Die Autorin Susanne Kliem ist in Krefeld aufgewachsen, lebt aber schon lange in Berlin. Ihr aktueller Krimi spielt trotzdem am Niederrhein.

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Die Autorin Susanne Kliem hat den ersten deutschen Weihnachtsbaum-Krimi geschrieben.

Die Autorin Susanne Kliem hat den ersten deutschen Weihnachtsbaum-Krimi geschrieben.

Robert Bartholot

Die Autorin Susanne Kliem hat den ersten deutschen Weihnachtsbaum-Krimi geschrieben.

Krefeld. Langsam, aber sicher nimmt das Geschäft mit den Weihnachtsbäumen Fahrt auf. Besonders beliebt: die Nordmanntanne. Dass die allerdings eine ganze Menge kriminelles Potenzial birgt, hat die Autorin Susanne Kliem kürzlich entdeckt. "Ausgangspunkt war ein realer Fall in Issum", erzählt Kliem. "Dort wurden die Baumspitzen einer ganzen Kultur abgeschlagen." Bei weiteren Recherchen hatte sie die Idee zu ihrem aktuellen Roman, den sie kurzerhand im Weihnachtsbaum-Milieu angesiedelt hat. Das hört sich erst einmal komisch an, ist aber richtig spannend.

"Ich habe viel über das Geschäft mit dem Weihnachtsbaum erfahren."

Susanne Kliem, Autorin

Im fiktiven Dörfchen Herkenbroich schlagen Unbekannte, genau wie in Issum, die Spitzen tausender Tannen ab. "Die niederrheinischen Schauplätze der Handlung gibt es wirklich", erzählt Kliem. "Ich habe die Höfe aber bewusst verfremdet." Sie kennt sich gut in der Gegend aus, obwohl sie seit fast 20 Jahren in Berlin lebt. "Ich bin in Krefeld aufgewachsen", erzählt die 45-Jährige. Heute ist sie regelmäßig in der Stadt, um ihre Eltern zu besuchen - diese Zeit nutzt sie auch für ihre Recherchen. "Es war gar keine bewusste Entscheidung, die Krimis in meiner Heimat spielen zu lassen", sagt Kliem. "Aber heute bin ich sehr froh darüber, denn ich nehme die Dinge dadurch viel bewusster wahr."

Das merkt man ihrem Roman an. Die Handlung von "Die kalte Zeit" ist mit einer großen Beobachtungsgabe für Orte und Figuren gestrickt. Anscheinend mühelos ergeben die einzelnen Maschen schließlich ein Gesamtbild. Alles baut so stimmig aufeinander auf, dass man unbedingt weiterlesen will - und dabei wird man immer tiefer in die Handlung hineingezogen: Mit dem Anschlag auf seine Bäume steht Konrad Verhoeven vor dem finanziellen Ruin - wer will schon einen Weihnachtsbaum ohne Spitze? Nur wenige Wochen später stirbt er in den Flammen eines Brands, der auf seiner Plantage gelegt wurde. Das ruft die Kommissare Tom Zagrosek und Wiebke Blessing auf den Plan, die Kliem hier zum zweiten Mal ermitteln lässt.

Die beiden sehen sich schnell mit einer Menge Lügen, offener Fragen und schräger Charaktere konfrontiert. Die Figuren tragen Geheimnisse mit sich herum, sind in ihrer Persönlichkeit vielschichtig angelegt und haben mal mehr, mal weniger zu verbergen. Dabei besticht der Krimi durch seine unangestrengte Sprache, die zugleich niemals trivial ist.

Lehrreich ist der Roman obendrein. "Ich habe viel über das Geschäft mit dem Weihnachtsbaum erfahren", erzählt Kliem. Etwa, dass die Samen für die Nordmanntanne aus Georgien importiert werden. Das berge eine Menge Probleme: "Die Pflücker arbeiten unter menschenunwürdigen Bedingungen", sagt sie. Für einen Hungerlohn müssten sie ohne Sicherheitsausrüstung auf bis zu 40Meter hohe Bäume klettern, immer wieder komme es dabei auch zu Todesfällen. So reicht die Handlung des Krimis denn auch konsequenterweise bis Georgien, wo der Samenmarkt fast schon mafiöse Strukturen angenommen hat.

Für ausgiebige Besuche in Cafés fehlt Kliem in Berlin oft die Muße

Susanne Kliem wurde 1965 in Duisburg geboren und kam im Alter von zwei Jahren nach Krefeld. Heute lebt sie in Berlin. Kliem hat einen achtjährigen Sohn.

Der Kriminalroman "Die kalte Zeit" ist im Krefelder Leporello-Verlag in der Reihe "Tatort Niederrhein" erschienen. Er ist zum Preis von 9,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

Neben der "herkömmlichen" Version gibt es den Krimi auch als E-Book. Es kann im Internet heruntergeladen werden und kostet 7,99 Euro.

Besonders viel Freizeit gönnt Susanne Kliem sich nicht. Sie sitzt schon an ihrem nächsten Thriller. Wenn sie aber zu Besuch in Krefeld ist, genießt sie es, in Ruhe einkaufen zu gehen. "Es ist alles viel überschaubarer als in Berlin", sagt sie. "Ich liebe es, durch die Fußgängerzone zu gehen." Auch für ausgiebige Besuche in Cafés fehle ihr in der Hauptstadt oft die Muße. "In Krefeld habe ich für so etwas Zeit, das genieße ich dann sehr." Bezeichnenderweise gehört ausgerechnet das Café in der Tannenstraße zu ihren Lieblingsorten.

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