einmal die Augen zuzumachen, um sich die Personen vorzustellen. Freitag beherrscht ebenso deren Gestik und Mimik und das ausgezeichnet. Seine Reich-Ranicki-Parodie ist so gut und so komisch, dass den Zuschauern in der Kufa die Tränen über die Wangen liefen.

Großartig auch sein kleines Theaterstück im Altersheim von 1991, wo Brandt, Wehner und Strauß sich ein Dreibettzimmer teilen, sich nicht immer in allen Dingen einig sind und schon gar nicht, was den Standort der Betten betrifft. Dass alle Politiker bereits tot sind, stört das Publikum dabei überhaupt nicht, denn dort sitzen nur Zuschauer, die altersmäßig alle Politiker zu Lebzeiten kannten.

Auf der Bühne gibt es stets  vollen Körpereinsatz

Thomas Freitag rennt und kriecht er über die Bühne, trägt Kartons, schiebt Möbelstücke hin und her und ist ständig mit vollem körperlichen Einsatz dabei. Er räumt seinen Keller auf, denn für seine Rente muss er noch der Vollständigkeit halber einige Ausbildungs- und Arbeits-Nachweise erbringen.

Thomas Freitag, im hessischen Alsfeld geboren, wollte schon früh Schauspieler werden. Nach dem Abschluss einer Lehre zum Bankkaufmann nahm er Schauspielunterricht und erhielt 1974 am Stuttgarter Renitenztheater sein erstes Engagement als Schauspieler und Kabarettist.

Kay Lorentz holte ihn 1977 an das Düsseldorfer Kom(m)ödchen. Hier spielte er über viele Jahre in zahlreichen Erfolgsproduktionen des ältesten deutschen Kabarett-Theaters. In den Inszenierungen "Ende offen" und "Playback" avancierte er zum ersten Duo-Partner der Kabarett-Ikone Lore Lorentz.

Er hofft, sie dort zu finden, was gar nicht so einfach ist, wer weiß schon, was er 1972 gemacht hat und wo es steht? Dabei fällt ihm so manches andere in die Hände. Alte Fotos, die ihn als Fünfjährigen zeigen und ein Video von ihm auf der Bühne vor 26 Jahren zur Gesundheitspolitik. An Aktualität hat es nichts eingebüßt.

Thomas Freitag ist ein politischer Kabarettist durch und durch, kritisiert und analysiert Wirtschaftskrise, Gesundheitspolitik bis hin zur deutschen Sprache – ohne viel Sarkasmus oder Ironie, die Tatsachen sprechen eben für sich. Immer wieder beweist er, dass er ein mindestens so guter Schauspieler wie Kabarettist ist und das nicht nur aktuell auf der Bühne, sondern ebenso in zahlreichen Theaterstücken, in Serien und Filmen.

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