„Sonne, Mond und Sterne“ verschaffte einem Rollstuhlfahrer den Besuch des EM-Qualifikationsspiels der Fußball-Damen gegen Wales.

Wolfgang Scherder freut sich auf das EM-Qualifikationsspiel der deutschen Fußball-Damen.
Wolfgang Scherder freut sich auf das EM-Qualifikationsspiel der deutschen Fußball-Damen.

Wolfgang Scherder freut sich auf das EM-Qualifikationsspiel der deutschen Fußball-Damen.

Jochmann

Wolfgang Scherder freut sich auf das EM-Qualifikationsspiel der deutschen Fußball-Damen.

Krefeld. Fußball - das war für Wolfgang Scherder (heute 52 Jahre alt) immer mehr als nur die schönste Nebensache der Welt - bis zu dem schweren Schlaganfall vor knapp fünf Jahren, der ihn an den Rollstuhl fesselte.

In seiner Kindheit spielte er in Jugendmannschaften der Borussia aus Mönchengladbach, lernte die fast zehn Jahre älteren späteren Nationalspieler Günter Netzer und Berti Vogts "hautnah" kennen, und seit immerhin 34 Jahren ist er Mitglied des BV Union Krefeld. Dort spielte Scherder in der Altherrenmannschaft. Von 2000 an trainierte der frühere Fernfahrer mit dem Spitznamen "Möps" (abgeleitet aus dem Skatjargon für das Verlierer-Blatt "Rollmops") nebenher Jugendmannschaften des FC Rumeln-Kaldenhausen, dessen Damenabteilung 2001 zum FCR Duisburg wurde und in der Frauen-Bundesliga spielt.

Am 26. August 2002 war alles vorbei: Wolfgang Scherder, der drei Jahre zuvor geheiratet hatte und Vater einer Tochter geworden war) erlitt einen Schlaganfall. Der 48-Jährige wohnte damals in Wuppertal, kam in ein Pflegeheim und wurde zwei Jahre später ins Dreikönigenhaus in Krefeld verlegt. Denn in Krefeld leben die Geschwister, die Freunde vom Fußball, während die Ehefrau mit der heute neunjährigen Tochter Alicia in Bochum geblieben ist.

Immer wieder erzählte Scherder dem Heim-Mitarbeiter Mike Kakoschky von der Gerontopsychiatrischen Gruppe seine Fußball-Erlebnisse. Dass er die WM-Heldinnen Birgit Prinz und Torhüterin Silke Rottenberg bei Bundesliga-Spielen in Duisburg-Rumeln persönlich kennengelernt habe und noch einmal "live" auf dem Rasen erleben möchte. Am 29. Mai ist es soweit - beim EM-Qualifikationsspiel der Fußball-Frauen in Kassel gegen die Auswahl aus Wales.

Mit leuchtenden Augen nahm Wolfgang Scherder jetzt ein ganzes "Fußball-Paket" von Meta Metz, der Vorsitzenden des Uerdinger Vereins "Sonne, Mond und Sterne", entgegen. Drei Vip-Karten für das Spiel in Kassel (Mike Kakoschky wird ihn begleiten), die Garantie eines Transportes mit Rollstuhl im Sibu-Mobil, Mütze, Schal und Schlüsselanhänger aus dem offiziellen DFB-Katalog. Und einen Jens Lehmann in Mini-Ausgabe. "Dä Blinde", entfuhr es dem Patienten bei der Übergabe. Und auch ein Netzer-T-Shirt war dabei, auf dem der heutige TV-Co-Kommentor allerdings ausschaut wie Che Guevara.

"Sonne, Mond und Sterne hat es sich zur Aufgabe gemacht, Schwerkranken, alten Menschen und auch Kindern Wünsche erfüllbar zu machen. Meta Metz: "Als ich die Geschichte von Wolfgang Scherder hörte, wusste ich sofort: das ist ein Fall für uns."

Wünsche nach einem Vip-Platz in Fußballstadien hat sie schon zweimal zuvor erfüllt: Einen Schwerkranken begleitete sie ins Dortmunder Stadion, einem weiteren ermöglichte sie den Besuch des Auswärtsspiels des MSV Duisburg beim HSV. Und auch mit Bayern München hat sie ihre Erfahrungen gesammelt: "Da bin ich mit meinem Wunsch eiskalt abgeblitzt." Dabei will sie weder Tickets noch Fanartikel geschenkt haben: "Das zahlen wir aus der Vereinskasse."

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