Auf Tour mit dem PariMobil. Bis zu 18 Patienten betreut eine Fachkraft in der Spätschicht. Die Uhr sitzt ihr im Nacken.

Ambulanter Dienst
Anika Heinrichs (r.) ist Pflegefachkraft bei PariMobil, dem ambulanten Pflegedienst des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Auf ihrer Spätdiensttour besucht sie bis zu 18 Patienten, die unterschiedlich von ihr versorgt werden. Dieser 72-jährige Patient erhält von ihr seine notwendigen Medikamente.

Anika Heinrichs (r.) ist Pflegefachkraft bei PariMobil, dem ambulanten Pflegedienst des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Auf ihrer Spätdiensttour besucht sie bis zu 18 Patienten, die unterschiedlich von ihr versorgt werden. Dieser 72-jährige Patient erhält von ihr seine notwendigen Medikamente.

Dirk Jochmann

Anika Heinrichs (r.) ist Pflegefachkraft bei PariMobil, dem ambulanten Pflegedienst des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Auf ihrer Spätdiensttour besucht sie bis zu 18 Patienten, die unterschiedlich von ihr versorgt werden. Dieser 72-jährige Patient erhält von ihr seine notwendigen Medikamente.

Krefeld. Anika Heinrichs schellt kurz, dreht den Schlüssel im Schloss rum, steht eine Sekunde später schon im Flur des kleinen Häuschen in Fischeln und ruft: „Hallo Frau Müller, PariMobil Anika.“ (Namen der Patienten geändert). Sie besucht die 72-Jährige heute schon zum zweiten, aber nicht zum letzten Mal. Dreimal täglich versorgt sie die alte, inzwischen dement werdende Dame, die seit vielen Jahren schon Kundin des Ambulanten Pflegedienstes des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes ist. Die WZ begleitete die Pflegefachkraft auf ihrer Spätdiensttour.

16 Minuten für Hygiene, Pflege, Essen und Medikamentengabe

Die bettlägrige Patientin hat schon auf sie gewartet. Dennoch kommt: „Du bist zu früh.“ Anika sagt mit heiterer Stimme die Uhrzeit. Auf eine Diskussion lässt sie sich nicht ein: Ihre Zeit ist knapp, die Tour zeitlich genau getaktet, sie ist nicht früher als sonst. Es ist 16.01 Uhr. Während die 34-Jährige ins Bad entschwindet und eine Schüssel mit warmen Wasser und Waschlappen holt, redet sie laut mit Frau Müller weiter. Die lässt die fremde Begleitung zunächst nicht aus den Augen, doch beunruhigt ist sie wegen ihr nicht.

Genau 16 Minuten braucht die Pflegerin, um ihre Patientin teils auszuziehen, Inkontinenzeinlagen zu wechseln, sie zu waschen, einzucremen, wieder anzuziehen, sie erneut richtig zu betten, das Bettzeug aufzuschütteln, ihr – wie gewünscht – zwei Leberwurstbrote zu streichen, Trinken und einen Obstsalat anzureichen, schnell noch das dreckige Geschirr von mittags wegzuspülen und ihr die zwei notwendigen Tabletten zu geben. „Ich komme gegen 19.30 Uhr wieder, dann ziehe ich Ihnen das Nachthemd an“, sagt Anika, während sie im Nebenraum die notwendigen Eintragungen in der Pflegedokumentation vornimmt. Dann heißt es „Auf Wiedersehen“. Es ist 16.17 Uhr.

Die Parkplatzsuche wird an manchen Tagen zum großen Problem

Mit dem Auto geht es zurück in die Innenstadt. Frau Müller war heute Nachmittag schon die dritte Pflegestelle, weitere 14 hat sie bis zum Dienstende gegen 21.15 Uhr noch vor sich. „Hoffentlich finden wir jetzt direkt einen Parkplatz“, sagt Anika.

Vor der Tür von Frau Svetlana ist ein Parkplatz frei. Es ist 16.30 Uhr. Eine Minute später steht Anika in ihrer Wohnung. Die 66-Jährige ist Diabetikerin und fast blind. Morgens und abends schaut die Pflegerin bei ihr vorbei, misst den Blutzucker, spritzt ihr Insulin und verabreicht ihr Medikamente. „Das ist eine reine Behandlungspflege“, erklärt Anika ihrer Begleitung. 9,12 Euro zahlt die Krankenkasse dafür, inklusive Anfahrt und Dokumentation. Wieder im Auto zeigt die Uhr 16.35 – und weiter geht’s Richtung Westen.

Berührungsängste sind in diesem Beruf fehl am Platz

Das 13-köpfige Team teilt sich 8,5 Stellen und versorgt rund 70 Patienten – an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr.

Die Behandlungspflege beinhaltet ärztlich verordnete Leistungen, die die Krankenkasse übernimmt. Die Grundpflege ist bei Pflegebedürftigkeit durch die Pflegeversicherung gedeckt.

Auch bei den beiden nächsten alleinlebenden männlichen Patienten geht es schnell. Sie wohnen nur einen halben Kilometer voneinander entfernt. Heute hat Anika Glück, bei jedem Patienten findet sie auch rasch einen Parkplatz. Das ist beim verkaufsoffenen Sonntag, der Fashionworld und dem Weihnachtsmarkt nicht der Fall. „Dann bin ich schneller zu Fuß“, erzählt sie.

Während sie bei den Männern nur Medikamente angibt bzw. Blutzucker misst und Insulin spritzt, ist bei Herrn Otto mehr zu tun. Es ist 17.10 Uhr. Der 72-Jährige hat durch einen älteren Schlaganfall Sprach- und Schluckstörungen, ist inkontinent und körperlich sehr eingeschränkt. Seine wachen Augen zeigen ihr jedoch, wie dankbar er für ihre Hilfe ist. Sie hilft ihm beim Ausziehen, geht mit ihm ins Bad, wo sie ihn komplett wäscht. „Erst oben herum, dann unten.“ Sie legt eine neue Windel an, zieht ihm frische Wäsche an. Während er langsam zurück an den Tisch schlurft, bereitet sie in der Küche schon sein Abendbrot vor. Kurz vor dem Ende ihrer Tour wird sie noch einmal bei ihm reinschauen. Doch jetzt muss sie weiter. Es ist 17.35 Uhr.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer