In der Fabrik Heeder zeigte der schottische Choreograph Mark Sieczkarek sein neues Stück „Eu estvie aqui“.

TANZTHEATER
Auch die Kostüme hat Choreograf Mark Sieczkarek entworfen.

Auch die Kostüme hat Choreograf Mark Sieczkarek entworfen.

privat

Auch die Kostüme hat Choreograf Mark Sieczkarek entworfen.

Krefeld. Der schottische Choreograph Mark Sieczkarek gastierte früher oft in der Fabrik Heeder, nun präsentierte er hier seit längerem wieder einmal eine Arbeit. Sein Stück „Eu estvie aqui“ („Ich war hier“) ist eine Koproduktion mit der brasilianischen Porto Alegre Cia De Dança. Die brasilianische Färbung ist der poetischen Tanzsprache Sieczkareks gut bekommen, auf jeden Fall überstrahlte eine Lebensfreude, die wohl jeden Zuschauer berührt hat, die Melancholie des Schotten.

Das Phänomen Zeit wird durch Wiederholungen visualisiert

Das Programmheft zum Stück ist wenig hilfreich. Vom „ewigen und unerreichbaren Versuch, die Zeit zu fesseln“, ist da die Rede, von der „Vergänglichkeit des Tanzes“ und von der „Ewigkeit, die jedem noch so kurzen Moment innewohnt“.

Das Phänomen Zeit visualisiert Sieczkarek in der Tat, zum Beispiel, indem er mit einem Solo den Tanz seines außer ihm neunköpfigen Ensembles (sechs Tänzerinnen, drei Tänzer) gewissermaßen anstößt, dann mit einer Wiederholung seines Solos eine Reprise auslöst, in der die wichtigen Bestandteile der Ensembleszenen wieder auftauchen. In der so akzentuierten Wiederholung tritt die Zeit gewissermaßen künstlich auf der Stelle.

Sieczkarek hat auch Bühne und Kostüme entworfen. Ein weißer Aushang, bemalt mit schwarzen Blatt- und Blütenmotiven umfängt die Bühne auf drei Seiten. Das Ensemble trägt weiße Kostüme, auf denen schwarz die Symbole des Aushangs wiederkehren. Die Frauen tragen Kleider, die Männer lange Röcke. Sieczkarek selbst trägt zwar auch einen Rock, darüber eine Anzugjacke, aber er hebt sich ab, indem er Schwarz trägt.

Der „Meister“ beginnt also das Stück. Ruhig steht er in der Mitte und lässt seine Arme und Hände „reden“. Diese gestische Zeichensprache kennt man von Mark Sieczkarek.

Teile dieser Sprache tauchen auch in den Ensembleszenen wieder auf. Fließende Bewegungen hat Sieczkarek zu kunstvollen Sequenzen verflochten, in denen er das Ensemble nach Belieben in verschieden starke Teilformationen aufspaltet, deren parallele Aktionen sich perfekt ergänzen.

Die Musik ist brasilianisch, klingt manchmal ein wenig traurig, ist aber rhythmisch meist sehr vital. Dazu passende tänzerische Elemente durchbrechen Sieczkareks Gestenvokabular.

Sehr bestimmend für die Wirkung des Ganzen ist vor allem aber, dass alle Akteure unentwegt Richtung Publikum strahlen und lächeln. Es wird einem ganz sanft ums Herz. Diese Charmeoffensive täuscht darüber hinweg, dass eigentlich nicht viel erzählt wird? Ein wenig ist das so.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer