An den Adventsamstagen blickt die WZ hinter sonst verschlossene Türen. Den Anfang macht das Gewölbe der Radstation.

Krefeld. Die Radstation ist die erste Adresse für alle Radler, die ihren Drahtesel in der Stadt sicher unterbringen möchten. Das liegt nicht nur an der Tatsache, dass ihre Anschrift "Am Hauptbahnhof 1" lautet, sondern auch, weil die rund 20 Mitarbeiter dort mehr sind als nur gute Rad-Hüter. Oft genug leisten sie Erste Hilfe bei allen möglichen Pleiten, Pech und Pannen.

Ein Blick hinter verschlossene Türen

Erstklassig ist die Unterbringung der Räder in einem über hundert Jahre alten Gewölbe direkt unter den Gleisen sowieso. Da kommt nicht jeder ’rein. Die WZ dufte einen Blick riskieren. An den Adventwochenenden öffnet die Westdeutsche Zeitung für ihre Leser sonst verschlossene Türen.

"Das breite Gewölbe führt durch den ganzen Bahnhof", erklärt Manuel Wahl von der Radstation und zeigt auf die weiß gestrichenen Klinker an der Decke, die den behauenen Naturstein an den Seiten ablösen. Während des Gesprächs rauschen Züge ein Stockwerk höher gut hörbar über den Köpfen der Besucher hinweg. Zur Beruhigung: Das Gewölbe hat zwei Weltkriege überstanden und diente einst der Gepäckaufbewahrung.

Wahl: "Jetzt stehen hier rund dreihundert Fahrräder. Gespendete Kinderräder, die instand gesetzt und verkauft werden, Reparaturräder, Leihräder und solche, die tagtäglich ihren Platz im Gewölbe haben. "Nur einige gut ausgewählte Stammkunden kommen herein", sagt Winfried Kowatzki, der für die Verwaltung der Radstation zuständig ist.

Es gibt auch andere. "Manchmal müssen wir abends Raufbolde aus der Station hinausbefördern oder Streitschlichter spielen", weiß der 58-Jährige, der dort seit fünf Jahren tätig ist. Die meisten Kunden kommen aber morgens angerauscht, meist fast gleichzeitig mit der Einfahrt ihrer Züge. "Das nennt man wohl sehr kleines Zeitfenster", sagt Kowatzki schmunzelnd. Lächeln muss er auch, wenn Bürger nach dem richtigen Zug fragen, die Abfahrtzeit ihrer Bahn wissen wollen und sich beschweren, wenn die Waggons schmutzig sind. "Dafür sind wir nicht zuständig."

Selbst in Notfällen sind die Mitarbeiter der Station zur Stelle

Betreiber der Radstation ist die Diakonie in Krefeld. Leiterin ist Anita Bose-Wiedenfeld, Betriebswirtin für soziale Einrichtungen bei der Diakonie. Es werden dort auch einige Ein-Euro-Jobber dort beschäftigt.

Die Station am Hauptbahnhof ist in der ehemaligen Gepäckaufbewahrung untergebracht und ist montags bis freitags zwischen 5.30 und 22 Uhr geöffnet sowie samstags und sonntags zwischen 8 und 20 Uhr.

Die Mitarbeiter in der Station sind Einiges gewöhnt und nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen. "Es gibt Leute, die ihr Rad zum Reifenwechsel abgeben und dann beim Abholen ,plötzlich’ merken, dass das Licht nicht funktioniert", erzählt Werkstattleiter Matthias Kirchberg. "Wir beheben den Schaden dann auch; das ist Kulanz und oftmals eine Gratwanderung", ergänzt Kowatzki.

In Notfällen sind sie auch zur Stelle, ziehen Schrauben an umkippenden Rollatoren und klappernden Rollstühlen nach oder pumpen Luft in die Räder. "Es gab da einen jungen Mann, der nach einem Unfall sehr hilflos war. Apropos Unfall: Nach einem Crash auf der Straße haben die Mitarbeiter eine Frau herein geholt und versorgt, bis der Krankenwagen kam.

Hochzeitskuchen von den Stammgästen "Familie Rose"

Kinder mit aufgeschlagenen Knien bekommen stets ein Pflaster. Sie werden auch gehütet, wenn die Eltern schnell ’mal auf den Bahnsteig müssen. Alles kein Problem. "Wenn wir allerdings auf Hunde aufpassen sollen, habe ich immer die Befürchtung, dass die Halter vielleicht nicht zurück kommen."

Besonders schön findet Kowatzki die Geschichte eines Paares. "Er holte für sie immer das Rad ab. Da der Drahtesel stets eine Rose am Gepäckträger hatte, nannten wir sie ,Herr und Frau Rose’. Als sie heirateten brachten sie uns ein Stück Hochzeitskuchen vorbei und nun erhalten wir von ihnen immer eine Postkarte aus dem Urlaub, unterzeichnet mit ,Familie Rose’."

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