Eckart von Hirschhausen gastiert mit „Wunderheiler“ in Krefeld. Wir sprachen mit ihm über Placebos, Zauberei und zu viel Arbeit.

Krefeld. Er ist überall präsent, moderiert Fernsehsendungen, schreibt Bücher, steht auf der Bühne: Doktor Eckart von Hirschhausen. Vor seinem Auftritt im König-Palast sprachen wir mit ihm über Magie und Medizin.

Bei allem Respekt für Ihre medizinische und humoristische Kunst, klingt „Wunderheiler“ nicht nach Selbstüberschätzung?

Eckart von Hirschhausen: „Wunderheiler“ ist der Titel meiner Show, keine Eigenschaft von mir. Was ich kann: über ein emotional aufgeladenes Thema wie den idiotischen Streit zwischen Schul- und Alternativmedizin einen höchst unterhaltsamen Abend gestalten. Und wenn die Menschen nach zwei Stunden glücklicher, gesünder und aufrechter gehen, als sie gekommen sind – ist das nicht auch schon ein kleines Wunder?

Vor Ihrer kabarettistischen Karriere standen Sie als Zauberer auf der Bühne. Sind Sie schon mal mit einem Trick aufgeflogen?

Hirschhausen: Bei meinem Auftritt in Krefeld werde ich gezielt ein paar Zaubertricks erklären, denn daran versteht man so genial, wie unser Verstand sich täuschen lässt. Gleichzeitig zeige ich vieles, was die Zuschauer hoffentlich wirklich verblüfft: Mein Pianist fängt an zu schweben, ich sage einer wildfremden Frau, an welchem Tag sie geboren ist und ein Zuschauer wird auf offener Bühne am Blinddarm operiert.

Welche Gemeinsamkeiten haben Zauberer und Ärzte, Magie und Medizin?

Hirschhausen: Medizin und Magie sind keine Gegensätze, sondern gehören zusammen – und zwar schon immer! In allen Kulturen gab es die „Medizinmänner“ und Frauen, die etwas von Kräutern, aber auch viel von Ritualen, Zauber und Gruppenprozessen verstanden.

Haben Sie schon mal ein Wunder erlebt?

Hirschhausen: Jeder Mensch ist ein Wunder. Wir haben unglaubliche Selbstheilungskräfte. Machen Sie doch mal einen kleinen Kratzer in ihre Haut – drei Tage später ist der verschwunden, und wir müssen nichts dazu tun. Machen sie genauso einen Kratzer mal in Ihr Auto – da können Sie lange warten, der bleibt. Wir bewundern, dass Jesus Wasser zu Wein gemacht hat. Aber ist es nicht ebenso erstaunlich, dass unser Körper in der Lage ist, über Nacht aus dem ganzen Wein wieder Wasser zu machen?

In dem neuen Programm scherzen Sie über homöopathische Kügelchen, Astrologie und Placebos. Woran glauben Sie?

Hirschhausen: Was jeder Arzt von den Homöopathen lernen kann: Zeit nehmen, zuhören, Fragen stellen, Rituale verordnen und abwarten. Und dem Patienten mit etwas Unschädlichem die Zeit vertreiben, die der Körper braucht, um sich selbst zu helfen. Es ist noch nie jemand an einer Überdosis Arnika C 30 gestorben.

Was lernen wir in Ihrer Show?

Hirschhausen: Viel Spaß zu haben! In erster Linie ist es ja ein Unterhaltungsprogramm, die Zuschauer im Live-Programm erleben mich ganz anders als im Fernsehen. Tatsächlich vermittelt sich zwischen den Gags und zwischen den Zeilen eine Menge zum großen Thema, was macht uns krank, was gesund, sind Schul- und Alternativmedizin tatsächlich unversöhnlich, oder gilt nicht viel mehr: Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte?

Sie schreiben Bücher, touren mit Ihren Programmen, moderieren diverse TV-Shows. Verzetteln Sie sich nicht?

Hirschhausen: Doch. Und zwischendrin gebe ich noch Interviews und kümmere mich um heilsame Stimmung im Krankenhaus mit meiner Stiftung „Humor hilft heilen“.

Bleibt da noch Zeit für Privatleben?

Hirschhausen: Durchaus. Und jede Krankenschwester oder Hebamme arbeitet mehr als ich. Aber weil meine Tätigkeit in der Öffentlichkeit stattfindet, entsteht schnell der Eindruck, ich wäre Tag und Nacht aktiv. Bin ich aber nicht.

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