Jeder Fünfte verzichtet in den nächsten 40 Tagen auf gewisse Dinge. Auf den Krefelder Straßen hört man unterschiedliche Meinungen dazu.

Jeder Fünfte verzichtet in den nächsten 40 Tagen auf gewisse Dinge. Auf den Krefelder Straßen hört man unterschiedliche Meinungen dazu.
Viele Menschen verzichten in der Fastenzeit auf Süßigkeiten.

Viele Menschen verzichten in der Fastenzeit auf Süßigkeiten.

Viele Menschen verzichten in der Fastenzeit auf Süßigkeiten.

Krefeld. Die Karnevalstage sind für viele ein willkommener Anlass, noch einmal so richtig über die Stränge zu schlagen. Ein Krapfen hier, eine Bratwurst da, viele alkoholische Getränke und gegen den Kater hilft meist auch nur Fettiges. Da ist die bevorstehende Fastenzeit allein aus pragmatischen Gründen eine gute Entscheidung. Oder sind es doch religiöse Gründe, die zum Verzicht auf die eine oder andere Leckerei für die nächsten 40 Tage bewegen?

Die WZ hat sich an der Ostwall-Haltestelle umgehört und sehr unterschiedliche Antworten erhalten.

„Meiner Frau ist es sehr wichtig, dass wir in der Fastenzeit etwas mehr auf unsere Ernährung achten. Mit Eigenmotivation hat das nicht viel zu tun, ich schließe mich da an“, sagt Rolf-Bernd Hechler. Das Ehepaar verzichtet vornehmlich auf Fleisch und Süßwaren. Für sinnvoll hält er die Fastenzeit dennoch.

Für Einige hat das Fasten etwas mit Zufriedenheit zu tun

Heinz-Peter Beumers winkt sofort ab. „Wer viel Sport macht, der braucht doch keine Fastenzeit“, findet der passionierte Tischtennisspieler. „Allerdings finde ich schon, dass diese Zeit für viele unsportlichere Menschen ein guter Anlass ist, einmal mehr auf die Gesundheit zu achten.“

Christopher Kaschuba fastet ebenfalls nicht, das hat er auch bewusst noch nie getan. Denn: „Ich ernähre mich auch sonst sehr gesund. Ich trinke wenig Alkohol und rauche nicht. Da bleibt kaum etwas, worauf ich verzichten könnte“, sagt der junge Mann mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Ganz offensichtlich ist er sehr zufrieden mit seiner Lebensweise.

Der Aschermittwoch ist der erste Tag der 40-tägigen Fastenzeit. 40 Tage deshalb, weil in der Bibel steht, dass Jesus so lange in der Wüste gefastet hat. In der Aschermittwochsmesse bekommen katholische Gläubige ein Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet, das an die Vergänglichkeit des Lebens erinnern soll. Nach dem sündigen Karneval sollen sich die Menschen bewusstmachen, dass sie im Prinzip jederzeit sterben können und sich dann vor Gott verantworten müssen.

Laut einer repräsentativen Umfrage der „Apotheken Umschau“ übt sich in Deutschland jeder fünfte Deutsche vor Ostern im Verzicht. 27,6 Prozent der Männer und 15,3 der Männer verzichten demnach vor allem auf Fleisch, Süßigkeiten und Alkohol. Auf das Smartphone möchten bei den Jüngeren die wenigsten verzichten: Nur zwölf Prozent der Befragten 18 bis 29-Jährigen kann sich vorstellen, auf das Handy zu verzichten. Das will dafür jeder Vierte zwischen 45 und 59 Jahren.

Hat der Entschluss zum Fasten tatsächlich etwas mit Zufriedenheit oder Unzufriedenheit zu tun? Für Bettina Wilms in gewisser Weise schon. „Ich möchte ja schon, dass die Frühjahrsmode besser passt“, sagt sie lachend. Deshalb verzichtet sie bis Ostern vor allem auf Süßigkeiten, Alkohol trinkt sie eh kaum. „Außerdem geben einem die vielen Krankheitsfälle im Freundeskreis schon zu denken. Da ist die Fastenzeit ein guter Anlass, einiges zu überdenken.“

Für Heidi Esser hat die Zeit vor Ostern eine religiöse Bedeutung. Sie ist evangelischen Glaubens und der Überzeugung, dass es in der Passionszeit andere Möglichkeiten zur Vorbereitung auf Ostern gebe. „Essensverzicht ist für mich nicht wichtig, ich kann aber gut verstehen, dass viele Dinge einfach einen Anlass brauchen. Deshalb kommt die Fastenzeit vielen sicher einfach gelegen.“

Das sieht das Ehepaar Hans und Margret Quindeau ganz anders: „Wir sind über 80“, sagt Hans Quindeau. „In den Paar Tagen, die wir noch zu leben haben, werden wir uns jetzt nichts mehr verbieten.“ Das sieht seine Frau ganz genauso: „Wir nehmen jetzt alles mit, was geht.“

Erika Waltersdorf hat noch einen guten Tipp für alle, die in der Fastenzeit wie sie auf Fleisch verzichten möchten: „Die Hausmannskost hält ja auch viel Herzhaftes ohne Fleisch bereit, wie etwa Bratkartoffeln oder Reibekuchen. Damit behelfe ich mir über die Fastenzeit.“

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