Der kleine Prinz hat die Puppentheatertage eröffnet.

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Mit dem Papierflieger durchs All: Die Niekamp-Theater-Company inszenierte „Der kleine Prinz“ auf der Heeder-Studiobühne.

Mit dem Papierflieger durchs All: Die Niekamp-Theater-Company inszenierte „Der kleine Prinz“ auf der Heeder-Studiobühne.

Dirk Jochmann

Mit dem Papierflieger durchs All: Die Niekamp-Theater-Company inszenierte „Der kleine Prinz“ auf der Heeder-Studiobühne.

Krefeld. Seit mehr als zehn Jahren sorgt diese Inszenierung des kleinen Prinzen der Niekamp-Theater-Company in Bielefeld für ein ausverkauftes Haus. Auf der Studiobühne im Kulturzentrum Fabrik Heeder reichte es am Samstagabend dafür nicht ganz, aber das tat dem Theatergenuss nicht den geringsten Abbruch.

So authentisch, wie das 1980 von Thomas R. Niekamp gegründete Theater die Geschichte des kleinen Prinzen in Szene setzt, ist es ein besonderes Vergnügen. Die Puppen und das minimalistische, aber völlig ausreichende Bühnenbild stammen indirekt von Antoine de Saint-Exupéry: Mit den Illustrationen seines Buches lieferte er die Vorlagen. Wer kennt nicht das Titelbild mit dem Blondschopf in grünem Hemd und gleichfarbiger Hose, der auf einem winzigen violetten Planeten steht?

Viel Autobiografisches steckt in der Geschichte, die sich um die Begegnung eines Fliegers, der mit seiner Maschine in der Sahara notlanden musste, mit dem kleinen Prinzen dreht. Antoine de Saint-Exupéry war ebenso Flieger und hatte eine ähnliche Situation 1935 in der ägyptischen Wüste selbst erlebt - natürlich ohne seine berühmteste Figur, die schnell Eingang in die Weltliteratur gefunden hat. 1943 erschien das Märchen erstmals, inzwischen ist es in über 180 Sprachen übersetzt.

Die philosophischen Gedanken des kleinen Prinzen konnten die Zuschauer in der Fabrik Heeder im Originalton verfolgen, denn fast die gesamte Erzählung wurde nuancenreich wiedergegeben. In der Stille des Theaters wurde das Knistern von Papier, das Falten eines Paperflugzeugs und erst recht das Zerknüllen von Briefbögen durch den Erzähler, zum lauten Geräusch. In leisen Tönen, voller Gleichnisse, die in einer kindhaft einfachen Sprache geschrieben und vorgetragen wurden, wird von der Reise des kleinen Prinzen zu verschiedenen Planeten erzählt.

Es sind Begegnungen, die mitreißen und nachdenklich stimmen. Da werden die Puppen auf der Tischbühne zu scheinbar lebendigen Wesen, die durch ein gekonntes Spiel viele Nuancen an Bewegungen und Regungen wiedergeben. Der Säufer, der Geschäftsmann, der Geograph, sie alle legen die - durchaus überdenkenswerten - rationalen Sichtweisen von Erwachsenen an den Tag, die der kleine Prinz hinterfragt. Fast zwei Stunden vergingen auf diese Weise wie im Fluge. In der kleinen Reihe Figurentheater speziell für Erwachsene werden weitere Aufführungen folgen; im Zwei-Jahres-Rhythmus soll sie fester Bestandteil der alljährlichen Krefelder Puppentheatertage werden.

Das weitere Programm: 23.Oktober: Krise mit Luise (Kulturzentrum Fabrik Heeder), 31. Oktober: Die andere Seite der Nacht (TAM, Theater am Marienplatz, Fischeln), 13. November:. Orpheus in der Unterwelt (Kulturzentrum Fabrik Heeder).

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