Claus Hessler lebt und arbeitet im so genannten Mississippi-Dampfer am Bleichpfad. Und zwar mit Begeisterung.

Claus Hessler lebt und arbeitet im so genannten Mississippi-Dampfer am Bleichpfad. Und zwar mit Begeisterung.
Ulla Schreiber und Claus Hessler genießen die Aussicht über die Stadt von ihrem Balkon aus.

Ulla Schreiber und Claus Hessler genießen die Aussicht über die Stadt von ihrem Balkon aus.

Grafiker Claus Hessler in seinem Atelier: Vor ihm liegt ein kritisches Werk zu einer Atomexplosion, im Hintergrund sind seine Verfremdungen der Kutte Assisis sowie der Porträts von Darwin, Nietzsche und Marx zu sehen.

Dirk Jochmann, Bild 1 von 2

Ulla Schreiber und Claus Hessler genießen die Aussicht über die Stadt von ihrem Balkon aus.

Krefeld. Er hat das am höchsten gelegene Atelier der Stadt und die Stadt immer im Blick: Claus Hessler wohnt und arbeitet im 20. Stock des Bleichpfad-Hochhauses. Auf 60 Metern Höhe hat der Grafikdesigner und Illustrator zwei identische Maisonettewohnungen nebeneinander: eine zum Wohnen, die andere zum Arbeiten.

„Das Haus hat zwar einen schrecklichen Ruf, aber schauen Sie sich hier doch einmal um“, sagt Hessler strahlend. Tatsächlich: Die 92 Quadratmeter große Wohnung ist sehr schick geschnitten. Und natürlich auch sehr stilvoll eingerichtet. Claus Hessler lebt hier seit 2010 mit seiner Frau Ulla Schreiber, einer Architektin, Stadtplanerin und ebenfalls Künstlerin. Die beiden haben natürlich ein Auge für das Ästhetische.

Ihre Aussicht: phänomenal. Sowohl nach Westen haben sie vom Balkon und von der Küche aus eine beeindruckende Sicht auf die Stadt als auch nach Osten, von ihrem Wohnzimmer aus. Rundumblick, quasi. „Bei guter Sicht kann man sogar Garzweiler sehen“, so Hessler.

Welche spektakulären Ausblicke ihre Wohnung noch bietet, zeigen einige großformatige Fotografien an den Wänden: „,Horizonte’ ist eines unserer Projekte. Wir haben über 2000 Fotografien mit einer Kleinbildkamera angefertigt, die ganz besonderen Stimmungen einfangen.“ Mal ist das Werk strahlend rot, mal gelb, mal blau: Einen Großteil der Bilder nehmen der Himmel und die Wolkenformationen ein. Auch Sturmtief Ela, das an Pfingsten 2014 wütete, hat Hessler auf seinem Weg nach Düsseldorf festgehalten.

Zu Hesslers unverwechselbaren Stil gehören die Wimmelcartoons

Von 1973 bis 2005 hat Claus Hessler aktiv als Illustrator gearbeitet. In den Jahren sind einige Arbeiten zusammengekommen. Hessler hat auch Titelbilder für den Stern und den Spiegel illustriert. Bekannt wurde der Krefelder Student, geboren in Emmerich, durch seine Wimmelcartoons. Viele kleine Figuren auf wenig Raum.

Der Designer und Illustrator Claus Hessler wurde 1943 in Emmerich geboren. Nach der Ausbildung zum Schriftsetzer studierte er von 1966 bis 1970 Visuelle Kommunikation und Grafikdesign an der Werkkunstschule Krefeld. Dort hat er nach seinem Studium bis 1973 auch einen Lehrauftrag, nebenher und danach arbeitet er freiberuflich als Artdirector, Grafikdesigner und Illustrator für zahlreiche Zeitschriften, Verlage, Werbeagenturen, Verbände und Kommunen. Neben seiner Tätigkeit in der Architektur organisierte er auch Ausstellungen seiner Werke, eine auch in Zusammenarbeit mit Amnesty International zum Thema „Opfer/Täter“.

„Man braucht einen eigenen Stil, eine Unverwechselbarkeit“, weiß Hessler. Für Hochtief hat er in neun Monaten Arbeit eine komplette virtuelle Stadt entworfen, die auch tatsächlich funktionieren würde. „Sogar die Tiefgarageneinfahrten sind berücksichtigt“, sagt Hessler, der in diesen Dingen von dem Fachwissen seiner Frau profitieren kann.

Seit 2005 widmet sich Claus Hessler nur noch seiner freien Kunst. Er zeichnet politische Cartoons und Bilder, für ein anderes Projekt vergrößert er die Pixel von Portraits so stark, dass sie sehr verfremdet, aber immer noch erkennbar sind. „Dafür nehme ich ausschließlich bedeutende Personen, die das Denken verändert haben.“

Die Arbeiten des Künstlerpaares harmonieren gut in ihrem Atelier

An den Wänden seines Ateliers hängen Pixelbilder von Karl Marx, Charles Darwin, Friedrich Nietzsche, aber auch die Kutte von Franz von Assisi hat er aufgepixelt. Sie hängt im Raum direkt gegenüber von einem Werk seiner Frau: einem überdimensionalen, grünen Strickpullover mit entsprechend großem Kleiderbügel. „Meine Version der Kutte ist nichts anderes als ein Superzeichen, ganz so, wie die Kirche ihre Reliquien ja präsentiert. Meine Frau hingegen wollte die zweite Haut des Menschen darstellen.“ Neben der ersten, der eigenen Haut, sei die Architektur die Dritte. Es fällt auf, dass die Arbeiten des Paares in dem gemeinsamen Atelier gut harmonieren, niemand stiehlt dem anderen die Show oder den Platz.

Nicht nur in ihrem Atelier ist die Handschrift des Künstlerpaares spürbar, auch die Flure der Etage wurden durch grüne Farbdetails verschönert. Wer den Fahrstuhl verlässt, blickt zuerst auf ein riesiges grün-weißes Tulpen-Poster. „Ich bin hier überglücklich“, betont Hessler. Dieses Haus bietet halt mehr, als auf den ersten Blick zu sehen ist.

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