Der Hülser Christoph Müller betreut das deutsche Rollstuhl-Tennis-Team. Seine Spieler kennen die großen Schauplätze dieser Welt.

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Christoph Müller (links) mit Sabine Ellerbrock sowie deren Trainingspartner Petr Zamencnik bei den US Open. Repro: Andreas Bischof

Christoph Müller (links) mit Sabine Ellerbrock sowie deren Trainingspartner Petr Zamencnik bei den US Open. Repro: Andreas Bischof

Bischof, Andreas (abi)

Christoph Müller (links) mit Sabine Ellerbrock sowie deren Trainingspartner Petr Zamencnik bei den US Open. Repro: Andreas Bischof

Krefeld. Für Christoph Müller, den Krefelder Bundestrainer für Rollstuhltennis, sind die Leistungen der Sportler mit Handicap einfach nur bewundernswert, geradezu sensationell. „Es ist Faszination pur, was sie schaffen – in allen möglichen Lebenslagen.“ Während den Fußgängern die Schläger-Ball-Koordination gelingen muss, haben die Behinderten mit dem Rollstuhl ein drittes Sportgerät zu kontrollieren.

Auf jeden Sportler mit Handicap muss sich der 42-jährige Hülser neu einstellen, denn jede Erkrankung ist anders. Einige Spieler haben Unfälle gehabt, andere Amputationen oder wieder andere sind querschnittsgelähmt. „Es ist alles, nur kein Schablonen-Tennis. Jede Stunde ist neu.“ Oft würden Stimmungsschwankungen hinzukommen, auf die der Trainer eingehen müsse.

 

„Es ist alles, nur kein Schablonen-Tennis. Jede Stunde ist neu.“

Christoph Müller, Trainer

Christoph Müller ist vor knapp zehn Jahren eher zufällig als Co-Trainer beim Rollstuhl-Tennis im DTB eingesprungen. Einige Zeit später hat er den Posten ganz übernommen. „Ich war von der ersten Minute an fasziniert.“ Er betreut die Damen-, Herren- und Jugend-Nationalmannschaft und die Quad-Klasse. Im zuletzt genannten Team starten Spieler, die in mindestens drei Extremitäten Bewegungseinschränkungen haben. „Manche werfen den Ball mit den Füßen hoch, um ihn zu schlagen“, erklärt Müller.

Christoph Müller ist nicht nur als Bundestrainer tätig, er richtet mit Kooperations-Vereinen auch barrierefreie Standorte für das Behinderten-Tennis in NRW ein. Ziel des Verbandes und dessen Funktionäre ist es, Rollstuhl-Tennis vollständig in die hiesige Tennislandschaft einzugliedern, unter dem Motto: Rollstuhl-Tennis ist Tennis. Und Rollstuhl-Tennis ist Faszination. Neben einem Standort beim HSV Hüls sind weitere in Dortmund und Köln geplant.

Christoph Müller hat als Spieler lange Jahre beim HTC Blau-Weiß die zweite Bundesliga der Herren, AK 30, verstärkt.

„Ich war in diesem Jahr an fünf Wochenenden zu Hause“, berichtet er auf der Terrasse seines Heimatvereins, dem HTC Blau-Weiß im Stadtwald. „Wir sind bei allen Turnieren dabei. Dazu gehörten die Paralympics in London, die Grand-Slam-Turniere von Melbourne bis zu den US Open und viele andere.“ Gerade hat er mit einigen Spielern vor dem Davis-Cup in Neu-Ulm das Rollstuhl-Tennis vorgestellt.

Rafael Nadal interessiert sich für Behinderten-Tennis

Dabei kommen die Rolli-Sportler auch mit den ganz Großen des weißen Sports ins Gespräch. „In Paris, bei den French Open, haben wir Rafael Nadal auf dem Trainingsplatz abgelöst“, erzählt der Bundestrainer. „Er hat sich mit uns unterhalten und interessiert nach unserer Sportart gefragt. Es gibt keinen netteren Spieler als den US-Open-Sieger. Einen ähnlich guten Kontakt haben wir zu Barbara Rittner, der Teamchefin der deutschen Fed-Cup-Mannschaft und dem ehemaligen Weltklassespieler Mats Wilander. Er kommt oft dazu, wenn wir trainieren.“

Müller hat tolle Spieler in seinem Kader. So kommt mit Sabine Ellerbrock die Weltranglisten-Erste aus Bielefeld. „Sie hat die French Open gewonnen und musste sich bei den US Open im Tiebreak des dritten Satzes geschlagen geben. Müller erklärt nicht ohne Stolz: „Die 37-Jährige sorgte in Paris für eine Sensation und feierte ihren bisher größten Erfolg. In New York fehlte ihr sowohl im Einzel- als auch im Doppel-Finale ein wenig Glück.“

Statt Beinarbeit müssen die Spieler mit Handicap Fahrtraining absolvieren. „Auch sie müssen richtig zum Ball stehen. Hierfür gilt es, die richtigen Muskelpartien zu trainieren. Es ist aufregend, wenn es klappt. Für die Rollstuhl-Tennisspieler gelten die gleichen Regeln wie für die Fußgänger. Nur darf der Ball bei ihnen zweimal auftippen.“

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