Die Vorbereitungen für ein großes Turnier in Krefeld laufen: Es soll der Beerpong-Meister ausgespielt werden.

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Während Florian (l.) und Benjamin Scheel die Biergläser ins Visier nehmen . . .

Während Florian (l.) und Benjamin Scheel die Biergläser ins Visier nehmen . . .

. . . probt Lisa Derendorf die richtige Wurfhaltung.

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Während Florian (l.) und Benjamin Scheel die Biergläser ins Visier nehmen . . .

Krefeld. Tischtennisbälle sind so leicht, dass sie sogar in Bier schwimmen. Eigentlich keine überraschende Erkenntnis, aber trotzdem interessant zu beobachten. Am besten bei einer gepflegten Partie Bierpong.

Der Grundgedanke dieses Spiels ist simpel: Landet der Ball im Becher, muss das Bier in den Bauch. Das Regelwerk ist etwas ausgefeilter: Zwei Kontrahenten treten gegeneinander an, entweder allein oder als Team mit jeweils zwei Personen. Zwischen den Gegnern steht ein Tisch, etwa zweieinhalb Meter lang. Auf diesem Tisch stehen Becher, jeder ist mit 0,1 Liter Bier gefüllt. Insgesamt sind es 20 Becher, vor jedem Team stehen zehn Stück. Außerdem ist jeder Spieler mit einem Tischtennisball bewaffnet.

Die werfen die Angreifer in Richtung der gegnerischen Becher. Jeder Becher in dem nach dem Angriff ein Ball schwimmt muss von den Verteidigern leergetrunken werden. Hat ein Team alle seine Becher geleert, hat es das Spiel verloren.

Am Wochenende zum „Vorglühen“ Bierpong zocken

Alexandra Uhl und Patrick Sauermann haben noch zehn gefüllte Becher vor sich stehen – das Spiel hat gerade erst begonnen. Am Zug sind ihre Gegner, Marius Garbowski und André Ista. Zielen, Werfen – Treffer. Einer der Bälle tanzt im Bierschaum auf und ab. Eigentlich müsste Uhl den Becher jetzt leeren. An diesem Tag stellt sie ihn jedoch nur vom Tisch: „Heute trinken wir nicht. Wir müssen noch fahren.“

Normalerweise ist das anders. Dann treffen sie sich am Wochenende, insgesamt fast 20 Personen, und zocken Bierpong zum „Vorglühen“, um dann eine Party zu entern. Aber an diesem Tag wird nur trainiert – es geht also weniger ums Trinken, als vielmehr ums Werfen.

Die Bierpong-Meisterschaft findet am Samstag, 5. Februar, um 17 Uhr statt.

Das Turnier wird im Haus 2 der Krefelder Rennbahn, An der Rennbahn 4, ausgetragen.

Für Zuschauer gilt ein ein Eintrittspreis von acht Euro, davon vier Euro Mindestverzehr.

Teilnehmer müssen eine Startgebühr von zehn Euro entrichten. Die Anmeldefrist endet heute.

Es gibt drei verschiedene Wurftechniken beim Bierpong: den Curveball, den Fastball und den Bouncer. Der Curveball kommt in hohem Bogen geflogen, der Weg des Fastballs gleicht eher einem Strich. Der Bouncer nutzt den Tisch als Bande – er hüpft also Richtung Becher. Das Besondere an diesem Wurf: Er darf von den Verteidigern gefangen oder weggeschlagen werden. Wenn er jedoch trifft, müssen sie gleich zwei Becher trinken.

Uhl mag den Bouncer nicht besonders: „Die meisten passen auf und schlagen ihn weg.“ Sie bevorzugt daher den Bogenwurf. Auch Ista, ihr Gegner, wirft am liebsten den Curveball. An diesem Tag jedoch lassen sie auch den Bouncer nicht aus, schließlich müssen sie alle Würfe trainieren. Es geht nämlich um viel: Sie bereiten sich auf eine Bierpong-Meisterschaft vor.

Organisator dieser Veranstaltung ist Matthias Prüßmann. Und dem ist es sehr ernst mit dem Turnier. Geradezu generalstabsmäßig hat er es durchgeplant. Er hat eine eigene Internetseite eingerichtet und Krefeld und Umgebung mit fast 500 Plakaten tapeziert. Außerdem hat er 700 Liter Bier, 2000 Trinkbecher und 280 Tischtennisbälle geordert.

„Bis jetzt haben sich 70 Teams angemeldet. Die kommen aus ganz Nordrhein-Westfalen“, verkündet er stolz. Und weitere Anmeldungen seien möglich: „Unser Limit liegt bei 120 Teams.“

Die kämpfen dann an 40 Tischen um den Titel: „Das wird ähnlich laufen wie bei der Fußball-WM. Es gibt eine Gruppenphase und eine K.o.-Phase.“ Zuschauer seien bei dem Turnier ausdrücklich erwünscht: „Bisher rechne ich mit mehr als 1000.“

Beim Turnier geht es um Sport, nicht um ein Trinkspiel

Damit keiner der Spieler die Regeln bricht oder nach dem Spiel Randale macht hat er auch Schiedsrichter und Security rekrutiert: „Ich will nicht, dass das Ganze in ein großes Besäufnis ausartet.“ Natürlich, räumt er ein, sei das Saufen ein wichtiger Aspekt beim Bierpong. Aber eben nicht der wichtigste: „Das ist nämlich kein Trinkspiel, sondern ein Trinksport.“

Daher auch das Training: Alexandra Uhl und Patrick Sauermann liegen bei ihrem Spiel mittlerweile zurück. Deshalb versuchen sie die Konzentration ihrer Gegner zu stören. Das ist erlaubt, solange man dabei nicht den Tisch, die Becher, die Bälle oder das gegnerische Team berührt.

Während Marius Garbowski die Becher anvisiert beginnt Uhl zu tanzen und aufreizend an ihrer Kleidung zu zupfen. Die Ablenkungsversuche von Sauermann sind etwas rustikaler: Er greift sich demonstrativ in den Schritt. Er erhofft sich davon eine größtmögliche Irritation: „Schließlich ist das genau auf Becherhöhe.“ Und tatsächlich, es funktioniert – der Ball von Garbowski verfehlt den Becher knapp.

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