SWH, Seidenweberhaus, Geschäftsführer Paul Keusch;
Zeigt eine deutliche Haltung: Paul Keusch, Geschäftsführer der Seidenweber GmbH, ist Österreicher.

Zeigt eine deutliche Haltung: Paul Keusch, Geschäftsführer der Seidenweber GmbH, ist Österreicher.

Bischof, Andreas (abi)

Zeigt eine deutliche Haltung: Paul Keusch, Geschäftsführer der Seidenweber GmbH, ist Österreicher.

Krefeld. Es war kein guter Montagmorgen für Paul Keusch. Nicht nur, weil er ein Haus einrichten möchte und es unentwegt nieselt. Sondern, weil ihn die Sorge um die Heimat umtreibt. Stündlich rechnet der Österreicher mit dem Tiefschlag. Rechtspopulist Norbert Hofer als Bundespräsident? „Das darf auf keinen Fall passieren“, sagt Keusch. Der Wahl-Krefelder hat sein Kreuzchen gemacht. Wie alle in der Familie Keusch, beim Kandidaten der österreichischen Grünen Alexander Van der Bellen. Als am Nachmittag endlich die Nachricht kommt, dass die FPÖ die Stichwahl verliert, atmet Keusch tief durch. Trotzdem, findet er, ist einiges faul im Staate Österreich. Wann genau sein Volk nach rechts gerückt ist, könne niemand so genau sagen.

„Aus meiner Sicht begann diese Entwicklung 1986, als Jörg Haider auf den Plan trat. Aber so pauschal ist das sowieso falsch. Wir Österreicher sind ja kein Volk der Rechten. Eher eines der Frustrierten“, analysiert Paul Keusch. Der 52-Jährige wirkt und lebt seit zehn Jahren in Krefeld, hat die Politik in Österreich aber als ausgebildeter Politikwissenschaftler immer aufmerksam verfolgt. „Und die in Deutschland natürlich auch.“ Er macht Unterschiede zwischen dem österreichischen und dem deutschen Rechtspopulismus aus. „Im Gegensatz zu Berlin ist die große schwarz-rote Koalition eine über 40-jährige Dauereinrichtung. Eine, die den Stillstand in der Entwicklung unseres Landes zu verantworten hat, und das macht es den Rechtspopulisten leichter. Die Leute sind es satt, mit Polit-Kauderwelsch abgespeist zu werden und bekommen zudem den Reformstau täglich vor Augen geführt.“

FPÖ und AfD hält er für nicht vergleichbar

Noch vor zehn Jahren habe man Österreich das „bessere Deutschland“ genannt. „Österreich 2016 steht für eine hohe Arbeitslosigkeit, ist wirtschaftlich abgehängt worden.“ Darin vermutet Keusch den Erfolg der FPÖ. Er glaubt, dass es sehr viele Protest-Wähler gibt, die gar nicht rechts denken, aber ein Zeichen setzen wollen. „Hinzu kommt der unwürdige Wackelkurs in der Flüchtlingsfrage, bei der es den Verantwortlichen an jeglicher Haltung gemangelt hat.“ Darum seien FPÖ und AfD auch nicht vergleichbar aus seiner Sicht. In Deutschland brumme die Wirtschaft, mit der Entwicklung insgesamt müsse man als Deutscher zufrieden sein, „die Arbeitslosenzahl ist gering und es gibt mit Merkels Flüchtlingspolitik einen klaren Kurs“.

Natürlich seien davon auch viele Deutsche frustriert. „Wir müssen hierzulande ganz genau beobachten, wie sich das entwickelt und aufpassen, dass da keine braune Suppe entsteht, die dann wirklich gefährlich wird.“ Aber: Im Gegensatz zu seiner Heimat „wurde hier in Deutschland die nationalsozialistische Vergangenheit intensiver und besser aufgearbeitet. Eine politische Sprachkultur geschaffen, die ich in Österreich vermisse.“

Es gebe ein „großes Potenzial für eine klare Haltung gegen Rechts, die jeder zeigen sollte und die eben auch viele zeigen. Ich bin froh und stolz, in solch einem Land leben zu dürfen!“ Als aufrichtiger Demokrat habe Paul Keusch per Brief Van der Bellen gewählt: „Er muss dieses gespaltene Land wieder zusammenführen“, fordert der 52-Jährige.

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