Rhythmus und Stakkatogesang – DAF wecken Erinnerungen und Emotionen.

Gabi Delgado skandiert „Tanz den Mussolini“, und gehorsam setzt sich die Masse in Bewegung. DAF zeigen, dass sie nicht zum alten Eisen gehören.
Gabi Delgado skandiert „Tanz den Mussolini“, und gehorsam setzt sich die Masse in Bewegung. DAF zeigen, dass sie nicht zum alten Eisen gehören.

Gabi Delgado skandiert „Tanz den Mussolini“, und gehorsam setzt sich die Masse in Bewegung. DAF zeigen, dass sie nicht zum alten Eisen gehören.

Dirk Jochmann

Gabi Delgado skandiert „Tanz den Mussolini“, und gehorsam setzt sich die Masse in Bewegung. DAF zeigen, dass sie nicht zum alten Eisen gehören.

Krefeld. Tanzbare Rhythmen, Parolen im Stakkatogesang und Sequenzerläufe in Endlosschleife: Das sind Kennzeichen der Electronic Body Music, kurz EBM. Wie die Vorreiter und die neue Generation jenes emotionalen Musikstils klingen, davon konnten sich am Freitag über 500 Konzertbesucher in der Kulturfabrik überzeugen.

Mit Tsyke Ludder tritt zunächst ein norddeutsches Trio auf, das mit düsterem Electro-Sound Themen wie Militarismus, Terrorismus und Voyeurismus in wütende Beat-Attacken packt.

Songs wie das an den "Kirchenstaat" Scientology gerichtete "Thetanen" werden mit derart kompromissloser Härte dargeboten, das sich viele Zuhörern erstaunt und beeindruckt zeigen.

Frenetisch bejubelt wird im Anschluss die Deutsch Amerikanische Freundschaft (DAF), die EBM-Pioniere und Wegbereiter der "Neuen Deutschen Welle".

Im Rahmen ihrer Reunion-Tour zum 30-jährigen Bestehen präsentiert das Duo ein mitreißendes Set, das fast ausschließlich aus Liedern der Achtziger besteht.

Musik funktioniert als körperliches Erlebnis

Bis heute funktioniert ihr minimalistisches Konzept - elektronische Musik als körperliches Erlebnis. Beim Liveauftritt wecken Robert Görl als Schlagzeuger und Gabi Delgado als energischer Skandierer bei ständiger Wasserdusche mit ihrer selbst betitelten "Körpermusik" verloren geglaubte Emotionen.

Unterlegt mit Sequenzer-Loops schleudern sie gleich zu Beginn Klassiker wie "Tanz den Mussolini" oder "Verschwende deine Jugend" in bewährter Dampfhammer-Akustik dem ausgelassen tanzenden Publikum entgegen.

DAF bringen auch nach 30 Jahren Musik und Text auf den Punkt. Zum störrisch monotonen Elektronik-Stakkato erklingen die reduzierten Texte.

"Alle gegen Alle" und "Mein Herz macht Bum" sind bedingungsloses Futter für Kopf und Beine. Zwar verschleppen DAF mit gelegentlichem Breakbeat das Tempo, doch am Ende darf mit "Kebabträume" der Kult eine gelungene Wiederbelebung feiern.

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