Bei einem Turnier im Computerspielen treten 32 Profis von drei Kontinenten an.

E-Sport
Dennis Gehlen (stehend) und Geoff Robinson (sitzend) einen Tag vor Beginn des Turniers.

Dennis Gehlen (stehend) und Geoff Robinson (sitzend) einen Tag vor Beginn des Turniers.

Dirk Jochmann

Dennis Gehlen (stehend) und Geoff Robinson (sitzend) einen Tag vor Beginn des Turniers.

Krefeld. Geoff Robinson kämpft zweihändig – seine rechte Hand liegt auf der Maus, seine linke auf der Tastatur. Das Klicken und Klacken dieser beiden Waffen summiert sich auf rund 150 Anschläge pro Minute. Robinson hat so flinke Finger, weil er ein Profi ist. Er trainiert zehn Stunden täglich, sechs Tage die Woche – immer das gleiche Spiel: „Starcraft II“. Dafür bekommt er von seinem Sponsor, einem Global Player aus der Computerbranche, ein monatliches Gehalt. Normalerweise trainiert Robinson, Kampfname iNcontroL, in seiner Heimatstadt Seattle. Heute aber treibt er seine Alien-Horden in Krefeld über den Bildschirm.

Insgesamt werden 20 000 Dollar Preisgeld ausgeschüttet

Der Bildschirm steht in der Wohnung von Dennis Gehlen. Es ist nicht der einzige, rund 35 weitere stehen herum. Sie sind über die ganze Wohnung verteilt und werden per Starkstrom gespeist: Vor einigen sitzen Spieler und trainieren, vor anderen sitzen Techniker und installieren. Und dazwischen steht Gehlen und versucht den Überblick zu behalten. Das ist auch deshalb nicht einfach, weil ständig sein Handy klingelt, in das er abwechselnd auf Deutsch und auf Englisch spricht.

Gehlen ist der Organisator des Homestory-Cups, einem viertägigen Turnier bei dem 32 Spieler aus Asien, Amerika und Europa den kompetentesten Krieger in der Pixel-Welt von „Starcraft II“ ausspielen. Bei dem Echtzeit-Strategiespiel geht es im Wesentlichen darum, Stützpunkte zu erobern und Feinde zu töten. Natürlich kämpfen die Profis auch um Ruhm, vor allem aber kämpfen sie um Geld: 20 000 Dollar werden nach dem Finale am Sonntag ausgeschüttet.

Das Preisgeld stammt, genau wie die Hardware, von Sponsoren. „Teilweise sind das Geschenke, teilweise Leihgaben“, sagt Gehlen. Im Gegenzug biete er den Unternehmen die Möglichkeit zum Product-Placement. Und die Plattform, die er dafür zu Verfügung stellt hat eine beachtliche Reichweite. Er überträgt das Turnier auf seinem Internet-Sender Take TV und dort rechnet er mit „etwa 500 000 Zuschauern.“

Dementsprechend professionell ist seine Ausrüstung. Sechs Kameras stehen bereit, außerdem gibt es einen eigenen Regie-Raum. Der ist eigentlich sein Schlafzimmer, aber sein Bett hat er abgebaut und wegräumt. Jetzt stehen auch in diesem Raum vor allem Monitore, dazwischen ein Mischpult. Hier werden während des Turniers die Grafiken der Bildschirme und die Bilder der Kameras per Live-Schnitt zusammengefügt. Kommentiert wird das ganze dann von zwei hauptamtlichen Sprechern, einem aus den USA und einem aus den Niederlanden.

Der Homestory Cup kann im Limericks, dem Irish Pub unter der Wohnung von Dennis Gehlen, gemeinsam geschaut werden. Die Adresse ist Wiedenhofstraße 60.
 

Außerdem wird das Turnier im Internet übertragen: www.taketv.net

Noch internationaler sind die anwesenden Journalisten, für die ebenfalls ein Raum mit Computern bestückt wurde. „Die kommen unter anderem aus den USA, Spanien und Dänemark und berichten für Online-Portale, die sich auf Computerspiele spezialisiert haben.“

25 Helfer sind während des Turniers vor Ort

Unterstützt wird Gehlen bei der medialen Aufbereitung des Turniers von der Electronic Sports League (ESL), einer professionellen Liga für Computerspieler. Insgesamt gehen ihm rund 25 Helfer zur Hand. Unter ihnen ist auch ein Koch, der die Computerkrieger zwischen ihren Schlachten mit kulturübergreifenden Leckereien wie Spaghetti Bolognese und Chili con Carne versorgt. Gehlen selbst wird während des Turniers „durch die ganze Wohnung springen“, vor allem aber wird er sich um die Spieler kümmern.

Unter ihnen hat er auch schon einen klaren Favoriten auf den Turniersieg. Das ist nicht iNcontroL, obwohl er ihn für den „allerbesten Amerikaner“ hält, sondern ein Franzose, Kampfname Stephano: „Der hat schon gegen Koreaner gewonnen, trainiert auch da – ist also topfit.“

Die sieben Koreaner, die antreten werden, seien natürlich automatisch Anwärter auf den Cup, schließlich sei Südkorea das Paradies der Profizocker: „300 000 Dollar im Jahr kann man da durchaus verdienen.“ Aber die dortigen E-Sportler seien nicht nur die reichsten, sondern auch die schnellsten: „Die bringen teilweise 600 Anschläge pro Minute.“

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